Über die Beliebtheit der Sachsen außerhalb von Sachsen

Sachsen sind häufig nicht besonders beliebt außerhalb von Sachsen. Sachsen verstehen das meistens nicht, weil sie sich selbst ja für unglaublich freundlich, herzlich und was-auch-immer halten. Mit diesem Beitrag möchte ich in zwei Beispielen mögliche Gründe für die Unbeliebtheit von Sachsen außerhalb von Sachsen skizzieren.

Man denke sich einen typischen dänischen Naturzeltplatz (siehe vorletzter Beitrag). Diese sind für die Benutzung durch Radfahrer und Wanderer gedacht und angelegt worden. Einige solche, namentlich Radfahrer aus Berlin stammend, sitzen an einer typischen dänischen Picknickbank und stärken sich. Plötzlich kommt ein Auto auf das Gelände gefahren. Das muss jetzt noch nichts bedeuten, da dieses dort mehrmals am Tag geschah. In der Regel waren es Dänen, die den Blick über das Gelände schweifen ließen und dann wieder abhauten. Jetzt ist es anders. Es ist ein silberner VW Caddy mit drei rückwärtig aufgeschnallten Fahrrädern und Dresdner Kennzeichen. Auch ohne Kennzeichenkenntnis hätten wir die Insassen allerdings schnell nationalitätenmäßig korrekt zugeordnet. Baden-Württemberg kann kein Hochdeutsch und Sachsen nicht die Klappe halten. Dem Auto entstieg eine vierköpfige Familie inklusive, ich zitiere unsere nette Reisebekanntschaft, kleinem Schädling (die Frau war übrigens gelernte Krippenerzieherin). Nun kann zwar der kleine Schädling nix dafür, aber die ungünstig angebrachte Tonhöhe der kleinkindlichen Äußerungen steigerte die Beliebtheit von Sachsen im Ausland nun nicht gerade. Auch für eine mangelhafte Erziehungsleistung seitens der Eltern kann die Göre nix, daher mochten wir die Eltern auch gleich nicht. Der einzige vernünftige der Familie schien einzig der ca. neunjährige Sohn zu sein, von dem praktisch die ganze Zeit nichts zu sehen und zu hören war. Unter großem Tamtam und entsprechender Geräuschentwicklung wurden nun zunächst die Fahrräder abmontiert, der Kofferraum geöffnet und eine irrwitzige Anzahl von Fahrradtaschen zum zuvor ausgewählten Lagerplatz geschlürt, der natürlich so lag, dass er abends, wo es sich eh abkühlte, im Schatten lag, dafür aber morgens, frühmorgens, mit satter Morgensonne zu rechnen war. Nun gut, haben ja nicht alle so eine schöne Schulbildung mit Himmelsrichtungen und dem Verhalten von Himmelskörpern am Firmament genossen. Das alles begleitet von dem unaufhörlichen Gebabbel des kleinen Schädlings, gegen das die Eltern offenkundig immun waren. Unseren Kummer ob des unwürdigen Spektakels sublimierten wir in der Verbrüderung mit den netten Berlinern unter Zuhilfenahme von Weißwein. Am nächsten Morgen geschah das zu Erwartende: Der kleine Schädling war wach und frönte dem Motto Wenn ich nicht schlafe, schläft keiner. Namentlich ging es die ganze Zeit so: Mama, essen ham. Papa, essen ham. Mama, essen ham. Immerhin hat das Gör (noch) nicht gesächselt. Anders als die Eltern. Ich kann das weder mündlich noch schriftlich wiedergeben, aber unter einer beinahe unbeschreiblichen Geräuschentäußerung machte sich die Familie ans Frühstückmachen. Es war halb sieben, und der kleine Schädling hatte keinen Ausknopf. Zur Krönung der Situation wurde dann plötzlich der Junge, von dem die ganze Zeit zumindest nichts zu hören war, ausgemeckert, warum, war nicht auszumachen. Er hatte sich wohl nicht ausreichend an den feierlichen Vorbereitungen beteiligt – nicht genug gesabbelt wahrscheinlich. Ab diesem Moment waren wir fünf Stunden lang Ohren- und nach dem Aufstehen Augenzeugen eines beispiellosen Zusammenpackens, währenddessen der kleine Schädling unverdrossen in seiner unerträglichen Tonlage schwadronierte. Nicht ein einziges Mal haben wir erlebt, dass die Eltern Ruhe einforderten oder wenigstens dann ein Elternteil mal mit dem Gör verschwand, das den packenden Eltern natürlich auch noch ständig im Weg herumstand respektive einfach verschwand. Als der Caddy dann endlich den Platz verließ, klatschten wir Beifall.

Am nächsten Abend hatten Dänen beschlossen, sich auf dem Platz einer etwas seltsam anmutenden Feierei hinzugeben. Wobei, hingeben ist schon falsch. Es wirkte wie eine vorgeschriebene Feierei, die man nunmal zu begehen habe und die man eben dann auch durchzieht. Aber egal, darum geht es nicht, es soll nur erklären, warum die Feuerstelle besetzt war und auch einige andere Einrichtungen des Platzes. Unter anderem hatten die Dänen zwei Picknickbänke mit Beschlag belegt. Abends, wir waren vorher im Havnekroe essen gewesen, schaute ich auf die einlaufende Abendfähre und sinnierte, was uns die Abendfähre wohl noch so anspülen würde an Gästen. Eine Viertelstunde später radelten sich lauthals unterhaltende Jugendliche vorbei. Sie sächselten und bogen natürlich auf den Zeltplatz ein, der im Sturmschritt genommen wurde. Weder nahmen die Jugendlichen Rücksicht auf bereits anwesende Personen, noch auf die üblichen gefühlten Mindestabstände zu anderen, fremden Zelten, dafür stellten ihnen die Dänen leicht schuldbewusst eine ihrer Picknickbänke hin. Eine lenkende Hand konnte ich zunächst nicht entdecken, wohl aber ein einzelnes Mädchen bei rund zehn Jungs. Das Mädchen verhielt sich hoch rollenkonform und war entsprechend die erste, die mit Gesten versuchte deutlich zu machen, dass die Jungs mal ein bisschen leiser sein sollten. Es fruchtete natürlich nichts. Später schälte sich dann doch eine Art Häuptling in Form eines jungen, rastabezopften Mannes heraus, der sich uns gegenüber als Sozialarbeiter ausgab, aber ich glaube, dass der gerade einmal Erzieher gelernt hatte oder sowas. So eine Gruppenunternehmung findet ja immer auf mehreren Ebenen statt, einmal die Interaktionen innerhalb der Gruppe, aber eben auch die nach außen mit der Umwelt. Und da sollte der erwachsene Begleiter einer 10-Klassen-Abschlussfahrt durchaus auch als korrigierendes Regulativ eingreifen, wenn Interessen der Umwelt und der Gruppe aufeinanderprallen. Zum Beispiel gibt es das Interesse einer kleinen Gruppe von Jungs im geschätzten Alter von 16 Jahren, lautstark miteinander herumzupöbeln, Deine Mudder Sprüche abzusondern und überhaupt allerlei testosterongesteuerten, meist mit Geräusch verbundenen Unsinn zu machen. Alles kein Problem, aber bitte nicht mitten auf dem kleinen Zeltplatz, wo man nicht alleine ist. Desweiteren fand ich es durchaus daneben, jeden einzelnen vor die Alternative baden oder kochen zu stellen. Am Ende saß das Mädchen alleine da und säbelte Zwiebeln in handliche Stückchen, während ein Junge Nudeln in den Topf warf und kaltes Wasser dazuschüttete. Wir erteilten erstmal eine Basislektion in italienischer Küche, wofür sich aber nur mäßig interessiert wurde, die meisten würden die Nudeln ohnehin mit Ketchup essen. Im Verlauf des Abends hielt sich der Geräuschpegel unerwarteterweise sogar in Grenzen, wahrscheinlich weil die Jugendlichen die halbe Nacht am Meer saßen – sehr weise. Allerdings dann am nächsten Morgen dann wieder die Notwendigkeit des morgendlichen Früherwachens, weil zeitig mit dem Frühstück begonnen wurde. Ich möchte nicht mal sagen, dass sie direkt laut waren, aber vor sieben Uhr ist auch Zimmerlautstärke auf einem Zeltplatz zuviel. Als wir dann die Wasserstelle aufsuchten, um Zähne zu putzen, lagen direkt vorm Waschbecken die restlichen Nudeln im Gras. Daraufhin marschierte ich zu der frühstückenden Gruppe zurück und hielt eine Rede, die die Elemente Steigerung der Beliebtheit von Sachsen im Ausland, Zimmerlautstärke vor sieben Uhr morgens sowie fach- und mitmenschengerechte Entsorgung nicht gegessener Nudeln enthielt. Aber wer jetzt denkt, dass nun der Sozialarbeiter tätig wurde und die Beseitigung der Nudelreste veranlasste, der irrt.

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Einmal ist keinmal, aber zweimal ist System

Ich fahr nie wieder allein zum Flohmarkt. IMMER wenn ich das mache, regnets :-/

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Gedser reloaded

Wenn man schon keinen Sommerurlaub hat, muss man bei einem vorhergesagten Jahrhundertsommerwochenende zumindest Rostock verlassen, da natürlich alle anderen Menschen hierherkommen und den Strand bevölkern werden. Nichts liegt da näher als die menschenleeren Strände von Dänemark. Wir haben also wieder einmal rübergemacht. Unterwegs trafen wir natürlich andere Schiffe.

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Der Prins und eine DFDS-Fähre nahe der Kadettrinne.

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Da Dänemark einen einzigen Nachteil hat, nämlich dass es jenseits von Ferienhäusern kaum Übernachtungsmöglichkeiten gibt (jedenfalls auf Sydfalster), haben wir uns kurz entschlossen in Immobilienbesitzer verwandelt. Ich wollte ja schon immer mal was von der Outdoorluxusmarke Bergans besitzen, hätte allerdings eher mit einer Jacke gerechnet. Nun ist es ein supertolles, aufgrund von Gewicht und Größe gut für Fahrradausflüge geeignetes Zelt geworden. Aufgrund von Gewicht und Größe ist es – zumindest für uns nicht mehr ganz so jugendliche Hüpfer – eher nicht für längere Urlaube geeignet.

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Das uns ohnehin unendlich sympathische Dänemark bietet zwar – anders als die anderen skandinavischen Länder – kein Jedermannsrecht (sicherlich der eher geringen Größe des Landes geschuldet), dafür aber kostenlose sogenannte Naturcampingplätze mit rundum-sorglos-Paket nur für Radfahrer und Wanderer (was allerdings nicht kontrolliert wird, wir haben auch Autofahrer erlebt). In Gedser gibt es in geschützter, gleichwohl strandnaher Lage zwei sogenannte Shelter (offene Blockhüttchen), einen überdachten Essplatz, eine nahegelegene Wasserstelle, ein gepflegtes Dixieklo (mit Klopapier) sowie eine Feuerstelle mit Grilloption. Großartig.

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Holz herbeischleppen und zersäbeln muss man freilich selber. Es lebe das Schweizer Taschenmesser mit Feststellklinge und Säge!

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Meer- und Fährenblick inklusive :-).

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Die vier Bäumchen im Vordergrund wurden so genial dahingepflanzt, dass wirklich den gesamten Nachmittag über ohne große Tisch-Umziehaktionen Schatten zu genießen war. Und den brauchten wir tatsächlich. Am Rücken pelle ich mich gerade (und man denkt ja als Rostocker *vorgebräunt*).

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Wie gesagt konnte man quasi vor der Tür baden gehen. Wenn man Glück hat (oder Zeitgefühl), konnte man die Bugwelle der einlaufenden Fähre mitnehmen :-D.

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Sieht ein bisschen aus wie eine Straße ins Nichts. Oder in die Unendlichkeit. Stimmt beides auch. Ein paar Zickzackkurvven und Hügelchen weiter kommt tatsächlich das südliche Ende Skandinaviens. Dort kann man prima Donnerkeile fangen. Ja, fangen, nicht einfach finden. Die Brandung schiebt Steine hin und her, und die Donnerkeile kullern dann immer so lustig darauf herunter. Sie zu entdecken und dann beherzt inmitten der Brandung zuzugreifen würde ich schon mehr als jagen und weniger als finden bezeichnen, zumal uns einige Exemplare tatsächlich durch die Lappen gegangen waren ;-).

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Für Frau Tonaris Reihe I see faces fanden wir dieses Stück Treibholz.

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Und in der Steilküste des südlichen Skandinavienendes nisten die Schwalben… schöner gehts nicht.

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WELT-MEIS-TER!!!!

Da isser, der Titel.

Ich habs Euch ja gleich gesagt. Von Anfang an war ich mir, anders als bei vorangegangenen Turnieren, unendlich sicher, dass das diesmal klappt.

Die Spiele, die ich in der Vorrunde sah, haben mich eher noch bestätigt. Man muss auch gegen schwierige Mannschaften bestehen, so wie Ghana und Algerien, überraschend dabei war höchstens, dass Algerien deutlich schwerer zu knacken war als Brasilien. Gerade das Spiel gegen Brasilien wurde dann immer als Landmarke dafür herangezogen, dass es für den großen Wurf auch diesmal nicht reichen werde – schließlich sei die brasilianische Mannschaft vollkommen paralysiert gewesen. Ja, das muss man aber auch erstmal schaffen! Angesichts der desolaten Leistung auch im kleinen Finale muss man sich allerdings schon fragen, wie es diese Gurkentruppe überhaupt ins Halbfinale geschafft hat. Das kann doch nicht allein an Neymar gelegen haben, der ja am Sonnabend wieder sehr putzmunter in der coaching zone unterwegs war, um dann später bei der Pressekonferenz den sterbenden Schwan zu geben. Der Verdacht, die Brasilianer sind mehr oder weniger von den Unparteiischen in die K.O.-Runde getragen worden, hat jedenfalls dann doch noch einmal neue Nahrung erhalten.

Überhaupt die Schiedsrichter – auch gestern wieder eine unterirdische Leistung mit einem ungepfiffenen Foul, das eine Gehirnerschütterung (!) und die nachfolgende Auswechslung von Kramer zur Folge hatte. Und das war nur der Auftakt einer Reihe von Fehlentscheidungen, vor allem der in der ersten Hälfte vergleichsweise ungerechtfertigten gelben Karten, wenn man sich die ungepfiffenen argentinischen Fouls in der zweiten Hälfte anguckt. Man hatte fast den Eindruck, dass der Schiedsrichter immer erst wartete, bis er die Rückennummer sehen konnte – hatte der Foulende bereits gelb, blieb es bei einer Verwarnung. Eigentlich hätten die Argentinier schon in der ersten Hälfte nurmehr mit 10 Mann auf dem Platz stehen dürfen. Das Foul an Schweinsteiger – unterirdisch. Dafür muss der Spieler sofort rot sehen. Umso beeindruckender, wie Schweinsteiger sich mal eben am Spielfeldrand nähen lässt und wieder zurückkehrt, als sei nix gewesen.

Die harten und dabei erstaunlich wenig geahndeten Fouls sind sicherlich eine der unschöneren Erinnerungen an die WM. Dabei gibt es klar definierte Kriterien zum Schutz der Spieler. Wieviele in Kopfhöhe gestreckte Beine ich ungepfiffen gesehen habe, kann ich gar nicht sagen. Dafür wird dann diskutiert, ob Neuer gestern ein Foul begangen hat, wobei doch eher der argentinische Spieler niemals derart auf Neuer gehen darf, der gerade den Ball spielt. Gerade der spezielle Schutz der Torwarte im 16er und dann auch nochmal extra im 5er wurde häufig von den Unparteiischen unterlassen. Gefühlt war es die WM mit den wenigsten Karten und Platzverweisen, obwohl das rein von den gesehenen Fouls und Unsportlichkeiten überhaupt nicht sein kann. Andererseits gab es zuhauf sehr schön anzusehende sportliche und faire Szenen, insbesondere das Verhalten der deutschen Mannschaft nach dem Sieg gegen Brasilien ist hier zu erwähnen, oder der Gegenspieler von Mascherano, der den taumelnden, kurzzeitig weggetretenen Verteidiger auffängt.

Um mal einen Tweet von gestern zu mopsen: Ihr seid jetzt zwar Papst, aber wir Weltmeister ;-) ich freue mich für die Nationalmannschaft, sie hat lange und hart dafür gearbeitet und hat sich diesen Titel redlich verdient, nicht nur in Zusammenschau der vergangenen Jahre, sondern auch bei genauer Beschau des Turniers. Es war nicht ein schlechtes Spiel dabei, und vor allem musste man glücklicherweise auf die früher häufig zu sehende Verzagtheit im Angesicht sogenannter Angstgegner verzichten. Ich denke, aktuell ist die deutsche Nationalmannschaft für die meisten Fußballnationen der Angstgegner, und damit ist der Titel natürlich auch hochverdient!

Fast noch mehr als über den Gewinn der Weltmeisterschaft freue ich mich darüber, dass die Mannschaft wieder in Berlin zurückkehrt und nicht etwa im Dorf Frankfurt, nur weil dort der DFB sitzt und ein paar Funktionäre nun ausprobieren müssen, wie man von FFM nach Berlin kommt ohne Hauptstadtflughafen. Eine siegreiche Nationalmannschaft hat in der Hauptstadt empfangen zu werden und sonst nirgends. Berliner, feiert die Jungs und Mädels dann anständig!

Einziger Wermutstropfen: Wir brauchen neue Trikots. Unsere sind zwar eh von der EM vor zwei Jahren, aber drei Sterne gehen ja nun nicht mehr. Und da noch einen draufzusticken… nee, das will auch der Capitano nicht wirklich. Auch wenn er es denkt.

Ach ja, und das magische Denken ist toll! Jetzt also immer Girlanden an den Fernseher hängen und Mahlzeiten des letzten Weltmeisters kochen… das bedeutet beim nächsten Mal also Kohlroulade, Schweinebraten und Rahmgemüse *jetztsoeinensmileymitweitaufgerissenenaugendenken*

War schön. Und was machen wir heute abend?

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Wochenendbeschäftigungen

Ist der Capitano auf See, hofft man am Wochenende natürlich darauf, ganz viele Sachen erledigt zu bekommen, zu denen man sonst nicht kommt, weil man tollere Sachen zusammen unternimmt. Zum Beispiel gaaaaaanz viele Blogeinträge zu schreiben, irgendwas sauberzumachen und endlich mal diese ganzen To-do-Listen abzuarbeiten, die sich zumindest in meinem Kopf befinden, nicht extern verschriftlicht.

Und dann? Denkste, Puppe!

Geschafft habe ich trotzdem einiges, und der Blogeintrag wird ja auch grad was.

Gestern habe ich stundenlang in der Küche gestanden bzw. auf dem Balkon gesessen und Pesto gemacht. Einerseits musste ein Basilikumgewuchere zum Friseur, andererseits gab es ein wild wucherndes Töpfchen mit dem theoretischen Namen Kräuter der Provence und dem praktischen Inhalt zu 80% aus Petersilie, dem typischsten Vertreter der provencalischen Küche, bestehend, das ebenfalls mal beerntet werden musste. Nach so einer Pestoangelegenheit ist die Küche ja immer fällig für eine mittelgradige Renovierung und der Kühlschrank sehr voll. Außerdem musste ich neue Salzzitronen machen, denn binnen einer Woche ist das erste Glas fast leer, und nur ein weiteres steht für die kommenden ca. 6-8 Wochen zum Öffnen bereit. Renovierungsbedürftigkeit der Küche nach Salzzitronenzubereitung nochmals gesteigert. Ich weiß ja nicht, wie das die Bloggerin macht, von der ich die Schnapsidee mit den salsifizierten Zitronen hatte, die so schrieb, dass sie das immer so nebenbei mal mache, es nicht länger als 5 Minuten dauere und die Zubereitung quasi subkortikal ablaufe. Ich bin die langsamste Köchin der Welt. Wenn ich Kinder hätte, würde ich die schon aus dem einfachen Grund in die Krippe und den Kindergarten und auf jeden Fall in eine Ganztagsschule schicken, damit die nicht verhungern und nicht in renovierungsbedürftigen Küchen verwahrlosen.

Heute war ich auf dem Flohmarkt. Es gibt da ein Projekt, das, als es noch keins war, absolut verheißungsvoll gewesen wäre; seit es eines ist, sind die Aussichten trübe bis dunkelschwarz. Mehr kann zum aktuellen Zeitpunkt dazu nicht gesagt werden; es ist möglich, dass der Feind mitliest. Da ja nun der fahrbare Untersatz auf dem Spezialparkplatz an der Fähre stand (ich darf ihn ja eh nicht bewegen), musste eine Radtour her. Neun Kilometer sollten natürlich kein Problem darstellen und waren es auch nicht. Aber die Meteorologie! Als ich ankam, ging gerade ein mittleres Schauerchen zuende. Die Planen auf den Tischen wurden weggerollt, und ich war zwar projektmäßig wieder einmal gar nicht erfolgreich, erstand dafür aber einen nachgemachten und schlecht bedienbaren Rubikwürfel, weil ich in letzter Zeit so viel darüber gelesen hatte und mich daran erinnerte, dereinst den Algorithmus geknackt zu haben, wie man den löst. Inzwischen hab ich zumindest wieder raus, eine Seite hinzukriegen. Man darf aber nicht fragen, wie ich das mache. Das weiß ich nämlich nicht. Auf einmal ist eine Seite blau oder grün oder rot, und da das immer schneller gelingt, muss ich das Prinzip bereits wieder verstanden haben. Oder ich konnte das damals so gut, dass es auch jetzt, ähnlich dem prozeduralen Gedächtnis, wieder und immer noch subkortikal abläuft. Ich würde das aber gerne kortikalisieren (auf deutsch: wissen, was ich tue und warum), um den Rest vom Würfel auch noch zu klären. Jedenfalls brach dann ein Wolkenbruch aus, der das Heimfahren zunächst vereitelte. Mein Fahrrad samt Regenbekleidung war einfach drei Meter entfernt, das hätte ich nicht in einem noch akzeptablen Durchnässungsgrad zum Umziehen erreicht. Also Abwettern unter einem dieser Stände, die überhaupt nicht flohmarktmäßig irgendwelche schrecklichen Taschen sowie seltsamen Nippes feilboten.

Endlich und halbwegens trocken dann zuhause angekommen wurde Kartoffelsalat zubereitet. Eigentlich sollte er spanisch=mediterran werden, aus Gründen. Andererseits guckte ich in mein gutes, altes Basic cooking und fand dort einen Kartoffelsalat mit ohne Mayo und dafür einem Haufen Brühe. Da wir über einen solchen verfügen, der auch gerne mal im Sinne der Nachhaltigkeit dezimiert werden darf, entschied ich mich zu einer Mischung aus Rezept, Gefühl und Speisekammervorgaben. Es sind also Kartoffeln, ausgelassener Pancetta, eigene getrocknete, eingelegte Tomaten, Kapern, Minze, Frühlingszwiebeln und noch ein paar von den eingelegten Tomaten zum Einsatz gekommen, dazu eben erwähnte Gemüsebrühe, Essig, Öl und Gewürze. Na mal sehen.

Jetzt nun also bald Finale. Ich mein, die Jungs können das schaffen. Dass sie Argentinien mit Messi bei WMs schlagen können, haben sie mehrfach gezeigt, zuletzt haben sie sehr gut gespielt – eine Mannschaft muss sich auch erstmal so zerlegen lassen wie die Brasilianer! Außerdem gilt das Gesetz der 24 Jahre. Verdient haben sie es allemal. Ich freue mich auf ein tolles Finale und hoffe als artige Arbeitnehmerin, dass weder Verlängerung noch Elfmeterschießen stattfinden, obwohl bei letzterem mein Gefühl im Zweifel und mit Glück auch eher unseren Jungs gewogen wäre.

3:1.

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Salzzitronen

Eigentlich ein Zufallsfund. Zum Thema outtakes from your kitchen waren Foodblogger aufgerufen, “Rezepte” zu bringen, die sie selbst für so dermaßen einfach, simpel und alltäglich halten, dass sie sie selbst nicht mal als Rezept bezeichnen würden. Die Autorin Sabine Schlimm bloggte dafür sogenannte marokkanische Salzzitronen. Da ich extrem neugierig war, wie man sich wohl ein Aroma vorstellen muss, dass einerseits zwar ausschließlich aus Salz und Zitronen zusammengesetzt ist, andererseits aber keinesfalls nach diesen Zutaten schmecke und eigentlich unbeschreibbar sei, musste ich natürlich welche nachbauen. Unglücklicherweise sollen die Zitronen 2-3 Monate im Salz bleiben, bevor sie verwendet werden. Man muss also immer wieder mal Gläschen ansetzen, um immer welche parat zu haben, wenn man sie braucht. Und da ich nun ENDLICH das erste Glas aufmachen durfte, muss ich feststellen, dass man wirklich immer welche parat haben muss. Das Aroma ist nämlich gar nicht, wie man erwarten würde, – Achtung – einfach sauer und salzig, sondern irgendwie anders, harmonisch und unbeschreibbar :-p. Sowohl mit den eingelegten mondgetrockneten Tomaten als auch in der Paella und im vorhin schnell hingerotzten Tomaten-Brot-Salat bringen sie eine tolle Geschmackserweiterung zustande. Ich stelle sie mir auch großartig mit Hähnchen oder Kaninchen oder als Erweiterung des neulich von mir erfundenen Joghurt-Minze-Knoblauch-Dip vor. Überhaupt mit Minze müsste die Kombi fein sein. Alles ausprobieren!

Es geht denkbar einfach:

Ein Glas (besser mehrere, vor allem beim ersten Mal) mit Schraubverschluss oder entsprechend Weckgläser heiß ausspülen und die zu verarbeitenden Zitronen ebenfalls sehr heiß bzw. mit kochendem Wasser abspülen, dann vierteln oder achteln (in den Originalrezepten bleibt die Zitrone wohl ganz und wird nur eingeschnitten, das sieht hübsch aus, ist später aber eher unpraktisch, wenn man die Teile verwenden möchte) und mit einer ordentlichen Ladung Salz jeweils zwischen den Stücken ins Glas schichten, aber nicht quetschen. Wenn das Glas voll ist, mit kochendem Wasser aufgießen und das Glas fest verschließen. Nun für 2-3 Monate an einen dunklen und kühlen Ort stellen. Fertig.

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Zum Halbfinale: Paella :-)

Da ich es für passend hielt, zum Habfinale das Nationalgericht derjenigen Mannschaft zuzubereiten, der wir uns zuletzt bei Turnieren geschlagen geben mussten, gab es gestern bei uns Paella. Meine erste übrigens! Es ist ein feines, langsames und dann am Ende sehr schmackhaftes Essen, und der Erfolg ließ ja dann später auch nicht auf sich warten! Jetzt ist magisches Denken gefragt. Vorschläge, was ich dann entsprechend zum Finale – natürlich in Abhängigkeit vom heutigen Spielausgang – kochen könnte, sind in den Kommentaren herzlich willkommen!

Paella nach Art des dynamischen kochenden Duos:

2 Hähnchenflunken (diesmal bio)

mehrere Hähnchenflügel (dito)

Gambas (diesmal geschält, gekocht, tiefgefroren)

Zwiebeln

Knoblauch

Paprika

Erbsen

Tomaten

Reis (diesmal Risottoreis)

Salzzitronenviertel

Safran

und ganz viel heiße Brühe, bei uns natürlich selbstgemachte sowohl Hühner- als auch Gemüsebrühe!

Zunächst die Hähnchenteile noch einmal zerlegen und in Olivenöl langsam anbraten. Das dauert etwas. Dann, wenn sie schön golden sind, an den Rand schieben und die zerschnittenen Zwiebeln und Knobis einrühren, anschwitzen. Den Reis dazugeben. Paprika. Tomaten abbrühen und häuten, auch dazu, die Erbsen und dann erstmal alles verrühren. Wenn man ungeschälte Gambas verwendet, sollten die wohl auch jetzt schon ran, wir ham das später gemacht, damit die nicht so trocken werden. Salzen und pfeffern nicht vergessen! Auch die kleingeschnittene Salzzitrone darf jetzt dazu. Safran mit einem Schluck heiße Brühe mischen und auch dazu. Nun nach und nach die heiße Brühe angießen und das Ganze etwas schmoren lassen. Wenn genügend heiße Brühe dran ist, um den Reis flüssigkeitstechnisch zu versorgen, kommt die Pfanne für 15 Minuten in den vorgeheizten Ofen (200°). Eigentlich sollte die Pfanne noch brutzelnd auf den Tisch, darauf haben wir aber verzichtet und das Gericht nach herkömmlicher Art in Schüsselchen aufgetragen. Großartig! Dazu passt die phantastische Musik von Alle Farben.

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