Ich war vor mehr als zehn Jahren schon mal in Portugal, der Kapitän bislang noch nicht. Diesen misslichen Umstand wollten wir tilgen. Zudem, ich erwähnte es bereits, diente der Urlaub eigentlich der Abkürzung des ohnehin deutlich zu langen Frühlingserwartens. Das ist zwar gescheitert, aber der Urlaub war natürlich trotzdem wunderbar.
Zum einen bestätigte sich die in meiner Erinnerung so abgespeicherte ausgesprochen freundliche und zugewandte Mentalität der Portugiesen bei gleichzeitiger vornehmer Zurückhaltung. Verständigung war in den meisten Fällen dreisprachig problemlos gemischt möglich. Also wir versuchten portugiesisch, die portugiesische Antwort haben wir meist nicht verstanden, dann wurde deutsch oder englisch angeboten. Ich habe mich aber sehr darüber gefreut, dass unsere portugiesische Gehversuche nicht gleich mit konsequentem englisch- oder deutschsprechen geblockt wurden.
Dann: lecker Essen. Vor allem aus dem Meer. Höhepunkt: Gegrillte Sardinen auf einer Klippe über dem Atlantik an der alentejanischen Küste. Unten Strand und brüllender Ozean. Oben zwar Wind, aber Klima lässt insgesamt Draußensitzen zu. Drinnen sitzt die Belegschaft beim Mittag, bei Wein, Weib und Gesang und Fisch wird geschlemmt. Unser Koch genehmigt sich noch einen Kaffee und ein Schäpsken, bevor er unsere Sardinen fertiggrillt und uns persönlich herausbringt. Dann schaut er uns beiläufig von drinnen dabei zu, wie wir unsere Sardinen mit Messer und Gabel fein säuberlich an der Mittellinie aufsäbeln und dann versuchen, das Fleisch von den Gräten abzupulen. Keine fünf Minuten später steht er draußen bei uns und erklärt uns das Essen von Sardinhas grillados á la portugiesas (“I won’t touch anything you will eat”), indem er dem Kapitän eine Sardine abnimmt und ihr eigenhändig mit einer guten Begründung das Fell über die Ohren die Haut vom Fleische zieht (“When you take your wife to the room, you have to make her naked”). Anschließend wird die Sardine ohne weitere Zuhilfenahme des Bestecks verspeist. Besteck benötigt man nur für den Verzehr der Beilagen, die einfacher (und leckerer) nicht sein können: Salat bestehend aus Salat, Tomate, Zwiebel (eingenhändig anzumachen mit Olivenöl, Essig sowie Salz und Pfeffer) und ebenfalls gegrillten kleinen Kartoffeln. Köstlich! Der Kapitän bekam dann fast noch Ärger mit dem Koch, weil er keinen Rotwein zum Fische trank (“Tell the police, you come from Gabriel, then you have no problem”).
Presunto. Schinken gewordenes Manna. Manna! Sardinenpaste, gerne mit Piri-Piri. Kleine Käse aus Ziegenmilch. Brot, Butter, Sardinenpaste als Vorspeise, um die Wartezeit zu verkürzen. Überall leckere und meist auch noch außerordentlich preiswerte Hausweine. Tomaten und Zwiebeln zum Frühstück. Olivenöl. Weißweinessig. Piri-Piri-Sauce.
Im Reiseführer lasen wir, dass der Meia Praia (“Halbstrand”) beliebt bei Muschelsammlern sei. Vor Ort stellten wir fest: Zu Recht! Folge davon: kiloweise nach Hause geschleppte Muschelberge. Daheim mussten dann die langweiligen, gewöhnlichen Muscheln wieder aussortiert werden. Diese setzten wir dann in einer feierlichen Zeremonie relativ unspektakulär in Burgau wieder aus, so dass in zukünftigen, schlecht recherchierten Reiseführern vielleicht der Satz zu finden sein wird, dass sich Burgau unter den Muschelsammlern zu einem echten Geheimtipp entwickelt habe.
Das Wetter verwöhnte uns auch dort nicht unbedingt, kein Portugiese verabsäumte es, uns darauf hinzuweisen, dass es normalerweise an der Algarve um die Zeit niemals so kalt und bedeckt sei, üblich seien bis zu 25° Celsius. Aber bei Temperaturen, die bis zu 20°C über den aus Rostock berichteten lagen, konnten wir uns nicht beschweren. Den Sonnenbrand hole ich mir nun wohl aber doch eher auf dem heimischen Balkon (freilich nur im Gesicht bei ansonsten von Polartec Fleece 300 isoliertem Restkörper). Baden war auch nicht, wenn es von Wind her passte, waren die Gezeiten und ihre Strömungen nicht wohlgesonnen, oder umgekehrt. Füße reinhalten ging aber wohl.
Was hilft am besten gegen Flugangst? In einem Airbus A-321 zu fliegen und sich dann ausgerechnet auf die Sitze am Notausgang zu plazieren, wo die Stewardess während Start und Landung umgekehrt zur Fahrtrichtung und angeschnallt wie in einem Ralleyauto Platz nimmt. Quasi auf deren Schoß sitzend. Da Stewardessen auch während Start und Landung ausgesprochen freundliche Personen sind, kann man sich schnell in ein Gespräch verwickeln lassen und bekommt die schlimmsten Kurven sowie den Landeanflug gar nicht richtig mit. Zudem kann man sich, solange die Stewardess nur ihre kundigen Kontrollblicke in die Kabine wirft, ansonsten aber keinerlei Unruhe spüren lässt, vielleicht doch einigermaßen sicher fühlen.
Der nächste Urlaub geht aber doch mit Schiff und Fahrrad nach Dänemark. In vier Wochen
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Meie Praia, der Strand der Muschelsucher. Hier muss man, sofern man mit Flugzeug und entsprechender Gewichtsregelementierung abzureisen vorhat, liegenlassen können.

Ein von außen vollgekacheltes Haus im Zentrum von Lagos. Kacheln (ajeizulas* oder so ähnlich) spielen hier neben der vollweißen Verputzung eine große Rolle bei der Außengestaltung der Häuser.

In Lagos blühtete es, dass es nur so eine Freude war. Im Hochsommer siehts hier sicher ganz anders aus.

Eine einsame Pinie über einem der vielen Kliffe hier.

Ponta da piedade (oder so ähnlich, das is’ ausm Kopp). Leuchtturm und ein Kap der Fischerhoffnung – wer hier bei Sturm herum ist, so heißt es, sei schon so gut wie sicher im Hafen von Lagos eingetroffen.

Das ist dann unten drunter unterm Kap der Schnack – hier legen auch Ausflugsboote an. Man fragt sich nur, wie?

Neue botanische Entdeckung: Agaven heißen an der Algarve selbstredend Algarven. Ist doch logisch.

Die nicht unimposante und in der Saison sicher überfüllte Stadt Lagos leistet sich eine Freiwillige Feuerwehr. Mit modernstem Gerät, hier im Bild eine original Magirus-Deutz Drehleiter. Trotz oder wegen Freiwilligkeit lungerten eigentlich immer Feuerwehrleute vor dem Gebäude herum. Immerhin: Die Straße heißt “Rua de Bombeiros Voluntarios de Lagos” oder so ähnlich, also Straße der Freiwilligen Feuerwehr von Lagos. Wobei Bombeiros auch einfach ein einwandfreier Begriff für Feuerwehr ist.

Im Hafen von Sagres. Lauter Körbe, mit denen Krabben gefangen werden.

Fast am südwestlichen Ende Europas: Mittelmeeratlantik und Atlantikatlantik treffen aufeinander und machen Quatsch.

Die angebliche Windrose der angeblichen Seefahrerschule Heinrichs des Seefahrers in Sagres. Eine Windrose ist es wohl nicht, eher eine Art Sonnenuhr. Oder auch nicht. Wer weiß das schon? Jedenfalls im Vordergrund eine Miniatur der Windrose.

Stairway to heaven? Jedenfalls eine weitere, im Kern inzwischen gesperrte Fortaleza nahe Sagres.

Unterhalb der geangelt wird, was das Zeug hält. Da kennen die Portugiesen gar nichts. Unterhöltes Kliff, gefährlicher Abstieg, schlechtes Wetter: Am besten angelt es sich an den richtig gefährlichen Plätzen.
*Azulejos heißen die Biester