Um die 1500 Leben

Ich habe heute mal eher spaßenshalber, um eine junge Kollegin zu beeindrucken einer jungen Kollegin das Konzept Erfahrung bildlich vor Augen zu führen, nachgezählt, wie viele Befunde ich in den letzten fünf Jahren geschrieben habe.

Es waren tatsächlich um die 1500.

Das sind jetzt nicht auch wirklich 1500 verschiedene Menschen, weil es auch eine ganze Reihe gibt, die ich schon zwei- bis mehrfach gesehen habe. Gleichwohl sind es 1500 Momentaufnahmen von 1500 Situationen, Begegnungen, und 1000 verschiedene waren es sicherlich.

Die Neurologie ist ein medizinisches Fach, das Studenten der Humanmedizin lange abgeschreckt hat, weil es a) sehr diagnostisch ist = schwer und b) wenig Aussicht auf die eigentliche ärztliche Tätigkeit = heilen gab. Nachbardisziplinen wie meine oder z.B. die Physiotherapie sind hingegen häufig eher fasziniert von Anspruch und Komplexität des Fachs. Ein Physiotherapieschüler sagte mir heute, es sei viel interessanter als bspw. Orthopädie oder Chirurgie, weil im Zweifel ein Knie immer ein Knie sei, ein neurologischer Patient in der Regel jedoch kompliziertere Bewegungsstörungen habe. Es ist halt nicht nur irgendein Muskel oder eine Sehne defekt, sondern das komplizierte Wechselspiel mit den Motoneuronen und den sensorischen Neuronen komme noch hinzu.

Neurologie erdet. Man kann jedem, der den Bodenkontakt verliert, eigentlich nur zu zwei Dingen raten: Entweder Seefahrt. Das erdet zwar nicht, weil Wasser bekanntlich keine Balken hat. Aber Seefahrt hat umschriebene Gesetze, die überlebenswichtig sind, eines davon ist: Eine Hand fürs Schiff und eine für sich, ein anderes: Was der Kapitän sagt, wird gemacht. Ohne Diskussion. Das andere Ding ist sicherlich generell dorthin gehen, wo es wehtut, aber ich rate zur Neurologie.

[Ich war eben dabei, so verfremdet wie möglich Beispiele zu tippen, aber es funktioniert nicht.]

1500 Begegnungen. Diese Menschen waren oder sind alle krank, viele schwer krank, einige leben nicht mehr. Ausgesucht hat sich das keiner von ihnen.

Wir sind am Leben. Gesund. Lieben einander. Können arbeiten. Dürfen an der Küste leben. Was will man denn mehr. Seefahrt und Neurologie erden.

 

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Symbolbild 

Allerdings gekoppelt an den erfolgreichen Abschluss von Projekt P.

In meinem Fachgebiet an einer Uniklinik eine unbefristete Vollzeitanstellung zu haben grenzt an einen Sechser im Lotto.

Nur hätte es die Personalabteilung wirklich etwas weniger spannend machen können. Bis gestern früh war der Stand, entweder nächste Woche Dienstag zur Auftaktveranstaltung im Arbeitsamt, oder eben obiges. Das waren einige sehr unangenehme Tage.

Vielleicht gibt es nun hier auch wieder mehr zu lesen. Jetzt gilt es nämlich als nächstes, die Schreibblockade zu überwinden. In jeder Hinsicht. Danke für eure Geduld. Ich wünsche euch ein schönes langes Wochenende, kommt an die Küste! Hier wird das Wetter am besten!

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Ostern

Am Karfreitag gab es Kartoffeln mit Quark und selbst eingelegten Pfefferheringen.

Am Karsonnabend gab es mal wieder Schuhe im Baum.

Außerdem gab es ein Fossiliengestapel auf dem Esstisch.

Am Ostersonntag waren wir erst auf dem Flohmarkt und anschließend auf der Versammlung internationaler Food-Truck-Akteure im IGA-Park. Leider wurde man bereits am Einlass (ohnehin absurd, für eine solche Veranstaltung auch noch Eintritt zu verlangen) wie ein Teenager auf dem Weg zur 1.-Mai-Demo behandelt. In die Tasche gucken und sich einen halben Liter Selters in der Plasteflasche abnehmen zu lassen, gehört nun nicht zu meinen besten Erinnerungen (aus Trotz habe ich dann auf der Veranstaltung selbst nichts zu trinken gekauft. Ätsch!). Entsprechend missgestimmt habe ich auch keine Photos gemacht. Die geneigte Leserschaft möge die Begriffe street+food+rostock bildergoggeln und fündig werden. Was wir aßen, war allerdings gut. Ein neuseeländisches Steak-Sandwich mit scharf-süßer Mangosauce, einen im Buchenscheitrauch gegarten Lachs im Brötchen, einen Latine-Burger mit einem Patty aus Biohack und Chorizo sowie Guacamole und einer etwas gewöhnungsbedürftigen Salsa aus Ei und Käse. Alles für „Street Food“ viel zu teuer, dafür aber langsam. Eine echte Alternative zu meiner leider auch teuren und unleckeren Kantine wäre das also auf Dauer nicht.

Heute ging es dann nach Pütnitz zu den Technikfreunden. Ein ehemaliger Militärflughafen unserer sowjetischen Freunde mitten im Wald am Saaler Bodden gelegen. Vier riesige Hangars, die nicht mehr ganz standfest aussehen. Buchstäblich bis unters Dach angefüllt mit Zeug aller Art. Insbesondere Fahrzeuge aus DDR-Zeiten. In einer Halle stand viel Militärmaterial herum, insbesondere auch einer der legendären T-34-Panzer der Roten Armee. Neben all den moderneren Panzern, Selbstfahrlafetten, Strandhaubitzen, Brückenlegern und Straßenbauern sah der allerdings nicht ganz so ehrfurchteinflößend aus. Bis auf den einen Hubschrauber habe ich keine Photos vom Militärgerät, ich will nicht den Eindruck erwecken, mich für Militärgerümpel zu interessieren.

Wer mich etwas näher kennt, weiß, dass dieses Auto sofort meins wäre. Falls ich Auto fahren könnte und müsste.

Ein zum Pick-up umgebauter Wartburg.

Die Volkspolizei.

Ein Düngeflieger an mehreren Trabanten unterschiedlicher Baureihen.

Ein nachgestellter Verkehrsunfall, Schuld war natürlich der Pole im Polski Fiat.

Endlich Gelegenheit, den schönen Spruch „Wer Ifa fährt, fährt nie verkehrt, weil Ifa überhaupt nicht fährt“ anzubringen. Och Danke!

Ein Wolga. Zumindest in Ostberlin (Hauptstadt der DDR) waren Taxis ausnahmslos Wolgas. Ich erinnere mich noch heute an den Geruch aus Ledersitzen, Zigarettenrauch (damals wurde in Taxis geraucht) und Autogas.

Staatskarossen.

Liebe Autofahrer, mit so wenig Technik konnte man seinerzeit ein Fahrzeug lenken und bewegen!

Die Rotorblätter dieses MI-8 wiegten sich sanft im Luftzug der Halle.

Schiffe gibt es hier auch.

Die schwierige Frage, wie eine derart große Fläche bei Dunkelheit wohl auszuleuchten sei, haben die Technikfreunde auf ihre eigene Art beantwortet.

Eine MIG-29. Leider ohne Innenleben. Eigentlich nur noch eine Röhre.

Wir hoffen, Ihr hattet auch schöne und vor allem entspannte Ostern!

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Begebenheiten

Verschiedenes passiert ja hier bei uns.

Heute in der Stadt auf dem Markt. Ich wollte vorbildliche Eier kaufen von einem Hof, der sich der Bruderhahngeschichte verschrieben hat, d.h. die Eier werden nicht nur irgendwie ökologisch erzeugt, sondern auf dem Erzeugerhof werden die männlichen Küken nicht geschreddert, sondern auch aufgezogen. Ich finde, wenn man als Verbraucher die Möglichkeit hat, solche Eier zu kaufen, dann sollte man das auch tun. Jedenfalls standen vor mir zwei rüstige Damen sowie ein männlicher Wichtigtuer, der noch ewig und drei Tage mit dem Eierhändler Anekdoten austauschte. Ich bin ja bei so Wartegeschichten geduldig und selten auf der Flucht, aber hier dachte ich ganz im Sinne meiner hauptstädtischen Herkunft, „Nu mach ma hinne, Kollege!“ Es waren noch so ca. 20 Eier da, die meisten von der größten Sorte. Omi #1: Was sind das für Eier, sind die frisch, kann man die auch roh etc. Kann man natürlich nicht, die dürfen offiziell nur als Kocheier verkauft werden, wie der Verkäufer augenzwinkernd mitteilt. „Ja, ist gut, dann nehme ich die.“ Verkäufer greift zur 6er-Packung. „Nee nee, dann geben Sie mir aber 10 Stück!“ Augenblicklich rechnete ich meine Chance aus, noch mit 6 Eiern heimzugehen. Ist ja nur  noch eine Omi vor mir, die wird ja wohl kaum auch mit 10 Eiern… „Ich nehme dann dasselbe.“ Die machen wirklich alle noch Hollandaise selber, mutmaße ich. Was macht ne Omi mit maximal noch einem Opi zuhause denn sonst in der Spargelzeit mit 10 Eiern?!

Der vietnamesische Gemüsehändler antwortet auf meine Frage nach der genaueren Herkunft des „Deutschen Spargels“ wie aus der Pistole geschossen mit der vietnamesischen Variante von „Mecklenburg“, ich kann das hier nicht transkribieren, ohne mich darüber lustigzumachen. Aber wenn er so gut weiß, dass das seine Kundschaft letztlich hören möchte vor der Kaufentscheidung, warum schreibt er das dann nicht gleich auf das Schildchen?

Ungeschlagen allerdings die Fünfergruppe mittelalter Herren, die sich ausweislich ihrer Kleidung und des Gesamthabitus offensichtlich für noch nicht ganz mittelalt hielten, die wohl im Rahmen einer Vorabendverarbeitung ein gut gewürztes Soulfood benötigten und dieses im einzigen mir bekannten arabischen Imbiss in der Rostocker KTV suchten und dann auch fanden. Sie fanden vor mir die einzige geöffnete Tür, woraufhin ich mich auf eine längere Wartezeit einstellte. Die Bestellung zog sich hin, eigentlich schien vegetarisch gesetzt gewesen zu sein, angesichts des aktuell nicht verfügbaren Falafels entschieden sich die meisten der Herren erleichtert doch für eines der beiden Fleischgerichte. Natürlich mit Extrawünschen „ohne Zwiebeln“, wobei ich dachte, wer am Sonnabendmittag auf Zwiebeln im Essen verzichten muss, ist vielleicht doch nicht so eine ganz coole Type, die im Gegenwind aus norwegischen Fjorden hinaus- oder dann auch wieder hineingesegelt ist. Bei ganz schmalem Fahrwasser. Meine Lebensfreude war dann kurzzeitig auch schmal wie Chile. Wegen der Kombination aus Wartezeit und dummen Gelaber. Aber plötzlich erschien der Maestro des Schuppens, nahm meine Bestellung auf und setzte sie unverzüglich in die Tat um! Die segelnden Berufsjugendlichen saßen noch und warteten auf ihre Labung, als ich schon mit einem Grinsen breit wie Österreich zur Straßenbahn scharwenzelte!

Dann ist mir noch ein Modedetail aufgefallen. Schlimme Mode hält sich ja leider nicht nur länger, als man möchte, sondern eskaliert immer noch weiter, wobei man bei jeder Eskalationsstufe ja denkt, noch schlimmer gehts nicht. Ich erinnere nur an die Leggings-Minirock-Hotpants-Geschichte, wo man in jedem Sommer dachte, was denn, NOCH KÜRZER?!? Bis die Mädels die Miniröcke und Hotpants ganz wegließen. Daraufhin wurden die über den Leggings getragenen Oberteil immer kürzer. Beinahe erreichten wir wieder Bauchfreiheit, leider meist bei Personen, die gar nicht bauchfrei waren. Aktuell beobachte ich aber, dass man nicht mehr die 5-Öre-Leggings vom Schweden trägt, sondern Funktionshosen, also die Teile, die bspw. beim Kaffeeröster als Laufhosen feilgeboten werden. Mit so Funktionsnähten und technischen Mustern und so. Warum ist das so?

Und noch was. Neuerdings wird man ja in diesem Internetz gerne gegängelt, wenn man einen Adblocker benützt, sich also diese häufig aggressive, sich aufdrängende und gerne mal mit Autoplayvideos auch noch die Datenvolumen schröpfende Werbung versucht vom Hals zu halten. Wenn im Fernsehen Werbung kommt, geht man ja auch aufs Klo und wird dann nicht während des Strullens angezählt, dass jetzt dem Fernsehen aber ganz doll wichtige Einnahmen flöten gehen. Aber ich bin ja einsichtig. Wir verfolgen aktuell gerne die Spiele der Schweriner Volleyballmädels, die sich heute ins Finale der Meisterschaft gespielt haben. Man kann dieses auf einem Internetsportportal schauen, das offensichtlich von Werbeeinnahmen finanziert wird. Dementsprechend wird man erstmal gleich angemeckert, wenn man einen aktiven Adblocker hat, und muss 40 Sekunden warten, bis man was sehen kann. Ganz artig habe ich dann den Adblocker für diese Seite deaktiviert. Was war die Folge? Statt der Straf-40-Sekunden beim Neuaufruf sowie während der Technical Time Outs und in den Pausen kam dann die Werbung mitten im Spiel. Sorry, Leute. Da wär ich ja bekloppt! Wenn ich so oder so immer wieder mal nichts sehen kann, dann doch lieber, wenn eh grade nichts passiert.

Was mich an die neue Werbezeitphilosophie von Pro7 bei den Simpsons erinnert. Früher: Vorspann, etwas längere Hälfte der ersten Folge, Werbung, der Rest, „nur ein Spot“, Vorspann zweite Folge, größere Hälfte der zweiten Folge, Werbung, der Rest, Schluss. Jetzt: Vorspann, extrem langer Werbeblock, komplette Folge, „nur ein Spot“, Vorspann, extrem langer Werbeblock, komplette Folge. Was habt ihr euch dabei gedacht? Langjährige Simpsons-Fans gucken die Serie inzwischen nicht mehr wegen des Vorspanns. Wenn der Vorspann beginnt, weiß man also, man kann sich noch ganz in Ruhe ins Bad begeben, eine rauchen und ein gutes Buch zuendelesen. Nix mit Werbung gucken.

 

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Der frühe Vogel ist müde

Heute morgen flötete zum ersten Mal die Amsel (bzw. wahrscheinlich eher der Amselich) zum Sonnenaufgang.

So fängt hier der Frühling an.

War schön.

Hab das Fenster dann aber trotzdem zugemacht und noch ein bisschen geschlafen.

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Danke

❤️

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Mix it, Baby

Auf dem Weg zum Flohmarkt fragte ich mich insgeheim, ob es nicht langsam an der Zeit sei, der Kitchenaid den entsprechenden Standmixer zur Seite zu stellen. Da fiel es mir dann doch recht leicht, das Angebot des Händlers nicht auszuschlagen.

Die beiden passen auch optisch recht gut zusammen.

Ich habe jetzt leider gar nichts zum Mixen da, aber das wird nachgeholt 😀 .

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