Wohl doch eher Erprobungsfahrten

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radikal neueste News:

*Berlin* ist auf Abwegen unterwegs! Also keine Fahrt mit wichtigen Personen, sondern vielleicht rüber nach Puttgarden oder was auch immer. 

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Berlin, Berlin!

Heute nachmittag konnte ich vor Aufregung nicht richtig arbeiten, weil die Berlin ausgelaufen ist. Noch nicht im Liniendienst, es wurde auch immer wieder im Funk erwähnt, dass man keinen Fahrplandruck habe und alle anderen Fähren einschließlich der direkten Vorgängerin Prins Joachim vorlassen könne. Ein wenig denkt man ja schon, was sitzt man hier im Büro, statt nach Warnemünde zu fahren und sich das Fährenballett anzugucken. Aber es gab tatsächlich noch Patienten, und überhaupt.

Hier also die *Berlin* beim Passieren der Molen. Sie ist immer noch unter dänischer Flagge, und aus berufener Quelle weiß ich, dass auch der Heimathafen Gedser wieder über das sauber gepinselte Rostock hinübergehongen wurde.

Inzwischen ist die *Berlin* wieder auf dem Rückweg mit gemütlicher Geschwindigkeit, also entweder war das die lange geplante Erstfahrt, die man wegen der vollen Terminkalender der geladenen Honoratioren nicht nochmals verschiebe konnte, oder aber Scandlines hat sich und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine Spaßrunde verordnet.

Wie dem auch sei, der Capitano war in Gedser live vor Ort und hat vermutlich brisantes Augenzeugenmaterial angefertigt. Ich bin schon sehr gespannt! Außerdem wusste er zu berichten, dass sich das Anlegen in Gedser wohl sehr mühsam gestaltete.

Ob nun morgen tatsächlich auch der Fährverkehr regulär aufgenommen wird.. man weiß es nicht. Meiner sehr unmaßgeblichen Meinung nach hängt es offensichtlich an der Umflaggung von Dänemark nach Deutschland, sonst wären sie ja heute sicherlich schon unter deutscher Flagge nach Dänemark gesegelt.

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Küsse nach Klintholm havn


Wenn auch unscharf: Erste Tomaten zeigen sich. Leider keine ackerbau’schen, da hat es nur eine Fleischtomate geschafft ☹️ immerhin steht die Unschärfe des Bildes ja auch in einer gewissen Tradition 😉. 

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Hafenrundfahrt mit Tante Maria

Gestern durfte  ich zum ersten Mal den Capitano bei einer Spazierfahrt auf dem neuen Schiff begleiten. Es ist ein feiner Kutter mit einem sehr traditionsreichen Namen, gepflegt, sauber und mit einer phantastischen Besatzung unterwegs. Es ging in den Überseehafen.

Hier der alte Fähranleger der Fähren nach Dänemark. Gelernte Blogmitleser wissen natürlich, dass hier die Prins Joachim und die Kronprins Frederik abwechselnd festmachen. Wie oft ich von hier schon in Richtung Dänemark abgelegt und von dort kommend angelegt habe, weiß ich nicht.

Auf der anderen Seite der Kaikante liegt seit einigen Wochen das neue Fährschiff Berlin, das laut dem neulich im Seefunk abgehörten Plan ab diesem Sonnabend, also dem 21. Mai in den Dienst gestellt werden soll.

Der Bau der beiden Fähren (die zweite heißt Copenhagen und soll im Herbst in Dienst gehen) ist Meckelnburg-Vorpommerns BER. Sie wurden von Scandlines auf der Volkswerft in Stralsund bestellt. Es war wohl die einzige Werft, die sich die Umsetzung der Aufgabe doppelt soviel Fahrzeuge bei gleichem Tiefgang zutraute und damit mit Pauken und Trompeten scheiterte. Die P&S-Werften gingen in der Folge pleite, die Umstände der Insolvenz beschäftigen noch diverse Untersuchungsausschüsse. Die Fähren waren nämlich kaum aus der Werft ausgeschwommen und wohlgemerkt noch nicht einmal ausgerüstet, da war der Tiefgang schon zu hoch (haha), die Schiffe zu schwer. Daher stornierte Scandlines die Aufträge, um die Schiffe dann später für deutlich weniger Geld aus der Insolvenzmasse zu kaufen. In Dänemark wurden die Fähren komplett umgebaut, ein ganzes Deck wieder herausgetrennt, und an vielen Stellen ersetzte leichteres Material das ursprünglich eingesetzte. Da zwischenzeitlich neue Abgasnormen in der Ostsee in Kraft traten, entschied man sich für ein neues Hybridantriebssystem, das Scandlines bereits erfolgreich auf der Vogelfluglinie einsetzt.

Da die Berlin von einer dänischen Werft abgeliefert wurde, kam sie unter dänischer Flagge mit Heimathafen Gedser. Bemalt wurde sie allerdings gleich richtig, der dänische Heimathafen wurde lediglich mit einem darüber befestigten Schild repräsentiert. Bis Sonnabend wird dann wohl noch die Umflaggung nach Deutschland erfolgen. Für uns beide, die wir ja aus der Hauptstadt stammen, ist es besonders fein, nun regelmäßig ein Schiff zu sehen, das Berlin heißt und in Rostock seinen Heimathafen hat.😉

Ich bin schon sehr gespannt auf das Schiff und freue mich auf die erste Reise damit! Falls ausnahmsweise mal ein Plan mit diesem Schiff eingehalten werden sollte, werden wir im Juli mit ihr nach Dänemark übersetzen. Aber eine erste Schnupperrunde werden wir sicherlich schon vorher mal machen.😀

 

Aber im Hafen gab es noch mehr zu sehen. Es war tatsächlich meine erste Runde durch alle Hafenbecken bis hin zum Ölhafen!

Liebherr baut nicht nur Kühlschränke, sondern direkt im Hafen auch Kräne, die hier nun auf den Transport warten.

Das ist ein Kran? DAS ist ein Kran!!:-)

Auch Special Pipes Constructions baut direkt im Hafen riesige Röhren z.B. für Windkraftanlagen. Und verfügt selbstredend über einen entsprechenden Kran.

Einige Pötte waren ja da, der letzte sogar mit eigenem Hubschrauberlandeplattform. :-O

#iseefaces

Eine tolle Reise bei stürmischem Wind und Schauern. Entschuldigt die düstere Atmosphäre der Bilder, ich habe bei meiner Kamera-App irgendwie Quatsch eingestellt. Ich wünsche der Tante Maria und ihrer Besatzung immer eine Handvoll Wasser unterm Kiel!

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Satz des Tages

Uwe Ulbrich in gewohnt trockener Manier im Nordmagazin:

Alte Bauernregel:

Kommt der Wind von den Lofoten, campen nur die … Intelligenzallergiker..

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Fünf Jahre, ein Tag*

Vor fünf Jahren bin ich in der besten aller Hansestädte aufgeschlagen. Ich wollte unbedingt ans Meer, an eine Uniklinik und zurück in den Osten. Das alles konnte nur Rostock bieten, denn mal ehrlich: Wer will schon in Greifswald tot überm Zaun hängen?

Außerordentliche Glücks- und Zufälle haben dafür gesorgt, dass ich hier direkt nach dem Studium anfangen konnte, dass ich eine bezahlbare, schöne Wohnung bekam und eine zuvor etwas verschüttete, aber nie verschwundene Leidenschaft für Schiffe, Seefahrt und (Achtung! Schlimmes Wortspiel!) MEER wieder reaktivieren konnte. Nicht zuletzt lernte ich den Capitano tatsächlich auf der Fähre kennen, die er damals steuerte. Die glücklichen Zufälle blieben uns – bei allen Widrigkeiten – bislang in der Summe erhalten. So ist die Wohnung, in der wir seit dreieinhalb Jahren wohnen, immer noch ein echter Glücksfall, zumal ich in meinem Erwachsenenleben noch nie so lange in einer Wohnung lebte (der Rekord ist allerdings erst vor kurzem gefallen – bisher trug meine Wohnheim-WG in Bielefeld das Gelbe Trikot). Unsere momentanen Jobs und Chefs sind jeweils Sechser im Lotto mit der Einschränkung, beim Capitano ganz frisch und bei mir leider immernoch befristet und an das D-Projekt gebunden.

Fünf Jahre im Beruf sind ja auch ein Meilenstein und Gelegenheit zur Reflexion.

Ich liebe meine Arbeit. Das zwar von Anfang an, aber ich merke inzwischen, wie wertvoll Berufserfahrung ist. Meines Erachtens sogar wertvoller als das Geiern nach immer neuen Zusatzbezeichnungen, Zertifikaten und Weiterbildungen (Psychologischer Psychotherapeut, Klinischer Neuropsychologe und, ja, auch die – erzwungene – Promotion), die irgendwie verschleiern, dass wir mit einem ausgewachsenen Hochschulabschluss kommen, der doch initial erst einmal zu einer Tätigkeit wie meiner befähigen sollte. (Leider habe ich selbst auch schon Gegenbeispiele kennengelernt.)  Besonders schätze ich inzwischen die Zusammenarbeit mit den Ärzten. Anfangs fühlte ich mich auf sehr verlorenem, zumindest einsamen Posten, der gelegentlich mal einen Befund absonderte und sich ansonsten kaum traute, in einem Arztzimmer anzurufen, geschweige denn dort einfach reinzuschneien, den Befund (falls spektakulär) auf den Tisch zu knallen und sowas zu sagen wie „Habt Ihr mal an Lewy-Bodys* gedacht?“, wie ich das heute sogar ausgesprochen gern mache. Anerkennung seitens der Ärzte ist für uns Psychologen die schärfste Droge überhaupt. Neulich sagte sogar ein Unfallchirurg die anerkennenswerten Worte „Danke, Sie haben mir sehr geholfen!“ zu mir. Hallo?

Patientinnen und Patienten. Ich arbeite in einer Klinik, in der die Patienten meist schwer, häufig chronisch und unheilbar krank sind. Nichts erdet einen mehr als der Umgang mit kranken, vielleicht schwer betroffenen Menschen. Oft großartige und interessante, eher weniger oft anstrengende, fordernde Persönlichkeiten, alle mit ihren persönlichen Geschichten. Es ist unglaublich, was man in einer Klinik über Menschen und sich selbst lernen kann. Ich habe das Gefühl, dass mich diese Erfahrungen nach diesen sehr vielen Patientenkontakten sehr verändert haben. Insbesondere kann ich nur das Mantra einer von mir betreuten, 15jährigen Schülerpraktikantin aus ihrem Praktikumsbericht wiederholen: Man muss dankbar sein, dass man gesund ist. Andererseits bin ich auch ängstlicher geworden, ich habe gelernt, dass das Leben nicht erst jenseits des Rentenalters verdammt tödlich sein kann.

Tod und Behinderung. Bei uns wird auch gestorben. In der Regel betrifft das nicht „meine“ Patienten, denn die sind ja immerhin so fit, dass man ihnen eine psychologische Diagnostik zukommen lassen kann. Trotzdem sind inzwischen auch Patienten gestorben, die ich persönlich kannte. Vor fünf Jahren hätte ich es nicht für möglich gehalten, mich mit Palliativmedizin auseinanderzusetzen. Inzwischen ist es mein fester Plan, nach der Promotion (haha) eine Weiterbildung in palliative care für Psychologen zu machen und einen sich bei uns gerade bildenden neuropalliativen Arbeitskreis als Fachfrau zu unterstützen. Das ist alles noch ganz neu und aufregend, aber ich glaube, dass das ein guter Weg ist. Erst heute hatte ich wieder eine Begegnung, wo ich gemerkt habe, wie gut es Schwerkranken tut, wenn überhaupt mal jemand zuhört, auch wenn es nicht so ganz einfach ist, wenn die Betroffene über einen Sprachausgabeprogramm kommunizieren muss. Das vermutlich eigentlich mal gut gemeinte dezentrale Versorgungssystem in Deutschland ist für schwerkranke Menschen eher eine Katastrophe. Man wird zwischen 230 Krankenkassen, Versorgungsämtern, Rentenversicherungsträgern und sonstigen Zuständigkeiten, gerne auch mal Bund, mal Land, mal Kommune und mal Sozialversicherung hin- und hergeschoben und es gibt keine wirkliche Instanz, die das mal alles für den jeweiligen Betroffenen zusammenführt.

Leben. Ich bilde gerne aus. Inzwischen rennen mir Praktikumsanfragen die Bude ein, naja, zumindest in den begehrten Zeiten, aber immerhin bin ich schon soweit, auswählen zu können und vermutliche Flachzangen von vornherein abzulehnen. Praktikantinnen (komischerweise scheinen sich bis auf Eintagsfliegentoni nur Frauen für die Neuropsychologie zu interessieren) fordern mich heraus, hängen an meinen Lippen, scheitern manchmal an ganz banalen Situationen, um im nächsten Moment etwas ungeheuer Schlaues zu fragen und erinnern mich immer wieder an meine eigene Situation, als ich in der Charité selbst mit Herzklopfen vor meiner Anleiterin und später vor meinem ersten Patienten stand. Ausbilden heißt dabei auch, den Praktikantinnen nicht immer alles abzunehmen. Und an seine Grenzen stoßen. Ich betreue erstmals zwei Masterarbeiten, und ich hoffe, ich mache das dufte.

Gute fünf Jahre waren das. Auch in Bloghausen. In dieser Zeit sind sehr schöne und wichtige Internetzbekanntschaften entstanden, die ich nicht mehr missen möchte und die teils auch eine wichtige Rolle in unseren Leben spielen. Allen voran die Nähmarie und ihr Mister, die unsere Trauzeugen in Dänemark wurden, dann die Rucksackberliner Frau Tonari und Herr Ackerbau, die zum Teil noch einen Koffer Grill, zum Teil zumindest eine einzelne Fleischtomate in Rostock zu stehen haben (wirklich sehr schlechte Ausbeute dieses Jahr, Herr Ackerbau), die mitrostockerin allesistgut sowie das ungarische Halbblut Anikó.

Last but not least (zuletzt, aber deswegen nicht etwa unwichtig) Dank an den Capitano für eine unersetzlich schöne gemeinsame Zeit und Vorfreude auf noch viele viele Jahre hier oben an der Küste und auf der See mit Dir. Ich liebe Dich.

*eigentlich ja 11 Tage, aber so hieß vor 20 Jahren ein Film von Leuten zwei Klassen über uns, den diese im Rahmen irgendwelcher Projekttage drehten und der zwischenzeitlich einen gewissen Kultstatus erlangte.

Fußnote: Außerdem bin ich schon am 26. April nach Rostock gezogen. Daher eigentlich fünf Jahre, 16 Tage. Aber wie klingt das denn?

*spezielle Demenzform

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