Endlich: Fährschiff Berlin in Aktion (und noch weitere Schiffe, Flugobjekte, schweres Gerät sowie eine außergewöhnliche Begegnung)

Gestern begab es sich, dass ich von meiner ehemaligen Haus- und Hoffriseurin samt Mann und Sohn in der Klinik abgeholt wurde, und wir begaben uns direkt nach Warnemünde, um dort den Capitano vom Schiff abzuholen und einen zauberhaften Nachmittag bis Abend gemeinsam zu verbringen. Zunächst nahm der dreijährige Steppke sorgfältig das Schiff in Augenschein, kraxelte auf den Pilotensitz, kletterte unterbords in die Kojen, ließ sich jedes einzelne Schapp öffnen und lernte Schiffsregeln (Nicht rennen! Nicht klettern! Niedergänge immer rückwärts begehen! Immer eine Hand für sich!). Dann ging es natürlich an den Strand und dort alsbald zur Strandoase. Das Abendessen wurde in der Abendsonne windgeschützt im Außenbereich des Griechen im Teepotts eingenommen. Quasi als Extraschmankerl lief dann auch noch ein Kreuzfahrtschiff aus. Aber eins nach dem anderen.

Alles begann damit, dass ich erstmals die *Berlin* einlaufend sah. Unglaublich gut getimed. Rostock bzw. ja eigentlich Scandlines, Rostock hatte mit der Verzögerung ja tatsächlich nix zu tun, hat also den BER geschlagen. Beides, also der neue Flughafen und die neuen Fähren, sollten 2012 kommen, beides verspätete sich aus Gründen, beides war bzw. ja ist ein Desaster, aber immerhin: die Berlin schwimmt. Im Dienst. Und das erstaunlich leise: Das Hybrid an der Bordwand steht tatsächlich für einen Hybridantrieb mit Diesel- und Elektroantrieb, und beim Einlaufen ist tatsächlich nichts mehr zu hören. Schade eigentlich. Die Maschinen der Prinsen hatten einen tollen sonoren Sound. Anwohner mögen das abweichend beurteilen. Der Segler links ist die MIR, ein russisches Segelschulschiff, das anlässlich der sogenannten und nicht ganz unumstrittenen Russlandtage zu Besuch ist.

An die Form werden wir uns noch gewöhnen müssen, denn die alten Schiffe sahen doch noch mehr nach Schiff aus. Aber allein die Tatsache, als „Einheimische“ eine In-Dienst-Stellung live mitzuerleben (seit fünf Jahren..), ist so aufregend, dass das Schiff absolut positiv konnotiert ist und die Form sicherlich schnell kommod geworden sein wird.

Am Strand wurde eine sogenannte Raupe beim Herrichten des Feldes für das demnächst auszurichtende Beachpolo vom Steppke sorgsam und fachmännisch beobachtet.

Und jetzt kommt etwas für Außenstehende wahrscheinlich nicht ganz nachvollziehbar Aufregendes in Form von Kronprins Frederik.

Die beiden Fähren begegnen einander zwischen den Molen. Da die Schiffe ja eigentlich im Pendeldienst unterwegs sind, begegnen sie sich fahrplanmäßig nicht in den Häfen, sondern in der Mitte vom Teich. *Berlin* hält im Moment aber sowas von nicht den Fahrplan ein, dass es derzeit offensichtlich häufiger zu derartigen untypischen Begegnungen kommt. Wahrscheinlich müssen die Kapitäne einfach noch viel die neuen Manöver (neues Schiff, neuer Liegeplatz) üben, oder was weiß ich. Interessanterweise werden die Lotsen nicht wie üblich beim Verlassen des Reviers abgesetzt und auf der Rückreise wieder eingesammelt, sondern drehen die Runde mit. Das scheint günstiger zu sein als der Zeitverlust infolge der Lotsenübernahme.

Wie gesagt, liebe Mitleserinnen und Mitleser, ein absolut seltener Moment, der von all den Strandbanausen nicht im entferntesten ausreichend gewürdigt wird.

Naja, immerhin macht der Herr links ein Foto. Aber weiß er, wovon?

Nun also für mich zum ersten Mal: *Berlin* auslaufend die Molen.

Am Strand gab es deutlich mehr Drachen als seinerzeit beim Drachenfest.

Nach dem Essen verließ dann Tom Sawyer den Hafen.

Dicht gefolgt vom Fahrgastschiff Mecklenburg, begleitet von einem typischen Begleitschiff, der Costa Favolosa. Hartnäckig und erfolgreich versuchte die Favolosa, die Mecklenburg zu ausgiebiger Grußtröterei zu überreden (nicht im Bild).

Schon süß, wie das große Begleitschiff das kleine Fahrgastschiff bewacht.

Nun auch der Lotse hinterher. *Farewell*

Und nun schließt sich der Kreis. Die *Berlin* läuft erneut ein, gleiche Stelle, gleiche Welle, aber diesmal im Sonnenschein einen zauberhaften Abend am Strand abrundend.

Ich bin schon gespannt auf die erste Runde!

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15 Antworten zu Endlich: Fährschiff Berlin in Aktion (und noch weitere Schiffe, Flugobjekte, schweres Gerät sowie eine außergewöhnliche Begegnung)

  1. andreamaluga schreibt:

    großartiger bericht!
    ich fühlte mich in die zeit der fußball-übertragungen im radio zurückversetzt.
    ich war sozusagen im historischen moment dabei, sei bedankt dafür.
    beste südgrüße, a

  2. allesistgut schreibt:

    Das sind ja wochenfüllende Ereignisse, die Du alle an einem Nachmittag/Abend erlebt hast. Das sich die beiden Fährschiffe in/vor einem der Häfen begegnen, ist wirklich selten. Habe ich mal in Gedser erlebt, als unsere Fähre zurück nach Rostock Riesenverspätung hatte und die Gegenfähre schon angerauscht kam.
    Haste alles gut dokumentiert. Deinen Text dazu finde ich köstlich. die ganzen Strandbanausen haben natürlich keine Ahnung. 😉

    • hafensonne schreibt:

      Und jetzt stell Dir mal vor, wie ereignisreich dieser Nachmittag/Abend für die Gäste aus dem fernen wasserlosen Bielefeld gewesen sein muss! Insbesondere für den kleinen Schädling 😉

      In einem Buch über die Warnemünde/Rostock-Gedser-Fährverbindung habe ich mal ein Bild gesehen, wo zwei der früheren Schiffe gemeinsam in den Warnemünder Fährtaschen lagen, das Bild galt als Sensation. Jetzt habe ich auch so welche! 😀

  3. Anikó schreibt:

    Irgendwie finde ich diese schwimmenden Plattenbauten gruselig. Als ob nur ein Windhauch kommen müsste und es legt sich zur Seite …

  4. gerritjanappel schreibt:

    Seit vorgestern sendet die Schwester der „Berlin“, die „Copenhagen“, von ihrem Werftliegeplatz in Munkebo zum ersten Mal seit rund einem Jahr wieder ein AIS-Signal. Es könnte sein, dass sie wirklich wie geplant im Herbst endlich nach Rostock und Gedser kommt, während die „Kronprins Frederik“ sich dann in die „Altersteilzeit“ nach Puttgarden zurückzieht…. 🙂

    • hafensonne schreibt:

      Altersteilzeit, hihi. Na, es liegt ja nahe, dass die Werft die Kinderkrankheiten der Berlin vielleicht schon vor Indienststellung ausmerzen kann, insbesondere die Probleme mit der Krängungsanlage, so dass der Zeitplan vielleicht tatsächlich eingehalten werden kann. Wär ja auch mal was.

      • gerritjanappel schreibt:

        Das mit der Krängungsanlage scheint ja langsam in die Reihe zu kommen – sonst dürfte die „Berlin“ nicht so stark beladen werden und könnte nicht alle Nase lang ihre eigenen Beförderungsrekorde brechen. 🙂

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