CarLo 615 im Stadthafen Rostock vs. La Villa auf der Mittelmole in Warnemünde

Leute, wenns mal was richtig Anständiges zu feiern gibt, dann geht man ja doch etwas angenobelter essen als sonst so. Daher haben wir die beiden auf diversen Portalen hochgelobtesten Restaurants antesten dürfen, denn Gelegenheit war gegeben.

La Villa, von außen bislang eher nicht als ausgesprochener Edelschuppen wahrgenommen, bietet im ersten Stock einen schönen Ausblick auf den Alten Strom sowie, bei entsprechenden Witterungsverhältnissen und passender Plazierung die Aussicht auf einen echten Sonnenbrand (untrainierte Haut). Die Speisekarte enthält diverse Fisch- und Fleischköstlichkeiten mit regionalem Bezug (Warnemünder Dorschfilet) bzw. Besonderheiten (Saalower Kräuterschwein). Die als Vorspeise bestellten Gambas in Knoblauchöl von der Tapaskarte waren tatsächlich diese großen Biester und nicht etwa die Garnelenzwerge, die man im Besitos als Gambas aufgetischt bekommt. Die Aioli schmeckte hausgemacht. Die Speisen selbst waren herzig arrangiert an der Grenze zur Überkandideltheit. Fleisch und Fisch waren ausgezeichnet, das Kartoffelmus nicht so, ansonsten herrschte Zufriedenheit. Der Service war gut, für diese Preisklasse allerdings, dafür, dass es nicht gerade brechend voll war, nicht aufmerksam genug. Fazit: Da so ein Anlass so schnell nicht wieder kommt, wird es wohl kein Wiedersehen geben, es gab aber keinen ernsthaften Grund zur Beanstandung. Preis: Minihauptspeise, vier Hauptgerichte, eine Flasche Wasser, ein halber Liter Wein, drei Espressi – 140 Öre.

Das CarLo 615 leitet seinen Namen etwas unoriginell aus den Startsilben des Besitzernamens sowie der ehemaligen Liegeplatznummer (oder was auch immer) des Piers, an dem es gelegen ist, ab. Gebettet in alte, renovierte Industriearchitektur mit wunderbar genieteten Stahlträgern und Backsteinmauern und eben direkt an der Warnow gelegen, bietet es ebenfalls Kulinarisches jenseits des Besitos und der allgegenwärtigen „wir-konnten-uns-nicht-entscheiden-ob-wir-ein-gutes-Restaurant-oder-eine-gute-Kneipe-sein-wollen“-Schuppen bzw. auch des Hotels Neptun, das ganz offensichtlich allein vom beeindruckenden Ausblick leben kann. Vorweg: Hier speisten wir mit einer erfahrenen Restaurantfachfrau, deswegen fällt die Kritik vielleicht etwas pingeliger aus. Gleichwohl war es insgesamt ein nettes und schmackhaftes Speisen. Allerdings möchte der Gast nicht wegen einer zuvor stattgehabten Kochschule und der damit verbundenen Neuarrangierung der Küche ewig allein im Gastraum sitzen. Ein einfaches „Können Sie auch erst um 18 Uhr kommen?“ bei der Tischreservierung hätte vollkommen genügt. Es blieb auch schleierhaft, wieso ausgerechnet für ein Steak 20 Minuten Vorlauf angekündigt werden, zumal 20 Minuten Wartezeit in einem Restaurant, das ich persönlich aus Budgetgründen bereits als gehobene Klasse bezeichnen würde, doch eher Standard sein sollten. Das Steak entpuppte sich dann steakunüblich als bereits in Streifen zerschnitten, deren oberster vorbildlich medium gegrillt war, unter dem sich allerdings mehrere weitere Streifen verbargen, die nicht nur deutlich unmedium waren, sondern auch nicht so recht zu dem obersten Streifen passen wollten. Unsere Vermutung ist leider, dass da bei der Kochschule was übriggeblieben war… zumal die Kellnerin auf Nachfragen erst nicht so recht wusste, dann aber nach einer kurzen Visite in der Küche weitere, diesmal wieder korrekt rosane Steakstreifen brachte. Die alten Streifen hat der Kapitän natürlich trotzdem nicht umkommen lassen. Weniger tragisch gestaltete sich mein Essen, denn statt der bestellten Lammkeule erschienen mehrere Lammcarreés, also die Biester, zu denen ich immer Lammbeine sage, aber in echt Filet mit Knochen dran sind. Hinterher denke ich natürlich, schade, dass ich nicht auch noch nachgefragt habe, vielleicht hätten sie dann noch eine Lammkeule gebracht 😉 für die hätten wir dann aber ein Doggybag gebraucht. Insgesamt etwas unaufmerksamer, aber sehr freundlicher Service. Dass die Flasche Wasser nicht medium war und das Tagesangebot nicht bei der Bestellaufnahme erwähnt wurde, sollte in so einem Schuppen eigentlich nicht vorkommen. Fazit: Essen gut, alles gut? Wenn man danach geht, ist das CarLo sein Geld wert. Apropos: ein Vorspeisenteller, drei Hauptgerichte, je eine Flasche Wasser und Wein (das muss man mögen: der einzige nichtdeutsche (Bah!) Weißwein war aus Neuseeland, lecker, und der teuerste…) schlugen mit 100 Öre zu Buche.

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3 Antworten zu CarLo 615 im Stadthafen Rostock vs. La Villa auf der Mittelmole in Warnemünde

  1. naehmarie schreibt:

    mh.kay. pizzaessen fällt besser aus! 😉

    aber mehrmals herzlich vor dem schlafengehen gelacht. dankesehr!

  2. Anikó schreibt:

    Ich muss gestehen, die La Villa-Karte spricht mich mehr an, aber habe laut meinen Eltern schon immer einen teuren Geschmack gehabt 😉 Solche Essen gönnt man sich ja auch nicht jeden Tag und dann gebe ich auch gerne etwas mehr Geld aus, wenn das Essen wirklich lecker ist 🙂

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