Heuschnupfen

Heute möchte ich mit Ihnen über Heuschnupfen sprechen.

In den vergangenen Monaten (und Jahren) hatte ich mehrfach mit Menschen zu tun, die ihre Schnupfensymptome mit Heuschnupfen erklärten. So weit, so banal (und lästig für die Betroffenen). Auf mein Nachfragen, ob sie damit in Behandlung seien, kam meist ein (erstauntes) Nein. Warum nicht? Da kann man ja sowieso nix machen, und von den Tabletten werden sie immer so müde.

[Disclaimer. Das ist hier keine medizinische Beratung oder gar ärztliche Empfehlung. Nur ein Erfahrungsbericht einer seit fast zwanzig Jahren an Heuschnupfen leidenden Bloggerin.]

Heuschnupfen, oder genauer gesagt, Allergien gegen allerlei Blühendes, ist nicht einfach nur lästig. Unbehandelt wird die Allergie irgendwann in die Bronchien wandern und allergisches Asthma bronchiale auslösen. Und das ist dann definitiv nicht mehr witzig und auch mehr als nur lästig.

Problem ist: Diejenigen, mit denen ich darüber spreche, wissen meistens weder, wogegen sie tatsächlich allergisch sind, noch dass man das behandeln, also die Lebensqualität steigern kann, noch über die langfristigen Folgen einer unbehandelten Allergie.

Deshalb berichte ich euch von meinen Erfahrungen, basierend auf meinen bisherigen Behandlungen bei drei unterschiedlichen Ärzt:innen, die alle die Zusatzbezeichnung Allergolog:in tragen und, soweit ich das beurteilen kann, auf dem aktuellen wissenschaftlichen Boden stehen.

Als ich zuerst die Diagnose diverser Allergien (andere Geschichte) erhielt, war ich 18 Jahre alt und zog in meiner ersten eigenen Wohnung (Boxhagener Straße 115, yeah!) einen kleinen Kater namens Tobias auf. Ich steckte mitten im Abitur und hing in meiner Freizeit mit meiner Hood von der evangelischen Kirche Friedrichshain ab. Selbstverständlich rauchte ich. Aber das nur zur Einordnung. Jedenfalls hatte ich ständig Bronchitis, und irgendwie meinte meine damalige Hausärztin (die nicht zu den drei erwähnten Kolleg:innen gehörte) einen Allergietest durchführen zu wollen. Kennt ihr vielleicht, das Gepikse in die Innenarme. Ich hatte bei nahezu jeder Substanz Quaddeln außer Pferd und Hund, beides Tiere, mit denen ich nicht sonderlich in Kontakt stand. Für meine schon etwas greise Hausärztin war damit klar, allergisch gegen fast alles, also Blühkram, Schimmel, Hausstaubmilben und Katzen. Händigte mir die jeweiligen Broschüren aus mit den üblichen Hinweisen. Gräser: Bei Regen raus und lüften, bei trockenem Wetter einschließen. Schimmel: IMMER lüften, vor allem wenn trockenes Wetter ist. Hausstaubmilben: Zeug für Geld kaufen, das ich nicht hatte. Katzen: Ohne Katze leben.

Tja. Für den Kater fand ich tatsächlich eine liebevolle Aufnehmerin. Aber trotzdem erschienen mir diese Hinweise als – in dieser interaktionellen Zusammenstellung – wenig hilfreich. Ich konnte mich ja nicht in einem Reinraum einmauern. Andererseits bedrohten diese ständigen Bronchitiden mein Abitur, denn ich hatte im vorletzten Halbjahr natürlich Schwimmen, DIE Trendsportart bei rezidivierenden Bronchitiden. Es half aber nichts, ich musste meine Leistungskontrollen abschwimmen (andere Geschichte).

Jedenfalls war das der Punkt, an dem ich eine Lungenfachärztin aufsuchte. Der ich von dem sogenannten Pricktest berichtete. Die mir daraufhin Blut abnahm und irgendwas im Blut messen ließ, das eindeutige Rückschlüsse auf Allergien zuließ. Dabei blieben die Gräser und die Katzen übrig, der Rest war Kokolores.

Deshalb mein erster Tipp: Wenn ihr Angst vor dem Pricktest habt (ist nicht nötig, tut nicht weh) oder schon eindeutige Verdachtskandidat:innen als Verursacher:in eurer Symptome habt, lasst diese Immunglobuline oder was das nun sind im Blut bestimmen. Das ist valider und erlaubt auch eine quantitative Aussage, also mit was für einer Heftigkeit eure allergische Reaktion ausgelöst wird.

Der erste Tipp ist natürlich: Wenn ihr behandelt werden wollt, geht zu einem Facharzt mit der Zusatzbezeichnung Allergologie und meidet jene, an deren Praxisschildern Homöopathie erwähnt wird. Allergolog:innen sind meist HNO-Ärzt:innen, Lungenheilfachleute (Pulmolog:innen und Pneumolog:innen) oder auch Hautärzt:innen, wobei die eher bei Kontaktallergien ins Spiel kommen dürften.

Meine damalige Lungenfachärztin fand aber nicht nur meinen tatsächlichen Allergiestatus heraus, sondern dass die rezidivierenden Bronchitiden im Grunde auch zu Symptomen allergischen Asthmas geführt hatten (mit nächtlicher Luftnot, nichts schlimmes, aber eben auch lästig). Und hier hörte ich zum ersten Mal davon, dass man Symptome und deren Ursachen auch behandeln kann. Denn die Katze konnte ich, wenn auch schweren Herzens, weggeben, aber Gräserpollen sind einfach fast das ganze Jahr unterwegs. Ich fand und finde es daher plausibel, als Basisbehandlung mit einem (damals sowohl für Nase als auch für Bronchien) Spray zu inhalieren, das Cortison enthält und damit die zugrundeliegenden Entzündungen bekämpft. Symptomatisch brauchte ich damals vor allem was wegen der nächtlichen Luftnot (Salbutamol), das ich nur bei Bedarf einsetzte. Der wurde im Zuge der wirksamen Basistherapie immer seltener. Ein voller Erfolg, und bis auf den Verlust der Katze ein unglaublicher Zugewinn an Lebensqualität.

Tipp: Bei Erwähnung von Cortison nicht immer gleich zusammenzucken, hier in der Basisbehandlung allergischer Syndrome ist es hochwirksam und hat kaum Nebenwirkungen, da es ja genau dort appliziert wird, wo man es braucht.

Irgendwann, wie es so geht im jungen Leben, wohnte ich nicht mehr in der Nähe der Lungenfachärztin, sondern ganz woanders, und irgendwie ließ ich das Behandeln austrudeln. Ich hatte inzwischen fast vergessen, dass da mal was war, und wunderte mich lediglich ab und zu über meine Schnupfenattacken, wenn ich im heißen Sommer im Park lag. Ich kürze das jetzt ab, ich lebte irgendwann wieder in Berlin, ging wieder zu der Lungenfachärztin und wurde wieder erfolgreich behandelt. Ich hatte auch inzwischen entdeckt, dass es ein Antiallergikum bei akuten Symptomen gibt, das eben nicht müde macht, weil da noch irgendwas geiles drin ist, das dazu geführt hat, dass das Medikament nur noch einzeln als Sechserpackung abgegeben werden darf.

Wie einige meiner Leser:innen wissen, verschlug es mich dann zum Studium nach Bielefeld. Dahin waren wieder die Tage der Basistherapie, aber das Studium ließ mir keine Zeit, mich zu kümmern (ich hatte ja selbst den lädierten Fuß nicht behandeln lassen wg. keine Zeit, und da hab ich jetzt auch seit Jahren den Salat). Zum Glück, naja Glück, geriet ich eines Tages in eine Mittelohrentzündung, in deren Rahmen mich mein dortiger fantastischer Hausarzt zu einem, wenn das geht, noch fantastischeren HNO-Arzt schickte, der sich meiner Allergien annahm, auf meine Ansage hin, dass der Pricktest bei mir von nicht so prickelnder (haha) Aussagekraft sei, ebenfalls mit Blutwerten arbeitete und Gräser / Katzen bestätigte.

Also wieder Basistherapie. Aber da geht ja noch mehr. Stichwort Hyposensibilisierung, das habe ich oben vergessen. Hatte ich schon in Berlin mal begonnen, aber das muss man ja mehrere Jahre lang machen, und daher hatte ich das unterbrochen. Jetzt also in Bielefeld nochmal. Erfolg bei mir eher mäßig, aber das kann ganz individuell variieren. Nervig (und damit organisatorisch schwierig) ist der Weg über die wöchentliche Spritze inkl. halbe Stunde noch in der Praxis verweilen. Als Studentin ging das noch, jetzt als Angestellte wäre es logistisch eine Herausforderung mit fraglichem Ausgang.

So bekomme ich jetzt auch den Bogen zur Gegenwart: Auch hier geriet ich durch Zufall (Hausärztin wollte vermutete Nasennebenhöhlensituation per Sonographie bestätigt haben und stellte den Kontakt zum besten HNO weit und breit her) wieder in die Behandlung. Was mir an seiner Betreuung gefällt, ist dass er immer dem Patientinnenwillen folgt. Er erklärt sehr viel, erfragt sehr viel, guckt was realistisch ist, weiß, was state of the art ist. Mein Status ist, seit ich wieder in Rostock bin, so, dass ich Basistherapie (nur Nase, Asthma spielt keine Rolle mehr) mache und bei Bedarf ein modernes Antihistaminikum einnehme, das nicht müde macht. Und im Herbst gucken wir dann immer, wie gut es mir damit ergangen ist.

Im letzten Jahr sah das so aus, dass die Belastung durch Gräserpollen enorm hoch war (bis zu zehnfach zu sonst) und ich trotzdem weitgehend nur mit der Basistherapie zurechtkam, also selbst auf dem Golfplatz fast nie eine zusätzliche Tablette nehmen musste. Dafür dass ich bei Gräsern die höchste Eskalationsstufe in der allergischen Reaktion aufweise, ein beachtlich gutes Reagieren auf die Behandlung. Daher auch keine Hyposensibilisierung, weil fraglicher Nutzen, langwierig, und mit Basistherapie und der Möglichkeit der akuten Intervention bei Bedarf habe ich schon einen riesen Zuwachs an Lebensqualität.

Ich fühle mich gut behandelt, bin meist nahezu symptomfrei und bemerke keine Nebenwirkungen.

Daher dieser lange Text: Wenn ihr unter Allergien leidet und diese eure Lebensqualität einschränken, dann kann ich euch nur empfehlen, das wirklich von Fachleuten behandeln zu lassen. Ein guter Fachmensch wird euch alles gut erklären, Ergebnisse und Behandlungsoptionen gut mit euch besprechen und nichts machen, was ihr nicht wollt.

Aber ihr müsst wirklich nicht 7-8 Monate mit triefenden Augen und laufender Nase, mit Abgeschlagenheit und Niesattacken leben, wenn ihr das nicht wollt.

So.

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