Stationärer Einzelhandel in vorbildlich

Im stationären Einzelhandel erlebe ich meistens Situationen, die mich in meiner bevorzugten Shoppingmethode Internetz bestätigen, das war schon vor der Pandemie so und ist natürlich in den Zeiten monatelanger Schließungen nicht besser geworden. Ein Grund ist, dass man in Rostock eben nicht alles bekommt, wenn man sich nicht nur mit dem 08/15 Durchschnittszeug zufrieden geben möchte. Es gibt zum Beispiel keinen einzigen echten Feinkostladen. Es ist aber oft der völlig unzureichende Service, der ja häufig als Argument pro shoppen in der Innenstadt bzw. eben im Einzelhandel vor Ort angeführt wird.

Beispiel. Saturn im KTC, wir wollten Kühlschränke gucken. Wir hatten sehr konkrete Vorstellungen. Es sollte ein Samsung sein, er sollte den Gefrierteil unten haben, er sollte so ein Flaschenregal und ein Nullgradfach haben. Er sollte NICHT ins Internetz gehen und dort selbständig Sachen nachbestellen. Und als wir vom Verkäufer erfuhren, dass es Kühlschränke gibt, die Selfies von ihrem Inhalt machen und verschicken können, da wollten wir das auch nicht. Das sagten wir dem Verkäufer freundlich und deutlich. Das hielt ihn nicht davon ab, ein Verkaufsgespräch zu führen, in welchem er uns die Vorzüge dieser von uns definitiv nicht gewünschten Features anpries. Um es kurz zu machen, wir haben den Kühlschrank dann beim pöhsen A gekauft. (Bei Saturn hatte ich noch weitere verstörende Verkaufsgespräche. Nur eines war positiv, das war, als wir damals die Nikon D3000 kauften.)

Weiteres Beispiel. Wir waren gestern aus Gründen, die gleich erläutert werden, in der Stadt und wollten bei der Gelegenheit teure Füller gucken. Also diese Füller, die immer hinter Glas verschlossen ausgestellt werden und für deren Ausprobieren man also eine im entsprechenden Geschäft angestellte Fachkraft herbeilocken muss. Das ist uns gleich zweimal nicht gelungen. Erst waren wir im Fachgeschäft im Rostocker Hof, da gab es ein Kassenproblem, das offensichtlich sämtliche vorhandenen Fachkräfte (zwei) gebunden hatte. Dann sind wir in den Kaufhof gegangen, wo wir meiner Meinung nach und unter FFP2-Masken lang genug in der entsprechenden Fachabteilung herumgelungert hatten, ohne dass sich jemand für uns oder unser Anliegen interessierte.

Aber nun zum guten.

Vor einigen Wochen ist es mir mit Blick auf eine geplante Lasagnensituation für meine Kolleg:innen anlässlich meiner zweijährigen Mitarbeit in diesem tollen Team gelungen, die Lady von der Notwendigkeit von Pastaaufsätzen für die KitchenAid zu überzeugen. Und eigentlich wollte ich auch nur die Walzen für Lasagneplatten, also einen Aufsatz, denn, so meinte ich, wenn man mal andere Nudeln will, kann man die ja einfach aus den Platten schneiden. Und rief in dem hiesigen Fachgeschäft an, in dem ich seinerzeit auch die KitchenAid kaufte und wo ich seitdem, weil mich gut beraten gefühlt, allerlei hochwertigen Küchenkram erwarb. Das sind die Gebrüder Suhl mit ihrem Gebrüder Suhl – Tisch- und Wohnkultur im Rostocker Hof. Frug nach dem einzelnen Aufsatz. Hatte einen sehr freundlichen jungen Mann am Telefon, der mir sofort und sehr sicher versicherte, damit würde ich nicht glücklich werden und ich würde es bereuen, nicht den Dreierpack mit Aufsätzen für Platten, Fettuccini und Spaghetti genommen zu haben, wenn ich das erste Mal versuche, aus den Platten Bandnudeln zu schneiden. Ich musste lachen. Am nächsten Tag gingen wir hin. Derselbe junge Mann war da. Er versuchte wirklich nicht, uns zu überreden, aber war sehr überzeugend in seiner Darstellung seiner eigenen Erfahrungen mit den Gerätschaften. Aber wir hatten uns ohnehin bereits entschieden. Jetzt gibt es bei uns ständig Pasta, meist Fettuccini. Es ist so toll! Und von unseren getrockneten Vorräten haben wir seither nichts mehr angerührt 😉

Naja jedenfalls haben wir neulich mit offensichtlich nicht gut dafür geeignetem Teig die Spaghettiwalze verstopft und dann auch noch irgendwas daran, na, nicht direkt kaputtgemacht, aber eben irgendwie war nicht alles so, wie es sein sollte. Damit sind wir gestern in den Laden gegangen. Der junge Mann popelte erst mit Hilfe des Spleißdorns seines segelnden Kollegen die Nudelmasse aus den Walzen und schlug dann vor, den Defekt durch aufschrauben und richten und wieder zusammenschrauben selbst zu beheben. Man hätte es wohl auch irgendwohin schicken können. Als wir heute vormittag wieder hingingen, zog er gerade die letzten Schrauben fest. Es wurde uns NICHTS berechnet, wir haben natürlich großzügig in das Sparschwein getan. Einfach toll. So geht das. Da wusste ich wieder, warum ich sowas nicht im Internetz kaufe. Toller Laden.

Also, liebe Leute hier aus der Gegend: Wenn ihr was tolles und hochwertiges für die Küche braucht, das ist eine echte Empfehlung (ich bekomme da übrigens nix für), ihr werdet gut beraten, euch wird nix angedreht*, reparieren und Messer schleifen können sie auch und sie sind alle unfassbar nett, auch die Brüder selbst 😉 und stehen einfach hinter ihren Waren. Und für alle anderen: Sie haben auch einen Onlineshop.

Aber wenn ich sowas nicht habe, kaufe ich halt im Internetz ein.

*Bestes Beispiel: Wie ich einmal vor der Antwort von KitchenAid auf den Thermomist stand und die sehr freundliche Verkäuferin, die uns damals die KitchenAid verkauft hat, einfach nur sagte: Ihr könnt doch kochen. Dann braucht ihr das nicht.

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