Tag 4 mit Impf

Heute meine Erklärung, warum für mich mit der Impfung was Neues begonnen hat.

Covid-19 ist natürlich immer noch da und wütet da draußen, ohne dass hinreichende und sinnvolle Maßnahmen ergriffen werden, um die Verbreitung einzudämmen und die Intensivstationen zu entlasten. Daher ändert sich rein formal für mich nichts mit der Impfung. Maske, Abstand, Hände waschen und desinfizieren, nicht mit zuvielen Menschen in schlecht gelüfteten Räumen (dienstlich), im Privatleben Kontakte reduzieren (haha) naja und so weiter. Habt ihr bestimmt auch schon mal gehört. Das bleibt natürlich. Ich werde ab übermorgen mit dem (neuen, erzähle ich später mal) Rad zur Arbeit fahren und mich jedes Mal über die grottige Fahrradinfra… struktur möchte ich das gar nicht nennen… aufregen und wieder tageweise im Huuskontor verweilen, denn in Rostock werden die Zahlen weiter steigen, es geht gar nicht anders, oder hier wird einfach nicht getestet, das kann natürlich auch sein.

Trotzdem hat sich schon, als die Lady am Karsonnabend geimpft worden ist, in meiner Wahrnehmung etwas verschoben, und zwar hat sich ein Gefühl von individueller Kontrolle (oder in meinem Fachjargon könnte man auch von Selbstwirksamkeit sprechen) wieder eingestellt. Seit über einem Jahr habe ich das Gefühl gehabt, es nicht in der Hand zu haben, ob ICH infiziert werde. Andere zu schützen ist klar, das habe ich von Anfang an verstanden, und wenn sich da wirklich ALLE drangehalten hätten und Jutta und Günter nicht immer nur an sich selbst denken würden, könnten wir schon ganz woanders sein.

Für mich war von Anfang an klar und wurde mit den zunehmenden Informationen dazu, was alles so als milder Verlauf und was als genesen galt, deutlicher, dass ich Covid-19 nicht haben möchte. Ich möchte nicht wochenlang hier zuhause erschöpft und mit Atemnot herumliegen und es kaum aufs Klo schaffen. Ich möchte nicht, auch nicht vorübergehend, Geruchs- und Geschmackssinn verlieren. Wobei das bei einem Aufenthalt in der Uniklinik Rostock eher von Vorteil sein dürfte. Ich möchte niemals, egal womit, auf einer ITS landen und schon gar nicht analgosediert nackig im OP-Kittel vollgebappt mit zahlreichen Sensoren, Piepsen allüberall, Beatmungsschlauch, ECMO, Zinnober. Nein Danke. Die Leute dort machen einen super Job, aber ich denke, jede vermeidbare Infektion sollte man ihnen ersparen.

Einschub: Die neurologische ITS war während meiner sieben Jahre in der Klinik in Gehlsdorf IMMER voll. Wenn die morgens in der Frühbesprechung ein freies Bett meldeten, flogen die Köpfe (also die Gesichter) in Richtung des Ansagenden. So wird das auf den anderen ITS der Uniklinik auch gewesen sein.

Aber was hieß nun vermeidbar? Bei den Masken habe ich mehrmals Level übersprungen, am Anfang gleich die industriell von VanLaack (jaja) hergestellten, die waren super, konnten noch irgendwie als Accessoire durchgehen und saßen gut (wobei in der Nachschau… das war wohl auch viel Augenwischerei. Damit hat man definitiv nur andere geschützt). OP-Masken habe ich ausgelassen, auch weil sie fast nie vernünftig sitzen und zumindest an den Seiten bei vielen Leuten nicht dicht sind. Also seit Jahresbeginn FFP2-Masken. Konsequent immer. Beim Einkaufen, in der Stadt, in der Arbeit, in der Straßenbahn. Das gab mir ein gewisses Sicherheitsgeühl, mich auch einfach selbst zu schützen. Aber ich hatte nicht das Gefühl, mein Infektionsrisiko gut unter Kontrolle zu haben.

Das ist jetzt anders. Natürlich bleibt auch geimpft ein Restrisiko, es gibt nirgendwo 100% Sicherheit. Zumal ich grad vor vier Tagen geimpft wurde und die Zweitimpfung ja auch noch aussteht. Aber den Zahlen nach bin ich mit Moderna und die Lady mit BionTech auch jetzt schon gut vor einer Infektion geschützt, und falls es leider doch zu einer kommt, sollte uns ein schwerer Verlauf erspart bleiben. Und diese Entscheidung habe ICH getroffen, also mich impfen zu lassen. Ich habe also aktiv etwas dafür getan, hoffentlich nicht an Covid-19 zu erkranken, zumindest nicht schwer, und es gibt ja auch erste Erkenntnisse, dass man bei unseren Impfstoffen auch nicht mehr Überträger:in ist. Und DAS gibt mir das Gefühl von Kontrolle zurück. Selbstwirksamkeit.

Die ganzen anderen Sachen, AHAL-Regeln und Schließungen von Dingen und so, das hat wer anders entschieden (im Moment muss man ja eher sagen, werden grad von anderen NICHT entschieden), und auch wenn ich ihre Sinnhaftigkeit nie in Frage gestellt und sie so gut es mir gelang befolgt habe, es waren halt nicht MEINE Entscheidungen. Und angesichts des seit Monaten bestehenden Kaninchen-vor-der-Schlange-Verhaltens seitens ALLER Verantwortlichen bin ich erst recht froh, dass ich diese Entscheidung überhaupt treffen konnte, weil ich aufgrund meiner Tätigkeit in Priogruppe 2 gekommen bin.

DANKE dafür.

An alle, die an den Entwicklungen und Prüfungen der Impfstoffe beteiligt sind. An alle, die die Logistik betreiben, den Impfstoff zu verteilen. An alle, die an der Verimpfung beteiligt sind – ob in den Callcentern, an den Internetseiten, in den Impfzentren, an die Hausärzte, die impfen, einfach alle. Bevor ich jetzt noch pathetisch werde: Das Impfzentrum in der Hansemesse in Schmarl ist einfach super. Super organisiert, super nette und freundliche Soldat:innen, Ärzt:innen, Student:innen, Pfleger:innen, Sicherheitspersonal, alles. Schickschickschick.

Und jetzt genug Lobhudelei. Wenn ihr könnt, lasst euch impfen.

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6 Antworten zu Tag 4 mit Impf

  1. Birgit schreibt:

    Ich wäre froh, wenn ich schon dürfte, aber immerhin ist mein Mann Ende des Monats dran in Priogruppe 2 und mein Sohn übermorgen als Feuerwehrmann. Ich hoffe, das schützt mich auch, solange ich nicht zuviele Kontakte habe. Danke für deinen ausführlichen Bericht.

    • hafensonne schreibt:

      Birgit, ich freue mich für deinen Mann und deinen Sohn (Respekt an den Feuerwehrmann, auch sehr wichtig, das!), und wünsche dir, dass es schnell vorangeht und du bald dran bist mit impfen. Viele Grüße in die Puddingstadt 😉 🙂

  2. Frau Tonari schreibt:

    Ich würde mich ja auch gerne impfen lassen, aber leider gehöre ich wohl zu den Allerletzten im Lande. Lange hatte ich Hoffnung, dass ich wegen der Beschäftigung in der kritischen Infrastruktur vielleicht ein bisschen höher rutsche in der Priorisierung, aber leider hat man mich aus der anstaltseigenen Liste gekickt. (Im neuen Job bin ich anscheinend nicht mehr so wichtig wie im alten.)
    Aber ich freue mich für jede(n), die/der es geschafft hat. Der beste Impfling (ein grauenvolles Wort) von allen ist seit Donnerstag ein Ü60 Astrazeneca-„Gechipter“. Hurra!
    Und ja, großen Dank an alle, die an der Entwicklung, Verteilung und dem Impfen selbst beteiligt waren oder sind. Was die Logistik jedoch betrifft, stellt sich Deutschland in meinen Augen allerdings ein Armutszeugnis aus.

    • hafensonne schreibt:

      Oha, neuer Job. Bin schon gespannt 😀 Und lieben Gruß an den besten aller 😉
      Logistik: Wenn schon Distanzunterricht nicht flächendeckend funktioniert, weil anders als in jedem popeligen mittleren Unternehmen die Schulen keine eigenen IT-Leute haben (im Jahr 2021), sondern das im Zweifel der:die angeblich technikaffine Sportlehrer:in nebenbei macht, was soll dabei herauskommen. Es gibt ein Bundesamt für Katastrophen und Gesundheitsdingens, es gibt THW, es gibt die Feuerwehren, mein Gott, im Jahr 2015 hat hier Emil Reisinger, unser Haus- und Hof-Pandemiepapst, entgegen allem, was von offiziellen Seiten kam, Medizinstudent:innen mobilisiert, um schnell und unbürokratisch die vielen neuen Migrant:innen zu impfen.
      Ich wünsche dir und allen anderen, dass es endlich, endlich bald eine Art Warteliste (online natürlich) für abends übriggebliebenen Impfstoff gibt, damit du schnell geimpft werden kannst. ❤

  3. Herr Ackerbau schreibt:

    In drei, vier Monaten werden wir alle soweit sein. Bis dahin müssen wir noch besonders aufpassen. Ich freue mich, über jeden, der geimpft wird

    • hafensonne schreibt:

      Danke! Ich habe leider im Moment das Gefühl, dass bei der aktuellen Lage mit viel Infektionsgeschehen, Mutanten und wenig reagieren drei bis vier Monate einfach viel zu lang sind. Alles Gute für dich und deine Familie ❤

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