Neues aus B.

Gestern ruft Hausmeister B. an.

Ja, hallo, ja nee, ja, hia is Herr B. Wir ham wejng Ihr Abituazeugniss telefoniat. Also es is, wie ick schon dachte, dass dit nich hia bei uns is. Wir ham hia bis 1970 Zeugnisse vonne Realschule, aber nüscht vom Jümnasjum. Dit muss mit den Jümjasium mitjezoohng sein.

Hm ja, okee, denn muss ick ma bein Schulamt nochma nachfraren, weil irjngwo musset ja sein.

Ja, ick weeß ooch nich so rischtisch, wo Se sich jetz hinwenn könnten. Hm. Wissen Se denn, wo dit Jümnasjum hinjezoohng is?

Nee, jenaujenomm is dit Jimnasjum ja nich irngwohin jezoohng, sondern jewissermaßen uffjelöst, vaschtehnse?

Ja, wie jesacht, wir sinn ja 2001 vonet Märschnvürtel herjezoohng, aber is noch allet da, so bis 1970. Fuffzich Jahre muss man son Zeugniss uffbewahrn.

Donnawetta! Fuffzich Jahre! Denn würtet ja wohl irngwo noch sein. Isja grad ma zwanzich Jaare hea.

Dit sangse ma nich! Ick hab schon paar Schuln uffjelöst. So Hülfsarbeiter machen sich ja keene Platte, watse da wegschmeißen un wat nich. Aber wie lösn wa dit denn nu bei Sie? Wo könntnse sich denn nu hinwenden?

Also das isja riesisch nett, dasse sich da so Jedanken machen! Dankeschön!

Naja, wie soll ick det sahng, ick bin numa so.

Da habick ne Idee. Die letzten Jaahgänge vom Jimnasjum sind ja an dit andre Jimnasjum da jekommen. Vielleicht is da ooch dit Aschief hinjegkomm. Vielleicht rufick da ma an.

Dit is ne jute Idee. Hier habick gleich ma die Telefonnumma von dit annre Jümnasjum. 1234567890.

Oh vieln Dank! Danke für Ihre Mühen!

Ach, jerne doch. Tschüss.

[Handlungsloch.]

Natürlich erreicht man um 15:07 keine Schulsekretärin mehr, sondern Herrn S., der mir seine Position in der Schule nicht näher erläuterte, aber offensichtlich nicht der Hausmeister war. Es stellte sich zumindest heraus, dass diese Schule gewissermaßen meine Schule und damit vielleicht auch deren Archiv geerbt hatte.

Heute morgen dann die Sekretärin erreicht und immerhin schonmal die Information, dass tatsächlich das Archiv meiner alten Schule in ihre Schule gezogen sei. Allerdings fand sie mein Zeugnis nicht ganz auf Anhieb, „dit is ja schon so lange her“. Danke dafür. Ich solle nachm Mittag nochmal anrufen.

Um 14 Uhr erreichte ich wiederum Herrn S. (Frau A. is heute nich mehr da.)

Ick kann aber ma kucken, ob da schon was liegt. Wartnse ma kurz.

[Geht weg, kommt wieder.]

Wie war der Name nochma? Juti. Dit liegt hier schon bereit. Da musse noch Kopien machen und so. Rufense doch morgen früh nochma an.

[Kurze Pause.]

Da ham Sie also anno dunnemals hier Abitur jemacht. Dit isja’n Ding. Ach ick seh grad, janich bei uns.

Ja nee, wie jesacht uff der anderen Schule, aber Sie ham ja nun dit Aschief von denen jeärbt und desweeng.

Ja, ick hab mich schon jewundert, weil oochn janz andra Schulleita druffsteht. Na jut. Isja’n Ding.

Freut mich zu höan, dass nun der Promossjon nüscht mehr im Wege steht.

Oh! Na, vielleicht erwähnense uns ja in Ihrer Promozjon.

Beschtümmt! Also vieln Dank nochma, und ick rufe denn morng früh die Sekretärin nochma an.

Aber jerne doch.

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2 Antworten zu Neues aus B.

  1. Na, looft doch det Projekt! Jet halt nüscht verloren, man muss nur wissen wo man suchen muss!

    • hafensonne schreibt:

      Bei „looft doch det Projekt!“ musste ick spontan an „Voll die Botten ey, die Alte!“ denken, eine Mitteilung unter Jugendlichen, dass die Schuhe der Person gegenüber in der S-Bahn nun mal gar nicht gehen.

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