Begebenheiten

Verschiedenes passiert ja hier bei uns.

Heute in der Stadt auf dem Markt. Ich wollte vorbildliche Eier kaufen von einem Hof, der sich der Bruderhahngeschichte verschrieben hat, d.h. die Eier werden nicht nur irgendwie ökologisch erzeugt, sondern auf dem Erzeugerhof werden die männlichen Küken nicht geschreddert, sondern auch aufgezogen. Ich finde, wenn man als Verbraucher die Möglichkeit hat, solche Eier zu kaufen, dann sollte man das auch tun. Jedenfalls standen vor mir zwei rüstige Damen sowie ein männlicher Wichtigtuer, der noch ewig und drei Tage mit dem Eierhändler Anekdoten austauschte. Ich bin ja bei so Wartegeschichten geduldig und selten auf der Flucht, aber hier dachte ich ganz im Sinne meiner hauptstädtischen Herkunft, „Nu mach ma hinne, Kollege!“ Es waren noch so ca. 20 Eier da, die meisten von der größten Sorte. Omi #1: Was sind das für Eier, sind die frisch, kann man die auch roh etc. Kann man natürlich nicht, die dürfen offiziell nur als Kocheier verkauft werden, wie der Verkäufer augenzwinkernd mitteilt. „Ja, ist gut, dann nehme ich die.“ Verkäufer greift zur 6er-Packung. „Nee nee, dann geben Sie mir aber 10 Stück!“ Augenblicklich rechnete ich meine Chance aus, noch mit 6 Eiern heimzugehen. Ist ja nur  noch eine Omi vor mir, die wird ja wohl kaum auch mit 10 Eiern… „Ich nehme dann dasselbe.“ Die machen wirklich alle noch Hollandaise selber, mutmaße ich. Was macht ne Omi mit maximal noch einem Opi zuhause denn sonst in der Spargelzeit mit 10 Eiern?!

Der vietnamesische Gemüsehändler antwortet auf meine Frage nach der genaueren Herkunft des „Deutschen Spargels“ wie aus der Pistole geschossen mit der vietnamesischen Variante von „Mecklenburg“, ich kann das hier nicht transkribieren, ohne mich darüber lustigzumachen. Aber wenn er so gut weiß, dass das seine Kundschaft letztlich hören möchte vor der Kaufentscheidung, warum schreibt er das dann nicht gleich auf das Schildchen?

Ungeschlagen allerdings die Fünfergruppe mittelalter Herren, die sich ausweislich ihrer Kleidung und des Gesamthabitus offensichtlich für noch nicht ganz mittelalt hielten, die wohl im Rahmen einer Vorabendverarbeitung ein gut gewürztes Soulfood benötigten und dieses im einzigen mir bekannten arabischen Imbiss in der Rostocker KTV suchten und dann auch fanden. Sie fanden vor mir die einzige geöffnete Tür, woraufhin ich mich auf eine längere Wartezeit einstellte. Die Bestellung zog sich hin, eigentlich schien vegetarisch gesetzt gewesen zu sein, angesichts des aktuell nicht verfügbaren Falafels entschieden sich die meisten der Herren erleichtert doch für eines der beiden Fleischgerichte. Natürlich mit Extrawünschen „ohne Zwiebeln“, wobei ich dachte, wer am Sonnabendmittag auf Zwiebeln im Essen verzichten muss, ist vielleicht doch nicht so eine ganz coole Type, die im Gegenwind aus norwegischen Fjorden hinaus- oder dann auch wieder hineingesegelt ist. Bei ganz schmalem Fahrwasser. Meine Lebensfreude war dann kurzzeitig auch schmal wie Chile. Wegen der Kombination aus Wartezeit und dummen Gelaber. Aber plötzlich erschien der Maestro des Schuppens, nahm meine Bestellung auf und setzte sie unverzüglich in die Tat um! Die segelnden Berufsjugendlichen saßen noch und warteten auf ihre Labung, als ich schon mit einem Grinsen breit wie Österreich zur Straßenbahn scharwenzelte!

Dann ist mir noch ein Modedetail aufgefallen. Schlimme Mode hält sich ja leider nicht nur länger, als man möchte, sondern eskaliert immer noch weiter, wobei man bei jeder Eskalationsstufe ja denkt, noch schlimmer gehts nicht. Ich erinnere nur an die Leggings-Minirock-Hotpants-Geschichte, wo man in jedem Sommer dachte, was denn, NOCH KÜRZER?!? Bis die Mädels die Miniröcke und Hotpants ganz wegließen. Daraufhin wurden die über den Leggings getragenen Oberteil immer kürzer. Beinahe erreichten wir wieder Bauchfreiheit, leider meist bei Personen, die gar nicht bauchfrei waren. Aktuell beobachte ich aber, dass man nicht mehr die 5-Öre-Leggings vom Schweden trägt, sondern Funktionshosen, also die Teile, die bspw. beim Kaffeeröster als Laufhosen feilgeboten werden. Mit so Funktionsnähten und technischen Mustern und so. Warum ist das so?

Und noch was. Neuerdings wird man ja in diesem Internetz gerne gegängelt, wenn man einen Adblocker benützt, sich also diese häufig aggressive, sich aufdrängende und gerne mal mit Autoplayvideos auch noch die Datenvolumen schröpfende Werbung versucht vom Hals zu halten. Wenn im Fernsehen Werbung kommt, geht man ja auch aufs Klo und wird dann nicht während des Strullens angezählt, dass jetzt dem Fernsehen aber ganz doll wichtige Einnahmen flöten gehen. Aber ich bin ja einsichtig. Wir verfolgen aktuell gerne die Spiele der Schweriner Volleyballmädels, die sich heute ins Finale der Meisterschaft gespielt haben. Man kann dieses auf einem Internetsportportal schauen, das offensichtlich von Werbeeinnahmen finanziert wird. Dementsprechend wird man erstmal gleich angemeckert, wenn man einen aktiven Adblocker hat, und muss 40 Sekunden warten, bis man was sehen kann. Ganz artig habe ich dann den Adblocker für diese Seite deaktiviert. Was war die Folge? Statt der Straf-40-Sekunden beim Neuaufruf sowie während der Technical Time Outs und in den Pausen kam dann die Werbung mitten im Spiel. Sorry, Leute. Da wär ich ja bekloppt! Wenn ich so oder so immer wieder mal nichts sehen kann, dann doch lieber, wenn eh grade nichts passiert.

Was mich an die neue Werbezeitphilosophie von Pro7 bei den Simpsons erinnert. Früher: Vorspann, etwas längere Hälfte der ersten Folge, Werbung, der Rest, „nur ein Spot“, Vorspann zweite Folge, größere Hälfte der zweiten Folge, Werbung, der Rest, Schluss. Jetzt: Vorspann, extrem langer Werbeblock, komplette Folge, „nur ein Spot“, Vorspann, extrem langer Werbeblock, komplette Folge. Was habt ihr euch dabei gedacht? Langjährige Simpsons-Fans gucken die Serie inzwischen nicht mehr wegen des Vorspanns. Wenn der Vorspann beginnt, weiß man also, man kann sich noch ganz in Ruhe ins Bad begeben, eine rauchen und ein gutes Buch zuendelesen. Nix mit Werbung gucken.

 

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2 Antworten zu Begebenheiten

  1. Frau Tonari schreibt:

    Schön, mal wieder von Dir zu lesen. Ich hatte schon befürchtet, die Hafensonne wäre untergegangen. 😉

    • hafensonne schreibt:

      Haha nein, die geht eher wieder auf 😉. Aber bei Dir ist ja grad auch nicht viel los – manchmal ist das eben so. Ich könnte mein Schweigen jetzt natürlich als großes Blog-Fasten verkaufen. Is aber nich so 😎

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