Zum ersten und letzten Mal

auf der Brücke der Prins Joachim.

Es fing damit an, dass ich ein Ausflugsbedürfnis äußerte, das in der Auswahl – Fähre fahren oder Strandspaziergang – beim muskelkatergeplagten Capitano dann doch schnell zu einmal Dänemark-anschlagen-und-zurück führte.

Also ab auf die Prins Joachim. Wer weiß, vielleicht war es sogar die letzte Fahrt für uns, denn die Prins Joachim wird Anfang Mai außer Dienst gestellt und – mit vier Jahren Verspätung – durch die neue Fähre Berlin ersetzt. Alles begann damit, dass am Landgang ein noch recht jung aussehender, weißbehemdeter Mensch erschien, auf den sich sofort mehrere kleine Kinder mit den Rufen „Papi, Papi, Papi“ stürzten. Es war der diensthabende Kapitän mit offensichtlich Familienbesuch.

Zunächst regelte der Capitano im All-you-can-eat-Buffet, dass wir dort bei der Rückfahrt auch sitzen (und essen und trinken) bleiben können. Dann aber noch eine ganz andere Geschichte.

Nachdem wir die Tonne Rostock passierten, erschien der Oberoberkellner aka Teamleiter und verkündete, dass es nun losginge. Unter den Augen interessierter Familien folgten wir dem Chef de la Cuisine durch die zahlencodegeschützte Tür, vorbei an den Kajüten der Offiziere, auf die Brücke. Ja.

Dort wurden wir sehr freundlich vom Kapitän empfangen. Es erfolgte kollegialer Austausch über wer-kennt-wen und was-mach-ich-hier-und-dort. Ich stehe zwar tasächlich nicht zum ersten Mal auf der Brücke einer einlaufenden Fähre, aber es ist doch wieder phänomenal. Der Kapitän erklärt uns derweil die Maschinen und die Ruderanlage, die für das Alter des Schiffes moderne Technik und das Unwissen darüber, wann das neue Schiff kommt und das alte außer Dienst gestellt wird.

Irre. Ganz großes Kino. Seit ich in Rostock lebe und diese Fähren kenne, wollte ich schon immer beim Einlaufen da ganz oben stehen. Und das jetzt nun auf einem Dampfer, desen Tage bei uns gezählt sind. Ich habe mich nicht getraut, Fotos zu machen, oder überhaupt danach zu fragen. Macht nix, denn das kann mir keiner mehr nehmen, auf der Brücke der Prins Joachim mitgefahren zu sein.

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5 Antworten zu Zum ersten und letzten Mal

  1. Frau Tonari schreibt:

    Yeah! Das gönne ich Dir /Euch von Herzen. Ich kenne dieses Gefühl, wenn man sich der Einmaligkeit oder der großartigen Situation bewusst wird.

    • hafensonne schreibt:

      Vor allem heutzutage, wo sicherlich nicht einmal mehr ein Kind die Chance hat, ein Flugzeugcockpit zu bestaunen.. bei einem Schiff ist der Ausblick von der Brücke einzigartig, weil man ihn – auch mit Abstrichen – auf den Passagierdecks so nicht haben kann (Ausnahme: moderne Kreuzfahrtschiffe, die haben oft oberhalb der Brücke noch ein Panoramadeck), und so eine Brücke hat natürlich etwas absolut Magisches, auch wenn ich inzwischen allerlei von dem Gerät dort kenne. Anders als damals auf der Tom Sawyer gab es ja keine persönliche Verbindung zu dem Kapitän, außer dass der Capitano eben auch Kapitän ist. Tolle Sache. *erpelpelle*

  2. allesistgut schreibt:

    Ein tolles Erlebnis. Sowas passiert ja wirklich nicht jeden Tag. 🙂

  3. andreamaluga schreibt:

    Liebe Hafensonne, jetzt habe ich endlich den Beitrag zum liebsten blog-Award hochgeladen und traue mich, Dich zu nominieren 😉 Wenn Dir die Fragen zusagen, freue ich mich, wenn Du sie beantwortest. Schöne Nachtgrüße aus Berlin,

    Andrea

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