Sonnäbendliches

Seit Mittwoch ist der Capitano endlich wieder da, und ich muss nicht schon wieder ein Wochenende allein rumkriegen und anstehende Besorgungen mit Bus, Bahn oder Fahrrad erledigen. Unser erster Weg führte uns in den Baumarkt. Jedes Jahr das gleiche Ritual: Die Märzsonne lockt all die Baumarktzombies aus ihren Löchern und lässt sie „Holz, ich brauche Holz“ oder „Pflanzen, wo sind die Pflanzen“ murmelnd mit ausgestreckten Armen durch die Baumärkte der Stadt irren. Auf den vorgelagerten Parkplätze bilden sich Fahrzeug- und Einkaufswagenknäuel, der Ton ist rauh. Wir versorgen uns mit Blumenerde und einem sehr großen Pflanzkübel und ergreifen die Flucht. Mit kurzem Zwischenstop im Edeka unseres Vertrauens nehmen wir Kurs auf Warnemünde, denn bei dem schönen Wetter möchten wir natürlich nach den Schiffen gucken. Leider ist es an der Kaikante kühl, bedeckt und windig, auf See scheint es gar neblig zu sein. Daher amüsierten wir uns kurz über einen Bastian-Sickschen-Tippfehler und bestaunten eine Klappschute, die am Liegeplatz eins festgemacht hat.

In Warnemünde suchten wir die Fischhändlerin unseres Vertrauens auf. Wir wollten Dorschfilet und Lachs käufen. Im Verkaufswagen war ja nun leider nicht mehr der langgewohnte Fischverkäufer anzutreffen, der eine Drittkarriere als Maler in Dänemark angetreten hat. Stattdessen anderes Verkaufspersonal. Bevor irgendeine Interaktion geschehen kann, tritt die Chefin auf. Sobald sie uns erblickt hat, sagt sie nur „ICH!“ zu den beiden anderen und beginnt mit uns zu quatschen. In der Auslage sind sowohl Dorsch als auch Lachs zu sehen. Die Chefin spricht aber, Nein, da gehen wir mal in den anderen Verkaufsstand. Da, wo auch die Lachsforelle immer verkauft wird. Wir schlüpfen unter der Absperrleine durch und folgen Madame le Chef in den von Planen umschlossenen Stand. Dort liegt stapelweise frischester Fisch. So frisch, dass es noch nicht einmal ansatzweise nach Fisch riecht. Wir bekommen ein paar Anekdoten, zwei Dorschfilets und ein Lachsfilet sowie einen echten Freundschaftspreis. Tja. Als Stammkunde bekommt man offensichtlich nicht nur A-Ware, sondern die A*-Ware in Sushiqualität. Sushi gibts allerdings nicht, der Capitano hat den Lachs nach Graved-Art (hier gesprochen: grawwet Lachs, also wie mans schreibt) gebeizt und wird sicherlich bald noch ein paar schnuckelige Dorschfilets braten 😀 geht ja gut los!

Zuhause startete dann endlich das Tomatenprojekt. Vielen Dank noch einmal an Herrn Ackerbau für die freundlich zugedachten Sämereien. Dieses Jahr wurden wir mit dem  bereits im letzten Jahr bewährten gelben Dattelwein und der Himbeerrose beglückt, dazu ein erneuter Versuch mit Black Cherry, die letztes Jahr nicht gekommen sind, ein Mix von Fleischtomaten sowie eine gelbe Johannisbeere, wo ich nicht weiß, ob wir die letztes Jahr auch schon hatten, dann sind sie aber ebenfalls nicht gekommen. Außerdem gibt es noch eine Marmande Cuaventeno (mutmaßlich nach längerem Studium der ackerbauschen Handschrift 😉 ), vielleicht sind das die tonarischen kanarischen Tomaten. Wer weiß. Um den Informationsverlust zumindest bis zum ersten Weitertopfen gering zu halten, bin ich auf die geniale Idee gekommen, Papieraussaatgefäße zu verwenden und diese direkt zu beschriften. So kleine Holzschildchen für die Weiterbeschriftung nach Weitertopfen habe ich bereits organisiert. Es sollte also eigentlich nichts schiefgehen.

Dann noch ein Sieg von Simon Schempp in der Verfolgung und ein dem Dynamo Dresden abgetrotztes Unentschieden von Hansa Rostock, und der Tag ist eigentlich schon ganz gut gelaufen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter auf der anderen seite, lästerei, lobhudelei, schmackhaft und bekömmlich veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu Sonnäbendliches

  1. Frau Tonari schreibt:

    Marmande Cuaventeno – das war ein Mitbringsel für Herrn Ackerbau von Lanzarote. Klasse, dass er Dir ein paar Samen abgegeben hat.
    Über das „siebende“ mal habe ich eben kräftig gelacht. Vermutlich ist es eine deftige Freudsche Fehlleistung, denn Sand wird ja bekanntlich gesiebt. 🙂

    • hafensonne schreibt:

      Also tatsächlich von Dir! Toll! Na das wird ja eine interessante Bloggemeinschaftstomate. Ich habe tatsächlich so viele Samen bekommen, dass ich drei an eine weitere Kollegin weiterreichen werde 🙂

      • Frau Tonari schreibt:

        Hier wird es in diesem Jahr wegen ungünstiger Reisezeiten keine Balkontomate geben.
        Vermutlich holen wir uns lieber das eine oder andere reife Exemplar in Pankow ab. 😉
        (Jaaaa, ich weiß, in Rostock wartet auch noch was zum Abholen auf uns…)

      • hafensonne schreibt:

        Ich hoffe doch sehr, dass die Abholung VOR den ersten Reifen Tomaten erfolgt! [Einerseits.]

  2. Herr Ackerbau schreibt:

    Dabei habe ich mir solche Mühe gegeben, deutlich zu schreiben! Bei mir sind inzwischen von allen Sorten auch Pflänzchen aufgegangen, also sollte es bei dir auch klappen…. Und dann haben wir tatsächlich alle ein paar kanarische Tonari-Tomaten auf dem Balkon oder der Terrasse, das ist doch ein schöner Gedanke. (Und für die liebe Britta und Matze hebe ich natürlich ein paar der schönsten Tomaten auf…)

  3. andreamaluga schreibt:

    pankower tomaten? will ich auch 😉
    und ich freu mich schon auf den tomatendschungel! windige grüße, a. aus p.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s