Lady Helmchen

Fahrradhelme und ich, das ist so eine Geschichte. Meinen ersten habe ich mir in Stuttgart gekauft, weil die Autofahrer dort dermaßen rücksichtslos gegenüber Radfahrern unterwegs sind, dass ohne Helm zu fahren praktisch Harakiri mit Anlauf ist. Diesen Helm habe ich dann Jahre später mal in der Uni verloren, da war er aber auch schon lange über das empfohlene Höchstalter hinaus. In Bielefeld bin ich dann ohne Helm unterwegs gewesen. Nachdem ich nach Rostock gezogen bin, wollte ich mir dann wieder einen Helm kaufen. Um den lokalen Fachhandel zu unterstützen und weil ich einen Helm wollte, der wirklich gut passt, ging ich in einen bekannten Rostocker Fahrradladen in der Innenstadt. Die professionelle Beratung bestand in dem lapidaren Hinweis, ich solle mir einen Helm aussuchen, der mir gefällt. Na danke. Es richtete dann doch die Amazone. Nun hat dieser Helm auch so langsam die Altersgrenze erreicht, was sich vor allem durch die nachlassende Wirkung des rückwärtigen Feststellrädchens bemerkbar macht. Also habe ich mir aufgrund meiner schlechten Erfahrungen mit dem lokalen Fachhandel immer mal wieder beim Outdoor-Internetzversand diverse Helme bestellt, die aber allesamt nicht passten und/oder extrem schlecht in der Bedienung waren, sprich, man fummelte sich an den Bändchen zu Tode oder benötigte die Hilfe einer weiteren Person. Das geht natürlich gar nicht! Das Helmneukaufprojekt schien gestorben.

Heute waren wir in der Stadt. Eigentlich wollte ich dem Capitano neue Nickis und Socken kaufen, da war aber außer Spesen nix gewesen. Auf dem Weg zurück ins Einkaufszentrum befindet sich dann in einer kleinen Seitengasse das lokale Fachgeschäft. Irgendwie schaffte es der Capitano, mich von einem selbstredend vollkommen unverbindlichen Besuch des Geschäfts zu überzeugen. Ratlos stand ich vor der Wand mit den Helmen und dachte an den wenig hilfreichen Tipp vor fast fünf Jahren. Also suchte ich mir einen Helm heraus, der mich zumindest optisch überzeugte. Ich setzte ihn auf. Er passte wie angegossen, wesentliche Veränderungen der seitlichen Bänder waren nicht notwendig, und zudem hatte der Helm den von  mir sehnlichst ersehnten Einhand-Magnetverschluss. Nun tauchte der Fachverkäufer auf. Er lobte Sitz- und Passform, pries die von uns noch gar nicht bemerkte zusätzliche LED-Leuchte hinten sowie die hochwertige Verbindung zwischen Schale und Oberfläche. Und zack! War der Helm gekäuft. Im lokalen Fachgeschäft. Nicht heruntergesetzt. Gut, die Fachberatung beschränkte sich auf das Loben meiner ausgezeichneten Auswahl, aber gut. Zudem brachte uns der Besuch des Ladens noch die Information ein, wo wir meinen schönen alten italienischen Rennradrahmen sandstrahlen und pulverbeschichten lassen können. Also perfekt. Und ab Montag dann also mit einem wunderschönen, passgenauen und einhandbedienten Helmchen zur Arbeit!

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10 Antworten zu Lady Helmchen

  1. Frau Momo schreibt:

    In Stuttgart Radfahren ist in der Tat ein Kamikaze-Unterfangen… ich habe gerade 10 Monate in dieser Stadt gelebt. Einen Helm habe ich allerdings immer noch nur für mein Moped, dass ich mir nun wieder in Leipzig zugelegt habe

    • hafensonne schreibt:

      Kamikaze + ungünstige Geographie. Ich musste immer über den Berg rüber, durch den der Wagenburgtunnel führt. Freue mich für Dich, dass Du diesen Alptraum an Stadt wieder verlassen konntest. Ich arbeite in einer neurologischen Klinik, da kann man nicht anders als mit Helm fahren 😉

      • Frau Momo schreibt:

        Ich bin immer nur für ca. 10 Monate in den Städten und in Stuttgart war das mehr als genug 🙂

      • hafensonne schreibt:

        Hui, wie interessant! *grübelt jetzt heftig, was das für ein Beruf/ Branche sein könnte* Falls es mal Rostock wird: melden! 🙂

        Ich musste Stuttgart mehr als zwei Jahre aushalten, habe dann allerdings heftigsten Heimatdrang bekommen.

  2. Hier schon im August auch ein neuer Helm, auch mit Licht am Hinterkopf. Mein Helm ist quitschgrün, Kermit wäre begeistert, aber da ich schon ein schwarzes Holländerrad habe, musste Farbe her. Vor allem wenn so Schmuddelwetter ist, zu einer Warnweste in neongelb konnte ich mich noch nicht durchringen…

    • hafensonne schreibt:

      Hier inzwischen auch Warnweste auf Wunsch eines einzelnen Herrn 😉 der mir allerdings eine Weste mit Logo einer Fährreederei organisiert hat, insofern wars okay. Inzwischen möchte ich nicht mehr darauf verzichten, ich habe das Gefühl, dass Autofahrer deutlich wohlgesonnener agieren, wenn man gut sichtbar ist. Auch aus dem Auto heraus sehe ich ja, wie schlecht selbst Radfahrer mit funktionierender Beleuchtung zu sehen sind, wenn sie z.B. dunkle Klamotten anhaben oder die Sicht insgesamt einfach schlecht ist.

      In Sachen Farbe erwäge ich aktuell, das Fahrrad in der Farbe des Helms pulverbeschichten zu lassen 😉 das Auge fährt mit!

  3. vert schreibt:

    seit meinem erfolglosen versuch, mir die zunge abzubeißen, bin ich stets behelmt auf der sichere(re)n seite unterwegs. ich hab schon von pressesprecherinnen gehört, die nach sowas das sprechen haben neu lernen müssen. sowas wollte ich mir gern ersparen.

    • hafensonne schreibt:

      Vollste Zustimmung, leider traue ich den Plastikschalen zumindest im Vollkontakt mit fahrenden Autos auch nicht wirklich was zu. Aber trage trotzdem zumindest auf dem Arbeitsweg und sonst auch meistens tapfer Behelmung.

      [Willkommen hier, vert!]

      • vert schreibt:

        wenn die rübe ab ist, hilft auch kein helm mehr. fahren ohne knautschzone bleibt gefährlich…

        [merci. wir kennen uns ja noch aus dem blogspot-universum:-)]

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