Sehr geehrte Deutsche Bahn,

nach längerer Abstinenz und mehreren von mir zum Glück verpassten Streiken (Streiks? Streiki?) könnte man ja denken, dass sich ein Wirtschaftsunternehmen, das Sie ja sind, wenngleich Sie auch mir indirekt quasi ja dennoch immer noch irgendwie gehören, jedenfalls ja erwarten, dass Sie wie die meisten anderen Unternehmen auch an Ihrer Kundenzufriedenheit und Akzeptanz arbeiten und Ihre diesbzügliche, wie man heutzutage so sagt, Performance stetig verbessern.

Ich möchte mich ja nicht beklagen. Ich sitze inzwischen zuhause und habe nur den ersten Durchgang vom Teamwettbewerb in Lahti sowie einen 1A Frühlingssonnenuntergang verpasst, es war unterwegs weder kalt noch zu heiß, es drohten weder Dehydrierung noch Unterzuckerung, und richtig pampig war auch fast keiner. Aber ich bin inzwischen, also seit meinen höherfrequentigen Zugtagen, auch älter und leider nun auch mal erwachsen geworden, und ganz ehrlich. Sehr geehrte Deutsche Bahn. Ich habe echt keinen Bock, für den Haufen Kohle, den Sie verlangen, auch noch verarscht zu werden.

Am Anfang steht der Preis. Rostock-Leipzig hin und zurück für 170 Öre. Verdejo Administrator! Die Rückfahrt verdanke ich ohnehin nur einer geplanten Baustelle, infolgedessen ich ab Bitterfeld einen ICE nach Warnemünde nutzen kann, den ich nach Normalplan mit dem anderen RE gar nicht erreicht hätte. Obwohl es offensichtlich also einen Baustellenfahrplan gibt, geraten wir bei Jüterbog trotzdem aufgrund von Bautätigkeiten bereits in Verzug. Na schön. Ich muss ja nicht mehr umsteigen.

Dann erreichen wir Berlin Südkreuz und fahren eine ganze Weile lang nicht weiter. Entspannt orientiere ich nach einem günstigeren Platz. Dann kommen die Durchsagen. Ich bin etwas erstaunt, dass trotz bereits seit Jahrzehnten bestehender Kritik an genau diesem Verhalten im Salamitaktikstyle immer wieder vertröstet wird. Schlimm genug, habe ich bereits ansatzweise gepostet. Aber ich möchte nicht angelogen werden. Wenn der Lokführer angeblich innerhalb der nächsten fünf Minuten mit einem Zug von Berlin Hbf eintreffen soll, dann erwarte ich, dass hinter dieser Durchsage die Information steht, dass das auch der Fall ist. Dazu passt dann aber nicht, dass die in fünf Minuten ist er aber wirklich da Botschaft alle zehn Minuten wiederholt wird. Also wer sich da nicht verarscht fühlt… ich weiß nicht. Als wir dann endlich dann doch weiterfahren, bemerke ich, dass die Schaffnerin bereits weiter vorn einer Dame irgendwas wegen der Verspätung erklärt und dazu sagt, na, es war eben menschliches… Dingens… Daraufhin spreche ich sie auch an und sage, kann ja alles passieren, aber bei solcher Informationslage fühlt man sich doch usw., und dann sagt die doch allen Ernstes, der Kollege habe nicht richtig auf den Dienstplan geschaut!! Herrschaftszeiten! Das ist nicht menschliches Dingens. Das ist Geht Nicht! Wofür ist das denn schon wieder eine Ausrede? Eine Weile gab es ja Böschungsbrände, dann Notarzteinsatz am Gleis, spielende Kinder wurden gern angeführt, oder Störungen im Betriebsablauf. Als letztere wurde mir auch die Verspätung in der Bahnapp verkauft. Sehr geehrte Bahn, das geht nicht. Entweder schreibst Du Deine Dienstpläne nicht richtig, oder die Sanktionen für Dienstplan nicht einhalten sind zu gering. Oder denk Dir mal neue Ausreden aus.

Aber ok, ist passiert, Kind, Brunnen, Schwerkraft etc., aber dann kommt Ihre etwas genervte Kundin tatsächlich in Rostock an mit roundabout einer Stunde Verspätung, kein Schnee, kein Eis, kein Nebel, keine kaputte Klimaanlage, keine Weichenstörung, kein Warten auf Anschlussreisende, nicht mal ein klitzekleiner Böschungsbrand – kurzum, eine nicht ganz einsichtige Verspätung, man geht zum Service Point und sagt: Der ICE eben, eine Stunde Verspätung, wie geht das mit der Entschädigung?

Dann möchte ich nicht hören: Ich gebe Ihnen mal das mit (irgendetwas mit einem riesigen Stempel abgestempeltes sowie ein ca. dreiseitiges Formular mit gefühlten vier Durchschlägen) und das reichen Sie dann mit der Fahrkarte ein. Wenn ich dann sage, die Originalfahrkarte brauche ich noch, möchte ich nicht hören, na dann machen Sie eine Kopie und versuchen Sie Ihr Glück. Wenn ich dann sage, was soll das denn, es gibt doch meines Wissens auch einen Weg ohne Originalfahrkarte, schließlich ist es ja gut möglich, dass man diese noch für Abrechnungszwecke aller Art noch benötigt (z.B. für einen Passierschein A38), möchte ich nicht hören 16.33 HÄTTE ER ANKUNFT GEHABT UND ES IST DOCH ERST 17:28!! Wenn mich meine Verabredungum 55 Minuten versetzt bin ich nicht wesentlich weniger verärgert, als wenn es eine Stunde wäre! Ich will dann zumindest nicht pampig behandelt werden!

Außerdem, und das machte mich sehr böse, war mir vorher schon klar: Wenn ich zur Wahrung meiner Fahrgastrechte, über die man bei Bedarf sofort ein mehrere Seiten umfassendes, von Prädikats-Volljuristen DesInformationsformular ausgehändigt bekommen kann, extra diese bekloppten NICHT-Service-Point aufsuchen muss, fährt mir mit Sicherheit die Straßenbahn vor der Nase weg, mit der ich noch den Bus ohne längeres Warten bekommen hätte. Darüber freute sich dann hoffentlich am Dierkower Kreuz der Taxifahrer, der sich dafür, in angemessener Form natürlich, die ganze Geschichte anhören durfte. Ich bin ja auch nicht immer im Dienst.

Sehr geehrte Bahn, Kundenfreundlichkeit, Information und Service sehen leider immer noch anders aus. Eigentlich habe ich heute gefühlt eine Verschlechterung erlebt, denn ich kann mich noch an Zeiten erinnern, wo bei Verspätungen Kaffee, Mineralwasser und Schoki ausgeteilt und Bahngutscheine unkompliziert noch im Zug ausgegeben wurden. War das wirklich so schlimm? Und wundert Ihr Euch ernsthaft, dass die Leute massenhaft in die Fernbusse hüpfen? Ich habe nicht recherchiert, was Rostock-Leipzig mit dem Bus kostet Aber bestimmt nicht 85 Öre.

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3 Antworten zu Sehr geehrte Deutsche Bahn,

  1. Herr Ackerbau schreibt:

    Sei froh, dass du nicht regelmäßig S-Bahn fährst…. 😉

    • hafensonne schreibt:

      Zuletzt vor fünf Jahren im Praktikum, bin dann schnell auf Straßenbahn + 15 min. Laufen umgestiegen, war in dem a*kalten Winter die deutlich bessere Option als eine unbekannte Zeit auf egal was warten zu müssen. Ach, wie gesagt, mir war es ja letztlich egal, und der Zug war leer und ansonsten ohne die oft üblichen Makel, aber für ein ICE-Ticket kann ich schon erwarten, dass die Angestellten ihre Dienstpläne lesen können und dann auch die Kunden nicht frech anlügen. Das Chaos des früher so vorbildlichen Berliner ÖPNV ist übrigens tatsächlich einer der Gründe, warum mich so nichts mehr in meine alte Heimat zieht.

  2. seepferdchenblog schreibt:

    Das ist ja hanebüchen! Wenn einer eine Reise tut, dann kann sie was erzählen…

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