Statt einer Lobhudelei

Eigentlich sollte jetzt hier ein Text stehen, der dem laut Reiseführer ausdrücklich besten Fischrestaurant des Südwestens huldigen wollte. Leider kam es anders. Da ich an einen Zufallsbefund glaube und den wahrscheinlich durchaus zurecht verliehenen guten Ruf des Lokals nicht zerstören möchte, werden weder Ort noch Name verraten. Die Geschichte muss nämlich trotzdem auf jeden Fall erzählt werden.
Wir befanden uns also in dem Ort, in dem das gepriesene Lokal zugange ist. Auf der Terrasse nahmen wir Platz, genossen den Ausblick und ließen uns von der sehr freundlichen Bedienung mit einem weißen Tischtuch und der Speisekarte versorgen. Diese, also die Speisekarte, enthielt in der Tat u.a. eine ansprechende und übersichtliche Anzahl von Fischgerichten. Wir entschieden uns für einen typisch portugiesischen Fischeintopf, Calderada [bitte selbst googeln, verlinken mit Händi ist nervig] für 2 Personen. Bereits beim Eintreffen der stattlichen Kasserolle staunten wir nicht schlecht, schließlich hätte man mit dem Inhalt auch eine halbe Kompanie satt bekommen, wenn dieser nicht zufällig Obelix angehört hätte. Aber es sah auf den ersten Blick lecker aus. Leider war sie Calderada nicht ganz leicht zu essen, weil die Fischteile noch am Skelett waren und sich das Zerlegen von Fisch in einer Suppe schwierig gestaltet. Aber das war gar nicht das Problem. Auf meinem Teller entdeckte ich eine ganze Reihe schwarzer, nun ja, Dinger. Sie waren zwar klein, aber viele.
*Schatz, guckst Du mal? Was ist das denn? Das sieht aus wie Ameisen…
*Das sind doch keine Ameisen – das ist ein Gewürz!
*In Ameisenform?!?
*Kennst Du nicht das berühmte Ameisengewürz?
Da ich äußerst ungern in Restaurants reklamiere und die Dinger wirklich SEHR KLEIN waren, also letztlich auch für hafensonne aka DAS AUGE schwer zu beurteilen, widmete ich mich zunächst also meiner Calderada, die, wie bereits erwähnt, nicht leicht zu essen war. Gleichwohl vermied ich es sorgfältig, die kleinen schwarzen Dinger mitzufuttern. Über die beschriebenen Unannehmlichkeiten hinweg war die Calderada köstlich, aber viel zu viel. Die schwarzen kleinen Dinger ließen mir allerdings keine Ruhe.
*Schatz guck mal, das sieht doch WIRKLICH aus wie eine Ameise!
*Ich habe meine Brille nicht mit.
*schnappt sich eine von meinen aussortierten Dingern und steckt sie in den Mund*
*Hmmm, schmeckt jedenfalls nicht nach Ameise!
*Warum bin ich nicht überrascht??
Inzwischen wird mir jedenfalls langsam klar, dass es egal ist, ob es AMEISEN sind, es sind jedenfalls ganz sicher KEINE Gewürze, und sie schwimmen in unserem ESSEN. Im besten Fischrestaurant des Südwestens! Ich spreche die Kellnerin an.
*Sorry, we have a question. These black things here… they look like… animals?!
*Kellnerin beugt sich über den Teller, wird blass, die Augen weiten sich*
*Oh my god, these are… look like… ANTS!!
*Ich, erstmal erleichtert, kann also doch noch sicher zwischen toten Ameisen und Gewürzen differenzieren*
Die Kellnerin ist vollkommen von der Rolle und verfällt beinahe in Katatonie. Schaut in die Kasserolle, wo natürlich weitere Ameisen schwimmen. Natürlich sind es Ameisen, was denn sonst? Aber man zweifelt eben eher an seinen Sinnen als am besten Fischrestaurant weit und breit. Schnell wird die Kasserolle weggeschleppt, uns ein Austauschgericht angeboten. Aber will man in diesem Moment noch etwas anderes aus dieser Küche essen? Nachdem die Teller auch entfernt worden sind, kommt die Kellnerin wieder, entschuldigt sich wortreich, sehr glaubhaft, sehr schockiert, natürlich müssen wir nichts, gar nichts bezahlen, und sie hofft sehr, dass wir trotzdem noch einmal wiederkommen werden.
Als sie weg ist, sagt der Capitano:
*Warum hatten wir nur eine kleine Flasche Wein? Und wo bekommen wir jetzt um alles in der Welt getrocknete Ameisen her??

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6 Antworten zu Statt einer Lobhudelei

  1. Frau Tonari schreibt:

    Ähm. Und sie haben nicht nach Ameisensäure geschmeckt? Dann waren sie vermutlich gut abgehangen 😉
    Ähnlich ging es mir übrigens mal im Hofbräuhaus in München. Blattläusekolonie im Salat. Leider weigerte sich der (tschechische) Kellner vehement, diese zu erkennen 😉

  2. Peer van Daalen schreibt:

    Da fehlt ein “ i “ in Caldeirada https://www.google.de/webhp?tab=ww&ei=m-FnVPKmLoisPKDPgLgH&ved=0CAoQqS4oAQ#newwindow=1&q=caldeirada . Gibt es in Portugal leider auch nicht mehr alle Tage überall 😦 …

    Und Ameisen bestehen zum überwiegenden Teil aus hochwertigem Eiweiß und werden (neben Heuschrecken) in aller Welt gegessen. Sogar in meiner Stadt im `Common Sense´. Google mal …

    Schönen Tag noch PvD

    • hafensonne schreibt:

      Das mit ‚i‘ weiß ich, danke trotzdem für den Hinweis 🙂 Sämtliche Fehler werden nach Rückkehr am Laptop repariert, mit dem Händi ist es mir zu umständlich 😉 Das Ameisen in weiten Teilen der Welt als Proteinlieferant wirken, ist mir natürlich bekannt, aber ich versichere Dir: auch ohne Ameisen war die Caldeirada ein mächtiger Eiweißbatzen… 😉

    • Frau Tonari schreibt:

      Ich hatte auf der EXPO 2000 das Vergnügen, frittierte Heuschrecken zu probieren. Und, was soll ich sagen? Sie schmeckten wie Erdnussflips. 😉

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