Halbjahresjammern

Wer mich kennt, weiß, dass ich Jammern nicht leiden kann, schon gar nicht das Bejammern mehr oder weniger nicht zu ändernder Um- und Zustände. An diesem Wochenende war es mal wieder soweit, dass allenthalben landauf, landab ungestraft gejammert werden durfte.

Die Zeitumstellung.

Außerhalb der beiden entscheidenden Wochenende habe ich noch niemals jemanden über die Zeitumstellung bzw. die Sommerzeit im besonderen jammern hören. Im Gegenteil, wer sitzt im Sommer nicht gerne bis spät in die Nacht draußen und erfreut sich noch Stunden nach dem Sonnenuntergang am himmlischen Farbspiel? Ich habe auch noch nie eine Klage darüber vernommen, dass wegen der doofen Sommerzeit die Sonne im Sommer eine Stunde später aufgeht.

Alle halben Jahre kann man sich allerlei wissenschaftlichen und parawissenschaftlichen Erkenntnisse über unseren Biorhythmus, die biologische Uhr und dergleichen mehr anhören. Ich nehme diese Erkenntnisse durchaus ernst. Ich nehme auch Leute ernst, die mehr Schwierigkeiten mit der Zeitumstellung haben als ich. Ich glaube allerdings nicht ernsthaft daran, wie es mir die Pro7-Nachrichten gestern nahelegen wollten, dass tatsächlich eine Mehrheit der Deutschen nicht mit der Sommerzeit zurechtkommen. Mit der jeweiligen Umstellung, gut. Akzeptiert. Aber doch nicht den ganzen Sommer lang! Wie anpassungsfähig unsere inneren Uhren sind, weiß doch jeder, der mal über ein paar Zeitzonen gefolgen ist. Erst ist man etwas irrtiert, aber dann gehts doch irgendwann. Oder haben alle Au-Pairs in den Staaten ein ganzes Jahr lang Jet-lag?

Ich komme mit der Umstellung eigentlich immer ganz prima zurecht mit einer ganz einfachen, inzwischen technisch auch wunderbar unterstützten Strategie: Ich denke möglichst wenig daran. Früher hatte ich als einzige Uhr oft nur einen Wecker. Später traten diverse technische, ebenfalls die Uhrzeit anzeigenden Geräte in mein Leben. Diese stellen sich inzwischen ohne jede weitere Information von selbst um. Da ich in aller Regel am betreffenden Sonntag ausschlafen kann, bemerke ich die Zeitumstellung hauptsächlich lediglich durch das einwöchige mediale Gejammer. In unserem Haushalt tut sich tatsächlich unsere Wetterstation mit Funkuhr am schwersten, sie sträubte sich mit Händen und Füßen gegen das die Umstellung einfordernde Signal.

Im englischen heißt die Sommerzeit Daylight saving time. Das ist doch ganz treffend. Da ich selbst viele Jahre im Einzelhandel mit den bekannten Öffnungszeiten gearbeitet habe, wusste ich die langen Abende, die auch mir im Sommer noch ein paar Sonnenstunden schenkten, sehr zu schätzen. Schaffte man die Sommerzeit ab, würden sich wahrscheinlich sehr schnell sehr viele Zeitgenossen darüber beklagen, dass es im Sommer abends so früh dunkel wird. In diesem Sinne könnte man natürlich auch eine ganzjährige Sommerzeit diskutieren. Das wäre nämlich im Winter auch ganz nett: morgens ist es so oder so dunkel, aber nachmittags eine Stunde länger hell.

Glücklicherweise hat die Bundesregierung unlängst aus aktuellem Anlass verkündet, dass eine Abschaffung der Sommerzeit nur im Einklang mit sämtlichen EU-Staaten denkbar sei. Da denke ich dann doch realistisch und gleichzeitig gelassen, dass mir meine Sommerabende erhalten bleiben. Nur das Gejammer der selbsterklärten Chronobiologen, das bleibt mir damit wohl auch erhalten. Jetzt ist ja erstmal wieder eine Weile Ruhe ;-).

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5 Antworten zu Halbjahresjammern

  1. Frau Tonari schreibt:

    Die Russen haben, wie ich heute las, nun dauerhafte Winterzeit eingeführt.
    Vielleicht eine putinsche Reaktion auf die politische Eiszeit 😉
    (Mir geht es ähnlich wie Dir. Ein, zwei Tage ein bisschen frühes Ermüden. Das war es dann auch. Aber ich scheuche ja meinen Körper ziemlich regelmäßig durch diverse Ost- und West-Jet-Lags 😉
    Demnächst muss er eine Zeitverschiebung von 12 Stunden verkraften. Da kann er jetzt schon mal ein wenig trainieren.)

  2. Stef schreibt:

    Mit der Sommerzeit habe ich überhaupt keine Probleme, eher mit der „Winterzeit“. Also her mit der dauerhaften Sommerzeit! (Und gerne mit dem dauerhaften Sommer, aber je nun…) 😉

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