Das Hausfrauendingens

Es hat sich ja – unter anderem mit meiner eigenen Hilfe – inzwischen herumgesprochen, dass die frühere Punklady und linke Bazille (die zwar schon früher immer brav ihre Miete bezahlt, aber immerhin mal in direkter Nachbarschaft eines besetzten Hauses gewohnt hat, und zwar zu einer Zeit, als in Berlin-Friedrichshain noch 80% der Wohnungen mit Braunkohle beheizt wurden, es in der Simon-Dach-Straße eine olle Kaschemme, eine Eckkneipe und eine einzelne Weinbar gegeben hat und frühmorgens alte Männer in Filzpantoffeln und mit Kippe im Mundwinkel alte grauhaarige Dackel, deren Bauch am Boden schleifte, spazieren führten) nicht nur sesshaft und seriös mit einem richtigen Ehemann und einem richtigen Beruf geworden, sondern nach und nach trotz weitergehender Berufstätigkeit zur Hausmutti mutiert ist. Gemüse-, Hühner-, Rind-, Lamm- und Wildschweinfonds werden vorausschauend selbst eingekocht und harren in einem kleinen Regal im Kellerersatzraum ihres Einsatzes. Tomatensauce und -ketchup kommen hier ebenfalls nur noch aus eigener Herstellung zum Einsatz, desgleichen Pestos und Chutneys aller Farben und meist selbstgezogener Inhaltsstoffe. So weit, so interessant, so gut. Es fühlt sich einfach gut an, aus frischen, evtl. selbstgeernteten Rohstoffen schmackhafte Dinge herzustellen und vor allem haltbar zu machen. Unabhängigkeit von Industrielebensmitteln blabla. Keine natürlichen, naturidentischen oder gar künstlichen Aromastoffe, keine Konservierungsmittel, naja, ihr wisst schon. So eine selbstgemachte Brühe schmeckt nicht nur lecker, sondern pro Charge auch immer mal wieder anders (die aktuell köchelnde ist z.B. bereits jetzt rettungslos versalzen, das werde ich auf der Beschriftung vermerken und diese Charge eher an Essen geben, die noch gar nicht gewürzt sind *augenroll*). Auch Ketchup, Tomatensauce und -chutney gelangen jedes Mal etwas anders, so dass man immer wieder mal überrascht wird, während einen sowohl aus der gelb-roten Tüte als auch beim gelb-roten Resaturant Schnellrestaurant der immer wieder gleiche, vorhersehbare Geschmack ohne Experimente erwartet. Das geht mir inzwischen sogar beim ansonsten ja eigentlich vorzüglichen Blockhouse so.

Aber Fonds selbermachen ist ja Kindergarten. Wo verzweifelt man immer gerne? Genau, vor den gefühlten zehn Metern Gewürzgurkenregal. Kaum eine Sorte kommt ohne Aroma aus. Warum? Ist ausnahmsweise kein Aroma drin, kann man seinen Arsch Allerwertesten Hintern seine Rückansicht darauf verwetten, dass statt Zucker der Euphemismus Süßungsmittel verwendet wurde. Ach! Zum Glück hat uns das ungarische Halbblut verraten, wie man Gurken einlegt. Früher sah ich nie Einlegegurken im Supermarkt, aber in diesem Jahr war es soweit. Wir leiden allerdings an einem gewissen Glasmangel. Kleine Gläschen haben wir noch ein paar, aber im Rest einer einst stattlichen Gläschensammlung tummeln sich nun Fonds verschiedenster Herkunft, Salzzitronen, Tomatensaucen, -ketchups und -chutneys, eingelegte getrocknete Tomaten und Pestos bzw. Chutneys. Puh. Daher war die erste Runde mit drei mittelgroßen Gläsern eher bescheiden, und aufmachen darf man sie auch noch nicht. Drei Wochen, hat das ungarische Halbblut gesagt.

Das mit den Bouletten für den Capitano hab ich ja schon erzählt. Läuft übrigens immer noch und zunehmend subkortikal, also wie geplant keine wesentlichen geistigen Extraanstrengungen mehr erheischend. Inzwischen stibitze ich mir auch die eine oder andere Boulette, wenn ich mit Lunchpaket zur Arbeit fahre.

Neu ist jetzt… Marmelade. Der Lieblingsnachbar fragte neulich, ob bei uns ein Johannisbeerbegehr bestünde. Bei mir ja eigentlich nicht, aber da sich der Capitano neuerdings angewöhnt hat, Quark oder Joghurt mit Marmelade verrührt mit zur Arbeit zu nehmen, dachte ich hmm. Warum eigentlich nicht ein feines Johannisbeergelee zusammenkochen? Chefkoch.de ist Dein Freund! Für den Liebsten Johannisbeergelee zu kochen ist tatsächlich ein Liebesbeweis, der über die wöchentliche Zubereitung von Bouletten noch einmal hinausgeht. Bis man die blöden Beeren von den Rispen gefummelt hat, hat man nämlich die halbe Hansesail verpasst.

Vorher sieht das so aus:

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Entmutigender geht es kaum, oder?

Am nächsten Morgen sah es immerhin dann so aus:

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Das ganze dann abwiegen, 1 Kilo Beeren auf 1 Kilo Gelierzucker geben, verrühren, aufkochen, mindestens vier Minuten kochen lassen, Gelierprobe und dann ab in die heißen Gläser! Kurz auf den Kopf stellen, dann wieder umdrehen und eingewickelt abkühlen lassen. Das wieder umdrehen ist wichtig, sonst sieht das nämlich aus wie bei uns:

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Aber schmeckt.

Jetzt mache ich gerade so ein Gemüsegranulat, dazu später mal mehr, wenn ich es auch eingesetzt habe, Gemüsebrühe, die wie gesagt hoffnungslos versalzen ist, und Beerenmarmelade nach Elisabeth Raether, die übrigens felsenfest davon überzeugt ist, dass es keine Männer gibt, die jemals Marmelade gekocht haben. Na, da muss ich wohl auch noch mal ’ne Mail schreiben *augenroll*. Nun also mal weiter im Text.

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3 Antworten zu Das Hausfrauendingens

  1. Frau Tonari schreibt:

    So hausfraulich möcht´ ich aber lieber doch nicht werden.
    Johannisbärgelee. So, so.

    • hafensonne schreibt:

      *einbisschenspaßmusssein* Beim Rest vom Haushalt bin ich das pure Gegenteil einer Hausmutti. Da kann der Capitano ein Lied von singen 😉 Insofern ist das eher eine Art kosmischer Ausgleich: Weil ich eine so unglaublich schlechte Hausfrau bin, mache ich irgendetwas hausfrauenbezogenes, was mir aber überdies Spaß macht, dann habe ich eine Ausrede dafür, wieder nicht das Bad gewischt zu haben… 😉

  2. Anikó schreibt:

    Du hast eine Nacht zum Entrispeln der Johannisbären gebraucht? Hat Dir denn niemand den Gabeltrick verraten 😉
    Übrigens bei Johannisbeeren reicht auch tatsächlich normaler Zucker, die haben von allein so viel Pektin, dass geplante Johannisbeersiruppe regelmäßig Gelees werden *g*

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