Langes-Wochenende-Gedanken

Das ist noch  von letzter Woche übergeblieben: Warum eigentlich scheint so gut wie jeder Autofahrer in der Lage zu sein, für ein auf der Straße watschelndes Entenpaar auf die ca. 30 km/h runterzubremsen, die auf diesem Straßenabschnitt ohnehin wegen eines Schulweges vorgeschrieben sind? Die Vorstellung, eine Ente anzufahren, muss ungleich schwerer aushaltbar sein, als ein plötzlich auf die Straße laufendes Kind anzufahren. (Von den diversen Methoden, Radfahrer möglichst gefährdend zu überholen, ganz schweigen.)

*

Wie lange wird es noch dauern, bis der Mann vom Turm* die Nerven verliert und eine der beiden Bartschen HH204 bzw. HH205 bei der Meldung anbellt, sie mögen sich doch bitte mal vernünftge Schiffsnamen zulegen?!

*

Warum sind eigentlich zu Pfingsten die Geschenke am geringsten? Weil es sich reimt?

*

Und wie lange wird es noch dauern, bis die Menschen einander Pfingstgeschenke machen? Die Geschenkeindustrie ist hier wirklich noch sehr nachlässig.

*

Was ist überhaupt Pfingsten? Trotz meiner selbstgewählten Sozialisation in der evangelischen Jugend habe ich das nie verstanden (Max Goldt: Pfingsten ist irgendetwas mit dem Heiligen Geist).

*

Bleiben wir bei Max Goldt: Obwohl hier und allerorten das heißeste Pfingsten seit Menschengedenken seit Jahrzehnten propagiert wird, meine ich mich an eine ganze Reihe sommerlicher Pfingstwochenenden zu erinnern. In einem älteren Text von Max Goldt erhalten wir einen kleinen Anhalt für die Stützung meiner Erinnerungen. Dabei zitiert Max Goldt die Wettertante im Fernsehen, die den schönen Satz Der Freitag vor Pfingsten ist ja traditionell der Tag, an dem das Pfingstwetter eröffnet wird gesagt haben soll.

*

Da ich am und auf dem Wasser aufgewachsen bin (weswegen es auch folgerichtig ist, dass ich einen Seemann geheiratet habe), verbinde ich mit Pfingsten immer die schöne Tradition der Berliner Wandersegler, zu Pfingsten wegzufahren zur sogenannten, das ist jetzt nicht besonders originell, Pfingstfahrt. Sonnabends aus der Schule gekommen, das Boot beladen und los in die Schmölde. Anfangs zu viert in einer O-Jolle, später dann mit dem Jollenkreuzer mit etwas mehr Platz. Diese Touren waren stets verbunden mit Querelen mit dem Außenborder (im Krüpelsee liegt ein Tümmler von uns), jeder, der selbst einmal einen Tümmler sein eigen nannte, kennt dieses Geräusch beim Ziehen des Anlassers, der eigentlich eher ein Nichtanlasser war, und jeder Tümmlerbesitzer konnte die Zündkerzen im Schlaf und mit 3.8 auf dem Turm wechseln. Toiletten gabs damals keine an Bord, das hieß also Klappspaten und Wald. Seltsamerweise habe ich mir dabei niemals Zecken eingefangen (ich wusste nicht mal, dass es welche gibt), so sehr mich damals also die Mücken liebten, so sehr verabscheuten mich wohl die Zecken (bis heute).

*

Der Vorteil von Rostock als Wohn-, Lebe-, Arbeitsort ist, dass man da lebt, wo andere Urlaub machen. Der Nachteil an Rostock ist, dass man da lebt, wo andere Urlaub machen. Vor allem zu einem mit Getöse angekündigten Jahrhundert-Pfingsten, das natürlich allerlei Kurzentschlossene an die Strände lockt. Was den Hotelier freut, nervt den Rostocker. Der will nämlich eigentlich auch an den Strand, sieht es aber nicht so recht ein, sich in Stauschlangen einzureihen und am Strand um Quadratzentimeter Handtuchfläche zu balgen. Warum kein Extrastrand für Einheimische? Das gleiche Problem kannte ich bei der anfänglichen Kneipisierung der Friedrichshainer Simon-Dach-Straße. Manchmal wünschte man sich, als ausgewiesene, hier gemeldete Friedrichshainerin doch bitte mal spontan mit Freunden ein Bier in der Kneipe der Wahl trinken zu können, statt irgendwelchen herbeigekarrten Schulabschlussklassen die Plätze überlassen zu müssen. Aber zurück zu Rostock. Wir wollten gestern natürlich auch baden. Schließlich hatten wir zwar schon angebadet, aber noch nicht angerollt. Ich muss nämlich beim Baden im Meer immer Rollen machen, beim Anbaden in Dänemark war es aber nach dem ersten Einstuken definitiv zu kalt für weitere Kopf-unter-Wasser-Experimente. Da wir keinen Wert auf überfüllte Strände und Parkplätze legen, fuhren wir also zu einem Geheimtippstrand, wo man tatsächlich vom Parkplatz aus noch 3km durch den Wald laufen darf. An sich eine feine Geschichte, wenn die Fliegen nicht wären und vor allem nicht der letzte Kilometer 1A aus feinsten Kuchensand, wie man in Berlin früher sagte, bestanden hätte. Der Strand war nun nicht gerade leer, in Dänemark hätten wir gesagt, er war voll, im Vergleich mit Warnemünde war er menschenleer. Eine Fähre zog am Horizont von dannen, ein Schiff der Küstenwache sowie der Schlepper Baltsund dümpelten vor sich hin. Der Strand war für Pferde erlaubt, entsprechend gab es auch einige Reiterinnen, die mit den Pferden im Wasser tobten. Viele Personen waren nackelig, das war nicht immer von Vorteil. Baden waren wir nach dem anstrengenden Marsch durch den Wald selbstverständlich auch, die Badefreude wurde etwas durch Algen und auch durch die immer noch nicht badewannenentsprechende Temperatur getrübt. Gleichwohl vollführte ich meine drei Rollen, mit Algenodeur und Salzwasser im Haar und von Fliegen umtost ging es dann zurück zum Fahrzeug.

*

Heute hätte dann ja mal eine Radtour stattfinden können. Stattdessen verlebe ich einen Hausfrauenfeiertag. Was bislang liegenblieb, wurde und wird erledigt. Zum Beispiel dieser Blogbeitrag. Nachdem wir bereits am Sonnabend diverse Gläser Pesto sowohl roter als auch grüner Farbe anfertigten (und ich dabei erstmals einen Mangel bei den Weckgläsern konstatierte), habe ich heute neue getrocknete Tomaten eingelegt. [Bild folgt.]

20140609-182706-66426110.jpg

Erst kocht man die Biester in Essig und Wein etwas weich. Dann braucht man frischen Knoblauch, gutes Olivenöl und was man sonst noch gutfindet. Da wir Thymian und Oregano sowie Minze auf dem Balkon haben, fiel die Wahl nicht schwer. Zudem mag der Capitano Chilis und Kapern. Entsprechend entstand ein Glas mit Thymian, Oregano und Kapern, eins mit Thymian, Oregano und Chili sowie eins mit Chilis, Kapern und Minze. Mal sehen. Da ich an und für sich gar nicht die große getrocknete-Tomaten-Esserin bin, wird daraus wohl später wieder Pesto.

*

Auch sonst gab es viel zu tun. Unsere das Auge beleidigende Gartenfläche von einem Zucchino und Astern bewohnte Brache musste dringend aufgepeppt werden, und ich wusste auch schon wie. Aber die Umsetzung! Ich brauche eigentlich ein Hochbeet, da meine Knie nicht gartentauglich sind. Trotzdem nun also mit drei Töpfen Männertreu und ein paar Samenkörnern in der Tasche hinunter. Aus dem Schuppen das schöne Gartenbesteck geholt und Unkraut rausgezogen. Um den Zucchino und die Zwiebeln ein Saatband Schneckenschreck gelegt. Drumherum ein paar Lupinen gesät. Die Männertreue eingepflanzt. Auf dem Balkon noch Basilikum und Zitronengras ausgesät, Schnittlauch geerntet und eingefroren, die Kartoffeln angehäufelt und die Tomaten in die Sonne gestellt. Unsere selbstgezogenen tragen bereits grüne Früchtchen, die gekäuften blühen noch. Weiter im Haushalt. Den Geschirrspüler und die Waschmaschine angestellt, Bettwäsche gewechselt, alles gewaschene auch wieder ausgeräumt und/oder aufgehängt, teils bereits wieder abgenommen (Sonne), die Küche aufgeräumt und schlussendlich diesen Blogeintrag geschrieben. Jetzt mache ich auch keine Radtour mehr ;-).

*

Gestern gab es hier dann ein Unwetter mit präziser Ansage. Wir haben die dunkle Front, die unter der Tarnung durch Sonnenlicht über den Fluss näherrückte, exakt richtig eingeschätzt und hatten alles rechtzeitig im Trocknen. Nur das Grillen hatten wir zu spät begonnen, das mussten wir abbrechen. Und dann kam vielleicht ein Ding runter! Der Starkregen klatschte nur so an die Balkontür. Man konnte die Pflanzen förmlich denken hören, ist ja ganz schön jetzt endlich mit dem Regen, aber muss das so doll? UNS konnte man sprechen hören, warum verdammt nochmal fällt das Satellitenfernsehen immer ausgerechnet bei Starkregen aus, wo das doch der Moment ist, wo man freiwillig reingeht und sich die Simpsonsfolge zuende angucken möchte. Später konnten wir sogar nochmal raus.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter auf der anderen seite, nachdenkereien, rostock, schmackhaft und bekömmlich veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s