Dänen lügen nicht und sind auch sonst ganz in Ordnung

Abgesehen von der großartigen musikalischen und entertainischen Leistung von Otto möchte ich natürlich endlich und erneut auf unsere freundlichen nördlichen Nachbarn eingehen.

Dass Dänen ehrlich sind – OK. Aber sie sind vor allem freundlich und geduldig. Gelassenheit liegt über allem, was sie tun, auch wenn es mal wieder länger dauert. Wir haben das gleich in mehreren Situationen studieren können. Da wir im Urlaub waren, übten wir uns in dänischer Gelassenheit, und das, wo der Capitano schon beim Ansteuern eines Kassenbereichs strategische Überlegungen darüber anstellt, wo man sich, nun ja, am besten anstellt.

Eine Situation bei Netto: Eine Kassiererin, viele Kunden. Eine Kundin wollte eine Packung Tee zurückgeben, da sie fälschlicherweise annahm, diese sei im Angebot gewesen. Gleichzeitig beäugt die aktuell abkassierte Kundin sehr aufmerksam den Kassiervorgang und erhebt Einspruch nach dem Einscannen eines Artikels, der ihrer Meinung nach im Angebot sei. Die Kassiererin springt mehrmals auf und läuft irgendwohin, um den Problemen nachzugehen Auch ein Schlüssel für Storno wird benötigt. Ich selber wollte nur eine KLeinigkeit holen und stand dann doch wie immer mit fünf Gegenständen bewaffnet da. Ich kann zwar kein Dänisch, konnte den Sprachmelodien um mich herum aber keinerlei Ungeduld oder gar Unmut über die Verzögerungen entnehmen. Lediglich wurde bei einem der Ausflüge der Kassiererin sehr freundlich nach einer zweiten Kasse gefragt, was ich angesichts einer vielköpfigen Kassenschlange als absolut angemessen empfand.

Eine Situation beim Slagter: Ich wollte nur zwei Smørrebrød und zwei danske frikadeller kaufen. Da ich dieses dort schon mehrfach getan habe, verhielt ich mich so wie immer und stellte mich direkt an die Theke hinter die Dame, die gerade bedient wurde. Noch während sie bedient wurde, betrat eine ganze Anzahl von Personen den Laden, denen ich zunächst nicht weiter Beachtung schenkte, da ich ja sowieso gleich dran war. Ich war sogar stolz darauf, dass ich mir gemerkt habe, dass man immer erst sagt, wieviele Smørrebrødse ich nun zu kaufen gedenke, bevor man die Bestellung konkretisiert. Der Slagter schaute mich allerdings mit einer Mischung aus belustigt und Hä? an, als ich ihn fragte, ob er Deutsch oder Englisch spräche. Er sagte dann sinngemäß so etwas wie „Ich spreche etwas Deutsch, aber Sie müssen einen Nummer ziehen“. Am Eingang. Wie beim Einwohnermeldeamt. Ich wusste zwar theoretisch, dass dieses in Dänemark durchaus auch an Fleischtheken im Supermarkt üblich ist, aber wie gesagt waren wir schon öfters bei diesem Slagter und haben dort wirklich noch nie eine Nummer gezogen. Ich fand es dann eigentlich ein bisschen doof, dass der Slagter mich tatsächlich stehenließ und sich den brav eine Nummer gezogen habenden Personen zuwandte. Immerhin war ich ja trotzdem – zumindest theoretisch – an der Reihe, denn als ich den Laden betrat, war kein Kunde weit und breit zu sehen bis auf die Kundin, die gerade bedient wurde. Ich tat wie der Däne, zog eine Nummer und fügte mich. Die nun bediente Kundschaft hatte ausführliche Begehren, die nur durch längeres Verschwinden im Hinterraum bearbeitet werden konnten. Alle harrten friedlich und genügsam der Dinge, die da kommen sollten. Auch ich. Auch der Capitano, der draußen tapfer mein Fahrrad festhielt, weil ich das nicht so gerne in solche Felgenkillerständer stelle. Als Belohnung fürs genügsame Ausharren gabs – eben etwas verzögert – besagtes Festmahl. Ich hatte zunächst ernsthaft erwogen, sauer und wütend auf die Speise zu verzichten – das wäre in Deutschland zu 80% meine Reaktion gewesen. Aber sich fügen und wie der Däne tun hat auch was.

Zuletzt auf der Rückfahrt mit dem Kronprins Frederik. Dänisches Schiff, dänische Besatzung. Im Travelshop beim Bierkauf für den Festivalbedarf unserer Trauzeugen. Eigentlich keine Kassenschlange, aber vor uns ein älteres Ehepaar auf Europareise, das sich mit einigen geistigen Getränken versorgte. Bei der Nennung der Gesamtsumme stellte sich heraus, dass sie zwar insgesamt genug Geld zum Bezahlen hatten, aber in Kronen und Euros. Das geht aber nicht, einen Teil so und einen Teil so zu bezahlen. Es mussten also Teile der Sachen wieder storniert und dann in Euro abgerechnet werden. Bis dahin fand allerdings mühseliges Zusammensuchen der Kronen und Euroscheine statt. Weder der Kassierer noch sonst irgendjemand wurde nervös oder ärgerlich, auch wir nicht. Wir waren ja nun gut geschult in dänischer Gelassenheit.

Mal sehen, wieviel Transfer langfristig stattgefunden hat. Man ist ja nicht immer im Urlaub.

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