Auch Patienten fehlt gelegentlich Empathie

Ich hatte heute ein im Ergebnis unbefriedigendes Telephonat mit einer Patientin.

Dem voran ging ein gestriges Telephonat mit der zuständigen Schwester in der Poliklinik. Wir haben Patienten, die leitliniengerecht einmal im Jahr neuropsychologisch vereinnahmt werden müssen. Das heißt, wir müssen dieses anbieten, diese müssen dieses aber auch annehmen, und es geht um deren Gesundheit. Bei einer Patientin wurde ich darum gebeten, direkt mit der Patientin den Termin auszuwürfeln, da diese diesbezüglich sehr schwierig sei.

[Diese Patienten kommen regelmäßig alle vier Wochen.]

Gestern rief ich die Patientin an (!), da war es ungünstig. Heute rief sie zurück. Das Gespräch im einzelnen kann ich nicht wiedergeben, aber es lief ungefähr wie folgt.

Ich hätte gerne, dass die Untersuchung im Rahmen der vierwöchentlichen Vorstellung erfolgt, weil mein Mann mich immer fahren muss und der muss dann immer Urlaub nehmen und schon immer wegen der vierwöchentlichen Termine das sind ja schon 12 Tage im Jahr ich weiß gar nicht wie der das immer hinbekommt…

Frau S., das Problem besteht darin, dass in den nächsten Monaten an Ihren regelmäßigen Terminen keine Möglichkeit besteht, da sind schon andere Patienten, die ebenfalls lange warten, wir können also nur einen zusätzlichen Termin ausmachen.

Ja, das geht aber nicht, mein Mann muss mich ja fahren, und ich habe drei Kinder, das muss man ja auch beachten, und in den Osterferien geht es auch nicht, eigentlich erst recht nicht, und mein Mann muss mich ja immer fahren, und mein Mann ist ja auch der Alleinverdiener, und die drei Kinder…

So. Frau S. Sie haben jetzt doch auch noch andere Termine hier, wie jedes Jahr. Wann sind die denn? OK. An dem Tag habe ich vormittags schon Termine, aber ich könnte sie (ausnahmsweise! Mache ich sonst nicht!) mittags noch einschieben, wenn Sie ein bisschen warten könnten.

Aber nein! Ich habe doch nur einen Halbtagsplatz für den Kleinsten! Den muss ich doch abholen.

Da ist mir die nicht vorhandene Hutschnur geplatzt. Sorry. Ich (ist nicht mal meine Aufgabe! Es geht um IHRE Gesundheit!) mache Angebot um Angebot und höre immer nur *wäääh*mein mann*meine kinder*ich bin so hilflos*wäääh* ja nee. Ich habe dann, so höflich wie es geht, gesagt, na so geht es nicht. Dann wurde ich der Unfreundlichkeitkeit bezichtigt und das Telephon aufgelegt.

[Der Witz besteht dann auch noch darin, dass die Patientin in einer für MV nahegelegenen Stadt wohnt, die nahverkehrsmäßig an Rostock angebunden ist. Und gleichzeitig um ihre gesundheitliche Situation sehr besorgt ist! Und berentet ist. Und ihre drei Kinder nach der Diagnose bekommen hat.]

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