Farewell, Schorsch! Und Shame on you, Rostock!

Wohin sie Dich bringen?

Angeblich nach Klaipeda. Dort wartet nicht der Hochofen, sondern ein kuscheliger Liegeplatz auf Dich. Sagen sie. Von Verschrottung war ja auch nie die Rede.

Wann wir Dich wiedersehen?

Wohl niemals. Es sei denn, wir machen in ein paar Monaten zufällig Urlaub an einem indischen Strand. Dann vielleicht, aber auch nur vorübergehend.

Vielleicht kehrst Du als Bestandteil irgendeines metallhaltigen Gebrauchsgegenstandes wieder. Das würde mich sehr freuen, aber ich bin schon groß und weiß, dass selbst wenn es so wäre, wir es nicht erfahren würden.

Die Lücke im Stadthafen, in der Stadtsilhouette ist riesig. Nicht zu füllen. Auch nicht mit dem Tradi. Trotzdem sollte es dorthin – es wäre der einzig denkbare würdige Vertreter dort.

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Was bleibt, ist neben einer schmerzlichen Lücke eine Reihe offener Fragen.

Warum verscherbelt die Stadt Rostock das Schiff an einen Trägerverein, ohne die Auflagen regelmäßig zu prüfen (insbesondere den Erhalt des schützenswerten Denkmals)?

Warum wurden Jugendherberge und Hotel so schlecht vermarktet?

Was hat der Trägerverein mit den Einnahmen gemacht? Schließlich war er gemeinnützig, da wird man ja mal fragen dürfen. In den Unterhalt des Schiffes und die Erhaltung der technischen Anlagen hat er es jedenfalls nicht gesteckt. Dafür hat er jetzt ungefähr 350.000 Öre Schulden angehäuft. Wie geht das?

Wie hoch sind die tatsächlichen Kosten zuletzt gewesen? Es hieß gerüchteweise, der monatliche Unterhalt des leeren und lediglich notbewachten Schiffes hätte bis zu 20.000 Öre im Monat gekostet. Gleichzeitig verlautbarte der Herr Hafenkapitän, dass die Liegegebühren gerade einmal um die 350 Öre betragen haben. Der Rest kann doch nicht Strom sein? Pikanterweise war die Bewachung dem insolventen Trägerverein übertragen worden. Wer da nicht ins Grübeln kommt…

Der Hafenkapitän ist sich auch nicht zu blöd zu behaupten, die Stahlplatten seien teils so dünn gewesen, dass ein Erhalt auch nicht mit den bislang vermuteten ~5 Mios zu stemmen gewesen wäre. Aber hej, ein Schiff, das aufgelegt ist! Dann müssen die Platten vor 10 Jahren, als die Georg Büchner in den Stadthafen kam, auch schon dünn und nicht erhaltbar gewesen sein. Kann mir doch keiner erzählen! Und Seetauglichkeit für die Verbringung hat sie auch bekommen.

Am Ende frage ich mich, warum dann die Stadt den Dampfer nicht vom Trägerverein in Höhe dessen Insolvenzmasse rückgekauft und dann selbst zur Verschrottung hat bringen lassen. Immerhin ist es für eine seychellenische Briefkastenfirma lohnend genug, ca. eine knappe Million über den Tisch zu schieben und den Dampfer zu verbringen und anschließend den Schrott mit ja nicht sicher wenig Gewinn zu verkaufen. Da hätte die Stadt den Gewinn doch gleich selber einstreichen können. Davon hätte man das Tradi aus Schmarl in den Stadthafen holen können und noch viele Jahre lang fähige Museumspädagogen oder weiß der Klabautermann wer so was kann bezahlen können, die die dortige Ausstellung mal ein bisschen aufgepeppt hätten. Hätte, hätte, Fahrradkette, wie unser hoffentlich zukünftiger Kanzler zu sagen pflegt.

Ein schaler Geschmack und dezent verhohlene Wut im Bauch bleiben.

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3 Antworten zu Farewell, Schorsch! Und Shame on you, Rostock!

  1. Anikó schreibt:

    Wirklich schade! Irgendwie gehört sie zu meinen Kindheitserinnerungen, wenn wir in Schmarl an der Warnow spazieren waren. Mein Onkel hat sogar auf ihr gelernt. Wirklich eine Schande und typisch für Rostock, dass sie sowas nicht schaffen zu bewahren *seufz*

  2. hafensonne schreibt:

    Ja, hier in Rostock läuft scheints kaum ein ehemaliger oder aktiver Seemann herum, der nicht auf der Büchner gelernt hat. Z.B. auch ein Erster Offizier auf der Tom Sawyer. Mich macht ja nicht einfach die Verbringung wütend, sondern die Umstände. Ach, es ist echt zum Heulen.

  3. Pingback: Mein 2013 in 12 Bildern | hafensonne

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