Marielyst reloaded

Weil es uns letztes Jahr zu Pfingsten so gut in Marielyst gefallen hat, haben wir dieses Jahr die Lage des Ersten Mais für ein verlängertes Wochenende in Dänemark genutzt. Diesmal nicht in jenem in die Jahre gekommenen Hotel, sondern in einem Ferienhaus.

Urlaubstage auf Falster haben nur Vorteile:

Man hat eine schöne Anreise mit dem Dampfer. Idealerweise startet man vormittags mit Nordwind in Rostock, so dass man achtern herrlich windstill in der Sonne sitzen kann. Noch netter, wenn man auf nette Personen trifft, die trotz der immer noch niedrigen Temperaturen bis Malmö mit dem Rad fahren wollen.

Man fährt eine wunderschöne 15-km-Tour entlag kleiner Gehöfte und Dörfer. Inzwischen kennen wir sie schon (Gedser-Gedesby-Skelby-Bruserup-Marrebaek), es gibt aber trotzdem auch immer wieder etwas zu entdecken. Zum Beispiel einen Autotürensammler (ca. 12 Stück, sah nach identischen Modellen aus), der zudem seinen Garten mit dem Heck einer uralten S-Klasse und einer weiteren weitgehend ausgehöhlten, karosseriemäßig ansonsten aber noch kompletten S-Klasse geschmückt hat.

In Dänemark ist immer schönes Wetter. Nicht unbedingt warm (die ersten beiden Tage quälte uns ein hartnäckiger Ostwind), aber die Sonne schien und wenn man windgeschützt war, konnte man sich gefährlich nahe an einen Sonnenbrand navigieren.

An Marielystens Strand, der auch 2012 wieder Dänemarks bester Strand war, gab es eine Hühnergötterschwemme. Wenn man einem Verdachtsobjekt noch den Sand aus dem Loch pustete, entdeckte man unten schon den nächsten. Irgendwann haben wir uns nur noch nach den bereits von oben eindeutig als gelocht eingeschätzten Steinen gebückt.

Strand und anschließende Dünenlandschaft sind meist weitgehend menschenleer.

Mitten in dem riesigen Ferienhausgebiet leben die interessantesten Tiere. Fasane gibt es in einer solchen Menge, dass der Kapitän beim nächsten Mal am liebsten die Flinte mitnehmen würde. Auch ein weibliches Exemplar wurde gesichtet, den Ruf haben wir auch häufig gehört. Einmal fuhren wir eine ganze Weile hinter einem Hasen her. Eines Tages fuhr ein uns entgegenkommendes Auto einen Rehbock an, glücklicherweise hatte sich dieser nicht verletzt, sondern entschwand nach ein paar Schreckminuten mit Kopfkino (Notschlachtung? Wie?) auf dem nächstgelegenen Grundstück. Am nächsten Tag sahen wir auf einem Nebenweg eine Ricke, die uns eine Weile anstarrte und dann unvermittelt und aus dem Stand über den benachbarten, ca. 1,30m hohen Zaun hüpfte. Dazu noch die ganzen verschiedenen Vögel. Amseln, na klar, die unvermeidlichen Möwen, Krähen, Tauben, Spatzen, Elstern, große und kleine grüne und rote Vögel, aber auch einen Habicht haben wir mehrmals am Rande des Vogelschutzgebietes gesehen. Zudem eine Eidechse (!). Ja, wir waren an der Algarve und sahen keine einzige, und nun muss man in Dänemark nicht nur darauf aufpassen, keine Rehe zu überfahren, sondern auch auf Eidechsen achten. Erfreulicherweise gab es (noch) keine Mücken, aber Hornissen, Wespen und vor allem Hummeln.

Die Dänen sind entspannt. Niemand tadelte uns dafür, dass wir verbotenerweise auf dem Deich Fahrrad fuhren. Oder uns an einem windgeschützten Platz in den Dünen aalten. Nach unserer Ankunft erschien eine entspannte Dänin auf unserer Terrasse und berichtete, dass das Auto, das auf unserem Grundstück stand, ihres sei und dass sie nebenan wohne (wir hatten uns zwar wegen des Autos gewundert, da wir den Platz aber nicht brauchten, auch nicht weiter interveniert). Also teilte ich ihr mit, dass uns das Auto nicht störe und dass sie es stehenlassen könne, da wir mit Fahrrädern bewaffnet seien. Am nächsten Tag benötigten wir eine Axt. Die Nachbarin konnte uns eine leihen, die wir dann später an ihre Schuppenwand lehnten, da keiner zuhause war, und am nächsten Tag erneut lahen (was der nicht unbedingt 100%ig als Wachhund geeignete Hund widerspruchslos gegen ein paar Streicheleinheiten geschehen ließ). Keiner schimpfte, als wir mit dem vergleichsweise nassen Holz aus der Kaufhalle mächtig Dampf machten. Als wir an einem gekauften Handtuch erst zuhause einen gezogenen Faden entdeckten (Ferienhaus ist nicht gleich Hotel :-/), gab es keine Probleme beim Reklamieren, obwohl das bunte Streifenhörnchen in einem auch hierzulande beheimateten Discounter erworben wurde. Auf den Straße grüßen sich Radfahrer und Fußgänger. Ach, es ist ein freundliches Land.

In Dänemark gibt es bereits Anfang Mai schon dänische Tomaten. Bei uns gibt es nur niederländische.

Makrelenpaste.

Die Rückfahrt verbringt man bei einer schönen Dampferfahrt. Da nun im Heck wegen des Südkurses keine Sonne scheint, ist ein West- oder Ostwind für die Passage günstig. Dann kann man sich in Lee positionieren. Idealerweise vormittags Westwind, dann ist die Sonne auf der Backbordseite. Nachmittags besser Ostwind. Steuerbord ist vor allem beim Einlaufen schön, wenn tolle Schiffe in Warnemünde liegen. In unserem Fall die Queen Elisabeth. Größenmäßig in einer Liga mit der Celebrity Eclipse/Constellation, aber dennoch viel schöner. Sieht wenigstens nach einem richtigen Dampfer und nicht nach einem sich in Marzahn losgerissen gehabten Plattenbau aus.

Südwind am Abreisetag ist jedenfalls enorm fatal, vor allem wenn man noch nicht gefrühstückt / sich spontan für eine frühere Fähre / das gesamte Gepäck allein aufgeladen hat. Die Ankunft am Dampfer war eine sprichwörtliche Punktlandung.

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2 Antworten zu Marielyst reloaded

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