Startwoche

Fängt gut an – Montag ist Feiertag. Zeit, um sich auf die anstrengende Arbeit vorzubereiten. Die Sonne brennt (zumindest auf dem Balkon und im dicken Fleece). Dann der Dienstag. Morgens sollte eine Patientin poststationär erscheinen, sie tat aber nicht so. Zum Glück ist genug anderes zu tun. Für einen Artikel wurde eine Major Revision angeordnet. Schreck! Dann Begutachtung der sogenannten Major Revision. „Das Wort xxx gibt es nicht. Höchstens yyy. Der Satz ist grammatikalisch falsch. Manuskript bitte noch einmal von einem native speaker durchsehen lassen. Die Nummern der Referenzen gehören hinter Punkt und Komma. Die Zahlen müssen Dezimalpunkte haben, nicht Kommas. Erklären Sie EDSS 3.5 und 4.0. Führen Sie Abkürzung EDSS ein. Gehen Sie auf blasülz näher ein, warum ist das so? Erklären Sie t-test, U-test.“ Na, wenn das ’ne Major Revision ist, dann will ich nicht wissen, was bei dem Reviewer ’ne Minor Revision ist. „Setzen Sie auf Seite 4, Absatz 2, Zeile 5, nach dem 5. Wort ein Komma. Oder einen Punkt. Tun Sie irgendwas!“ Machbar und bei geteilter Erstautorenschaft muss man ja nicht mal alles alleine machen. Der Nachmittag gehört einem anderen Paper, Projekt X, begonnen vor mehr als einem Jahr, ein Tochterprojekt ist längst publiziert, die letzte Version stammt vom 15.01.2013, davor wurde es beim Nervenarzt völlig unverständlicherweise rigoros abgelehnt. Und nun plötzlich überarbeitet und neu eingereicht! Aufn Plautz! Niemand unterschätze die kreative Schaffenskraft direkt nach einem Urlaub, wenn logistischerseits nachvollziehbar nur wenige bis keine Patienten angemeldet sind! Am nächsten Morgen dann wieder ein poststationärer Patient. Dieser erschien. Ein Riesenbaby kurz vor einer Biopsie. Die begleitende Ehefrau von freundlichem Wesen und schrillem Äußeren. Pink meets rot meets lila. Gestern Studenten. Dieses Mal an Neurologie interessiert. „Sie waren ja nun in dieser Woche auch auf Stationen bei uns. Hat Ihnen das gefallen?“ Heftiges Nicken. Viele Fragen. Gute Flachserei. Nur am Ende der Wermutstropfen: „Liebäugelt jemand von Ihnen denn mit der Neurologie?“ Einige nicken, einer sagt sogar, „ja, sehr“, „Und? Hier bei uns in Rostock?“ Student, erschrocken: „Das ist ja noch mehr als zwei Jahre hin, so konkret ist das noch nicht!“ Ich: „Zwei Jahre, das geht doch schnell!“ Frecher Student: „Naja, wenn man jung ist, ist das noch ziemlich lange hin.“ Stunde beendet. Artikelchen revidiert. Am Ende: Wo ist der überarbeitete Artikel hin? Geöffnet aus Mailprogramm. Aus Unachtsamkeit im Standardordner, also irgendeinem versteckten Mistkerl namens „Temp“ gespeichert. Ordner nicht auffindbar (nein, auch nicht über die Suche, auch nicht die Datei selbst). Resigniert (Dann mach ich halt alles nochmal, wenigstens ausdrucken hätte ich das Biest ja können!) Altartikel ernaut aus Mailprogramm geöffnet. Erstmal abspeichern. Siehe da, da ist ja die aktuelle Version. Wie komm ich da ran? Dateipfad anschau. Interessanterweise gibt es diesen Dateipfad in Wirklichkeit nicht. Ein Rätsel des unter der Kuratel des strengen EDV-Regimes einer Uniklinik stehenden Rechners, das er auch nicht herausgerückt hat. Die letzte Fassung des Artikels habe ich trotzdem noch irgendwie bekommen. Heute vormittag zwei Patienten. Besondere Genugtuung insbesondere ggü. dem Oberarzt, der mir erst heute morgen (vorwurfsvoll: Ich habe Sie schon versucht anzurufen) persönlich eine Patientin in Vorbereitung einer fraglichen Tiefenhirnstimulation angedreht hat, bereits in der nachmittäglichen Klinikkonferenz den fertigen Befund zu überreichen (Oh, es gibt schon einen Befund!). Und damit das Wochenende verdient. Vier Tage Arbeit reichen eigentlich wirklich gut aus. Aber der nächste Urlaub kommt ja.

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