Metropolenposse, die zweite: Georg Büchner

Gibt es was Schöneres für eine Hafenstadt als eine auf einem Schiff einquartierte Jugendherberge? Kaum. Sollten in einer Hafenstadt olle Schiffe an der Kaikante liegen? Unbedingt. Sollte man so einen Dampfer sang- und klang-, vor allem auflagenlos an einen dubiosen Verein für eine Mark verscherbeln? Hm. Und was, wenn dieser Verein dann, statt über die Jahre Kapital für notwendige Instandhaltungsmaßnahmen anzuhäufen, nach Kaputtwirtschaftung des Dampfers diesen an einen unbekannten Käufer verscherbelt? Der sie natürlich nicht verschrotten lassen will? Der schon Baltic Taucher mit den notwendigen Sicherungsarbeiten für die Überführung nach Litauen beauftragt hat?

Der Verein will die Kohle angeblich in eine neue Jugendherberge investieren. Die Erhaltung der Georg Büchner hätte angeblich 5 Mios gekostet. Aber im Ernst, kann man heutzutage auch nur eine Jagdhütte für 750.000 Öre errichten (der angebliche Kaufpreis)? Das glaubt doch kein Mensch.

Der Schlepptermin stand schon fast fest, da bemerkte irgendjemand, dass die Büchner auf der Denkmalliste steht. Puh. Und da musste zunächst eine Streichung beantragt werden (haha, sehr witzig, wenn man Denkmäler oder Denkmale (?) einfach so streichen lassen kann, kann man auf den Denkmalschutz gleich ganz verzichten), die nach einer eingehenden Prüfung allerdings versagt wurde. Gut so. Jetzt darf die Büchner erstmal nirgendwohin.

Zwischenzeitlich schaltete sich dann die belgische Regierung oder jedenfalls jemand sehr offizielles in Belgien ein, denn der Dampfer war ursprünglich ein belgischer solcher im Dienst auf der Belgien-Kongo-Linie und ist der letzte seiner Art. Also, bevor das Ding verschrottet wird, wollten es die Belgier heim nach Antwerpen holen. Inzwischen gab es also Verhandlungen zwischen der flämischen und der mecklenburg-vorpommerschen Landesregierung, ein Vorgang, der in der Geschichte einmalig sein dürfte.

Nach wie vor liegt die verlassene Georg Büchner im Stadthafen. Zusammen mit der Metropolenposse #1 Stephan Jantzen und dem vom Bürgermeister geplanten Verzicht auf die Fähre Gehlsdorf kann man nur zu dem Schluss kommen, dass Schiffe in Rostock – zumindest seitens der Administration – nicht erwünscht sind. Was für eine Hafenstadt. Sprachlich und visuell schöner hats die Nähmarie erzählt.

Für Impressionen von der Büchner:

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter nachdenkereien, rostock, schiffe veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Metropolenposse, die zweite: Georg Büchner

  1. naehmarie schreibt:

    da halt ich dagegen, sprachlich schöner und vor allem informativer isses hier! toll geschrieben. schon alles ziemlich undurchsichtig und mysteriös… bin gespannt, was das mit georg für ein ende nimmt. dass der verein das schiff so verkommen lassen hat, wurde mir leider auch erst bewussst, als ich mal zufällig die hotelbewertungen gelesen habe. schade drum. das mit der fähre nach gehlsdorf wusste ich noch gar nicht. auch nicht zu vergessen, die stubnitz! die versucht man ja auch schon seit längerem loszuwerden. :/

  2. Kai schreibt:

    Sehr schöner Beitrag welcher auf unserer FB Seite Rettet die Georg Büchner verlinkt wurde. Vielen Dank dafür
    https://www.facebook.com/RettetDasMsGeorgBuechner?ref=hl

  3. Pingback: Was zu erwarten war: Büchner sinkt vor Gdańsk | hafensonne

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s