Danmark rules

Nach zwei Wochen auf Dänemarks Südzipfel ziehe ich gemeinsam mit meinen erwachsenen Mitreisenden das Fazit: Das war nicht unser letzter gemeinsamer und nicht unser letzter Dänemarkurlaub.

Alles beginnt mit dem Bepacken des Fahrrads. In weiser Voraussicht haben wir einen Mann dabei, der nicht nur innerhalb weniger Stunden mehrmals – auch unter Zeitdruck – den Schlauch wechseln kann , sondern auch meine Reifen bis kurz vors Bersten aufgepumpt hat, so dass mein Fahrrad klaglos die Last diverser Bücher und zahlreicher Bikinis tragen konnte. Am Anleger genießen wir das Spektakel der anlegenden und hernach Autos und LKWs in schier unerschöpflicher Anzahl ausspuckenden Fähre (ein Anblick, der uns am Ende des Urlaubs sehr vertraut sein soll, sehr vertraut, aber dazu später), um dann selbst in den dunklen und riesigen Bauch der kleinen Dänenfähre hineinzufahren und die Fahrräder von innen an der Bordwand festzuschnallen.

Während der Überfahrt gleiten wir durch die spiegelglatte See und genießen die geschmacksfreien Spaghetti Mirácoli der Scandlines.

Sowohl Gedser als auch Ferienhaus sind eher klein. Es existiert allerdings ein Supermärktchen, der es zu 90% schafft, uns in den folgenden zwei Wochen zu versorgen. Allenfalls ein paar Weinkartons sowie zwei Beutel Kartoffel und eine einzelne Zwiebel werden außerortig organisiert.

Dänemark ist Skandinavien, und mithin ändert man automatisch einige seiner eigentlich eingefleischten Gewohnheiten. Zum Beispiel haben wir nicht ein einziges Mal irgendwo oder am Haus unsere Fahrräder angeschlossen. Auch das Haus haben wir häufig abends nicht verschlossen. Die erwähnten Kartoffeln erhielten wir wie folgt: Hat der dänische Bauer Kartoffeln abzugeben, so stellt er ähnlich wie seine deutschen Kollegen ein entsprechendes Schild an die Straße. Das ist auf eine Art putzig, denn nach unserer Schätzung dürften an der Stelle, wo wir das entsprechende Schild sahen, am Tage höchstens zwanzig Personen vorbeikommen, und haben die alle Kartoffelhunger und gleichzeitig selbst keine Kartoffeln im Haus? Im Gegensatz zu seinen deutschen Kollegen hat der dänsiche Bauer aber keine Lust, sich neben das Schild zu setzen und auf die 20 Passanten zu warten. Er stellt einfach die Kiste mit Kartoffeln auf einen Tisch neben das Schild mit dem Preis, und der Kartoffelwillige legt das geforderte Geld in die Kiste und entnimmt die entsprechende Anzahl an Kartoffeln.

Das Wetter war, hmmm, vielseitig. Bloß Hochsommer fehlte, aber was will man im August schon erwarten! Ansonsten ist uns das kleinere Kind einmal durch den Sturm vom Fahrrad geweht worden, und jeder ist auch mindestens einmal so nass geworden, dass sich die Luftfeuchtigkeit im Häuschen aufgrund der nassen Sachen schlagartig verdoppelte. Der Wind wehte eigentlich aus jeder mir bekannten Richtung, wobei es bei Westwind aufgrund des nahegelegenen, algenüberschwemmten Steinstrandes zum berühmten Algenodeur kam, während bei Südwind die zweistündlich erscheinenden Fähren sehr gut zu hören waren und bei Ostwind der den Fähren logischerweise folgende Fährenfluchtverkehr auf der E 55. Bei Nordwind, der am seltensten war, fiel vor allem die Abwesenheit der vertrauten Geräusche auf.

Die einigermaßen zuverlässig verkehrenden Fähren waren eine willkommene Kinderausführgelegenheit an schlechtwettrigen Tagen. Die Kinder waren nämlich, im Gegensatz zu ihren Erziehungsberechtigten, mit regentauglicher Bekleidung ausgestattet, so dass man prima auch länger im Regen wetten konnte, ob es diesmal beim Anlegen rummsen würde, und die Anzahl der auf- und abfahrenden LKWs bestimmen konnte. Am Ende grüßten uns die Männer von Scandlines schon, wenn wir uns aufs Areal direkt vor der Rampe stellten. Der Rhythmus der ankommenden Fähren bestimmte auch den Herzschlag der Tage, an denen wir abends noch draußen sitzen konnten. An einem Abend kam die Elfuhrfähre mit Nebelhorn, herrlich. Bei Südwind hörten wir den Rumms vom Anlegen und die Warnsirene beim Anpassen der Rampe deutlich. Die Kinder wurden häufig von der ersten Fähre morgens wach. Es galt die Regel, dass man nicht vor der Elfuhrfähre schlafen geht. Undsoweiter.

Überhaupt Kinder. Es war ja mein erster Urlaub mit Kindern, wenn ich von den zahlreichen Kinder- und Jugendfreizeiten, mit denen ich früher als Betreuerin meine Schulferien herumkriegte und die ja strenggenommen auch keinen Urlaub darstellen, absehe. Die Kinder bestanden aus zwei Brüdern im Alter von vier und sechs Jahren und waren insgesamt sehr süß. Sie hätten in meinen Augen morgens gerne zwei Stunden länger schlafen und in ihrem Entscheidungsverhalten konsistenter sein können, aber so ist das vielleicht nunmal, wenn man noch sehr klein ist. Dafür gab es abends eigentlich überhaupt kein Rambazamba beim Schlafengehen, eher durchaus Bettelei, endlich (19 Uhr) ins Bett gehen zu dürfen. Vom Alter her eher unerwartet entwickelte sich eine plötzliche Schachleidenschaft, da sich auf einem ortsmittigen Großfeld ungefähr kindergroße Figuren fanden, mit denen während der Schönwetterperioden manche Schlacht gegen den Vater eine Art Räuberschach gespielt wurde. Als frühere Vizemannschaftsjugendkreismeisterin von Rotation Prenzlauer Berg forderte ich den Kindesvater natürlich heraus und gewann schlussendlich (ein wenig überraschend) sogar, begleitet vom beifallenden Interesse einiger herbeigelockter Zuschauer (unter Druck und Beobachtung wird mein sein 20 Jahren brachliegendes Schachspiel natürlich unendlich besser!). Somit hatte ich für den Rest des Urlaubs unbegrenzte Zuneigung desjenigen Sohnes erworben, in dessen Namen ich spielte.

20 Minuten Fahrradfahrt (mit Kind auf dem Gepäckträger) führten zu einem sauberen, weißen, feinen, breiten und kinderfreundlich flachen Sandstrand, der so gut wie menschenleer war. Halten wir fest: es war Anfang August, wenn auch das Wetter eher aprilig war (im April war es dafür ja auch sehr sommerig). Warum sollte man sich an deutschen Ostseestränden stapeln und für alles unverschämte Preise zahlen, wenn man um den Preis einer zweistündigen Fährfahrt (Event!) und ein bisschen radeln allein am Strand liegen kann? Warum nicht einfach in Gedser eins der vielen zum Verkauf stehenden Backsteinhäuschen käuflich erwerben und sich eine gut erreichbare Wochenend- und Ferienresidenz erwerben? Nebst zugehörigen Freunden, die das entsprechende Kleingeld… *hüstel*

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Eine Antwort zu Danmark rules

  1. Pingback: Urlaubsliebe Sydfalster | hafensonne

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