update soccer

Draußen siehts wie April aus, und dann denke ich immer, im April hab ich doch schon gebloggt.

Wichtiges Ereignis dieser Tage ist natürlich die Fußball-WM der Frauen. Jaja, murmeln schon wieder diese Männerfußballtypen, Frauenfußball, so wichtig wie die Paralympics – gut, dass es das gibt, schau ich mir aber auch nicht an. Oder: Diese Mannsweiber, die nicht fußballspielen können, einfach widerlich. Oder: langweilig, alles Amateure, die dritte Kreisliga spielt besser (oder schöner), zu viel Tore (oder zu wenig), wird nie wie Männerfußball werden.

Da ist mir schon ein paarmal die Hutschnur geplatzt. Was soll denn immer dieser Vergleich mit dem Männerfußball? Bei Biathlon gibt es die (häufig erfolgreicheren) Frauen und die Männer; beim Schwimmen bringen (oder brachten) Franzi oder Paul die Medaillen heim; beim Skirennen gibt es ganz selbstverständlich Männer- und Frauenwettbewerbe, ohne dass ständig irgendein „Experte“ über die großen Unterschiede zwischen Männlein und Weiblein philosophiert.

Dass es physische, unüberbrückbare Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt, bestreitet niemand. Das ist der Grund, warum es in der Regel getrennte Wettkämpfe gibt. Aber warum deshalb Männerfußball der bessere sein soll, bleibt unklar. Alles, was bislang im Verlauf der aktuellen WM bekrittelt wurde, gab’s auch im letzten Jahr: schwächere Mannschaften, die kein eigenes Spiel aufbauen, sondern einfach nur das gegnerische aggressiv zerstören; Pässe, die nicht ankommen; eklatante Abwehr- und Torwartfehler; unflexible Strategien; schlechte Schiedsrichter (dazu später noch mehr!). Nur dass im vergangenen Jahr das niemand „dem Männerfußball“ angekreidet hat, sondern jeweils ganz konkret dem Adressaten. Das Spiel Deutschland – Ghana (1:0) war mit Sicherheit kein Deut ansehnlicher als heuer das Deutschland – Nigeria (1:0).

Leider hat sich mit mir kein Mann mehr angelegt, seit die WM begonnen hat. Jedem, der von Mannsweibern und Langeweile mosert, würde ich nämlich sofort unterstellen, dass er noch kein einziges Spiel gesehen hat. Ich habe noch kein langweiliges Spiel gesehen. Die Spielerinnen gehen aufs Feld und freuen sich so unendlich über ihre WM, dass es eine Freude ist. Bei den Totalaufnahmen ist oft auf den ersten Blick gar nicht zu sehen, dass da Frauen spielen, und damit ist nicht gemeint, weil die alle wie Männer aussehen. Es wird abgeschlagen, gepasst, gedribbelt, geschossen, gefallen, gefoult und gerannt, was will man mehr?

Das einzige, was bislang wirklich unterirdisch war, war die Leistung der meisten Schiedsrichterinnen. Die lächelnde Buddhafrau in Deutschland – Nigeria hat wirklich alles getan, um das unfaire und sogar gefährliche Spiel der Afrikanerinnen nicht wahrzunehmen, dabei müssen Fouls auch einfach deswegen gepfiffen und geahndet werden, um die Spielerinnen zu schützen (z.B. die Torfrau im Fünfmeterraum). Aber Miss Kitty gibt lieber Simone Laudehr eine gelbe Karte, weil sie, nachdem sie von ihrer Gegenspielerin zum fünften Mal ins Kreuz gesprungen wurde, diese am Trikot zog – nicht mal besonders dolle und schon gar nicht spielverlaufsbeeinflussend. Nach dem Spiel dachte ich ja, das wars an stümperhafter Pfeiferei, aber das jetzt schon legendäre ungegepfiffene Handspiel von Bruna (Äquatordingens), das im Nachhinein merkwürdigerweise mit „der Elfmeter wäre nicht spielentscheidend gewesen“ relativiert wurde, kommt natürlich aus einer ganz anderen Liga. Und nur ein Spiel später schießt eine Spitzenspielerin ein Tor, nachdem sie eine Abwehrspielerin nicht nur unsanft, sondern auch noch regelwidrig und unverhohlen aus dem Weg geschubst hatte. Niemand annullierte das Tor, obwohl man das Schubsen und den daraus gewonnenen Vorteil deutlich sehen konnte. Und diese großen Szenen ragen nur hervor aus der großen Schale der unglaublichen Fehlentscheidungen (vor allem durch Nichtpfeifen) an den ersten beiden Spieltagen. An den Schiedsrichterinnen möge die FIFA noch arbeiten, so sehr ich es schätze, dass Damen und nicht Herren die Spiele pfeifen.

Auch an sich selbst kann die FIFA noch einiges feilen, zum Beispiel an den Trophäen, die sie so vergibt, und der Transparenz, warum sie sie vergibt. Ich verfolge das nicht systematisch, aber warum beispielsweise war Annika Krahn „girl of the match“ gegen Nigeria? Weil sie die Abwehr zusammengehalten hat? Ist das nicht die Aufgabe einer Abwehrchefin? Hätte das Lob nicht Simone Laudehr zugestanden, die überall auf dem Feld zu sehen war, sich für keinen Lauf zu schade war, eine ungerechtfertigte gelbe Karte kassierte und auch noch das einzige Tor der Begegnung schoss? Oder hätte man nicht Nadine Angerer einen irgendwas-woman-alive-Orden verleihen müssen, weil sie nach den anhaltenden und ungestraften Attacken im Fünfmeterraum noch am Leben war? Und genauso natürlich gestern Marta – wie bereits erwähnt ein irreguläres Tor nach Foul geschossen, auch sonst nicht gerade durch sportliche Fairness aufgefallen, aber girl of the match – wahrscheinlich hatte die FIFA Angst, Marta NICHT auszuzeichnen, weil es ist ja die Welt-Fuß-Ballerin! Wie der Kommentator Norbert gestern nicht müde wurde zu betonen.

Dabei bin ich bei der letzten Strophe des Klageliedes. Die Kommentatoren. Zunächst dankt man ja irgendwem auf Knien, dass nicht Béla Rethy auf die Damen losgelassen wird, aber nur kurz. Dieser Norbert und ein paar andere gehen ja gar nicht. Die werden nicht müde, von der Frauen-Fußball-National-Mannschaft und der Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft zu sprechen. Halten die denn die Zuschauer für vollkommen plemplem? Dass es Fußball ist, kann man sofort erkennen, selbst als noch Wimbledon parallel lief, gab es kaum Verwechslungsgefahr, wegen der Tore und weil das Netz fehlt und überhaupt viel mehr Spieler, auch auf den ersten Blick beim Durchzappen. Dass es Frauen sind, die in einem ungeraden Jahr schon wieder in der Heimat einen Fußballpokal austragen, hat man vielleicht auch mitbekommen. Eingeschaltet hat man vielleicht sogar vorsätzlich! Also weg mit den überflüssigen Präfixen! „Die deutsche Nationalmannschaft“ reicht vollkommen, bei Bedarf einfach ein anderes Länderattribut einsetzen! Gestern hat eine FRAU das erste Spiel kommentiert, das war eine wahre Wohltat! Muss noch schnell dem ZDF schreiben, dass das bitte schnell Schule macht!

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