Kommentar

Jetzt ist JK also freigesprochen, und für die einen ist es ein Freispruch Zweiter Klasse, für die anderen ein Schlag ins Gesicht aller von sexualisierter Gewalt betroffenen Frauen. Dazwischen gab es offensichtlich Menschen, die es für passend hielten, direkt im Anschluss an die mündliche Urteilsverkündung mit Sekt anzustoßen, darüber hinaus sind die Fronten verhärtet und lassen wenig sowohl-als-auch zu. Auf der einen Seite stehen diejenigen, denen es nach zahlreich in Internetforen geäußerten Statements eigentlich egal ist, ob JK die Dame tatsächlich in der angeklagten Art und Weise willig gemacht hat, da er ja ohnehin einen moralisch verwerflichen Lebenswandel geführt habe und es schon von daher verdient habe, verurteilt zu werden. Außerdem hätte JK als quasi Goliath seine Prominenz und sein (in den Augen dieser Personen unermesslich vieles) Geld instrumentalisiert, um einer beispiellosen Medienkampagne sowie mit teuren Anwälten einer kleinen, armen, unbekannten sowie -bedarften Radiomoderatorin NOCH EINMAL zu zeigen, wo der Hammer hängt. Auf der anderen Seite stehen einerseits auffallend viele Experten beiderlei Geschlechts und vielerlei Fachrichtungen, die zum Glück nicht müde werden, die demokratischen Zehn Gebote (1. Faires Verfahren, 2. Ermittlung der Staatsanwaltschaft in alle Richtungen, 3. Verhältnismäßigkeitsgebot, 4. Unschuldsvermutung, 5. Transparenz des Verfahrens, und noch fünf, die eigentlich auf das gleiche hinauskommen) wiederzugeben und im Verlauf des Prozesses die kümmerlichen Informationen aus demselben mit den erwähnten Grundsätzen kommentierend abzugleichen. Andere JK-Unterstützer rekrutieren sich eher aus einer sehr heterogenen Gruppe von Männern, die vor mütterfreundlichen Familiengerichten offensichtlich schon so manche Niederlage eingefahren haben und deshalb zu der Einsicht geraten sind, dass ein Gerichtsverfahren, das auf Anstrengung einer Frau gegen einen Mann geführt wird und aus Aussage-gegen-Aussage-Konstellationen besteht, für den Mann von vornherein verloren ist.

Da ich weder Juristin bin noch Bock habe, mich durch das, was im Internet an echten Dokumenten zu finden wäre (Urteilsbegründung oder so), durchzuwühlen, kann ich mein Urteil vor allem nur auf das stützen, was in meinen präferierten internetisierten Druckstücken so geschrieben steht. Die sind sich auch nicht alle einig (Pluralismus!). Aber mir scheints: das war gerade so noch ein einigermaßen faires Vefahren, weil JK gute Anwälte hatte. Die Staatsanwaltschaft hat nicht in alle Richtungen ermittelt. Die Verhältnismäßigkeit war weder bei der U-Haft noch bei der peniblen Ausbreitung des Privatlebens samt sämtlicher Exfreundinnen von JK gegeben. Die Unschuldsvermutung galt zumindest bei einer abgehalfterten Feministen und ihrem neuen Hausblatt nicht. Und transparent war das Verfahren selbst nicht; zum Glück sickerten trotzdem ja immer genug Details durch dunkle Kanäle ans Licht der Öffentlichkeit. Meistens Details, die man lieber nicht wüsste.

Natürlich ist der Freispruch zu begrüßen; es ist ja nach der bekannten Lage nichts anderes denkbar gewesen (und dann hätte JK in Berufung gehen können; dieses Risiko konnte das Gericht natürlich nicht eingehen). Aber ich frage mich am Ende der langen Prozessdauer schon, warum das Gericht den Zeitpunkt verpasste, das Verfahren einzustellen und alle nach Hause zu schicken.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter nachdenkereien veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s