Geschafft

Heute habe ich es erstmalig gar nicht erst versucht, auf der Fähre mein Ticket vorzuzeigen. Die insgesamt vier Männer kennen mich jetzt als regelmäßige Passagierin mitFahrrad. Sie arbeiten in Schichten, wobei immer einer das Boot fährt und der andere so eine Art Verbund aus Schaffner, Sicherheitsoffizier und Deckchef darstellt. Das Deck ist allerdings sehr klein; und auch sonst steht der Zweite Offizier beim Anlegen steuerbords, legt den Tampen (nicht: Tampon) um den Poller und gibt dem Käpt’n mit zwei Schlägen gegen dessen Schott zu verstehen, dass er also getan hat. Anschließend überwacht er den weiteren Anlegeprozess kritisch, um dann in dem von ihm persönlich dazu bestimmten Moment das Verlassen des Bootes für die Passagiere freizugeben. Dieser Moment hängt ein bisschen vom spezifischen Anlegeverhalten des Käpt’ns ab. Die Fähre ist mit Rückwärtsgang und Seitenstrahlern* ausgerüstet, so dass der eine von den beiden Käpt’ns eine Anlegeart bevorzugt, die unter jungen Optimistenfahrern seinerzeit „aufschießen“ genannt wurde. D.h. er fährt mit vollem Tempo seitlich auf den Steg zu und bremst ca. zwei Bootslängen vorher scharf ab, so dass er im besten Fall direkt mit dem Ausstieg an der Ausstiegsstelle zum Halten kommt. Meist geling ihm das aber nicht, und der umgelegte Tampen plus Rückwärtsgang müssen einiges korrigieren, während die bereits bereitstehenden Passagiere durch die Kabine purzeln. Der andere von den Käpt’ns hat meiner Meinung nach eher den Ehrgeiz, ganz ohne zu bremsen direkt mit dem Ausstieg an der Ausstiegsstelle zum Halten zu kommen, was ihm meistens auch nicht gelingt; er muss sich dann mit Hilfe der Seitenstrahler* langsam an den Steg von der Seite ranarbeiten. Hobbybeobachter haben also auch dem Weg zur Arbeit bzw. nach Hause genug Stoff, um ihrem Hobby nachzugehen.

*Ich habe überhaupt keine Ahnung, wie das wirklich heißt, und vor allem keine Lust, das zu googeln. Ich selber weiß ja, was ich meine.

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