Stadt entdecken

Ich bin ja nun nicht zum ersten Mal in eine zuvor unbekannte Stadt gezogen, aber immerhin erstmals in eine, die ich mir vorher im Koppe ausgesucht hatte. Anhand welcher Kriterien das geschah, ist für mich jetzt im Nachhinein auch nicht mehr nachvollziehbar, denn ich kannte Rostock ja gar nicht. Meer, Osten und Uniklinik, so lautete der sehnsuchtserzeugende Dreiklang. Und der ist schonmal nicht gelogen gewesen! Zum Quartett fehlt bloß der Wind.

Meer, wie hier schon eingehend mithilfe modernster Technik illustriert wurde, ist hier reichlich vorhanden und mit preiswerten öffentlichen Verkehrsmitteln und sogar völlig gratis mit dem Fahrrad leicht zu erreichen. Wenn man dann angekommen ist, braucht man entweder zwei Jacken (Wind), oder muss nach zehn Minuten Sonnenbad egal Wassertemperatur reinspringen. Nach dem Reinspringen braucht man aber kein Handtuch (Wind).

Osten ist hier auch reichlich, und zwar manchmal in Ausprägungen, die mir in ihrer puren Existenz nicht so bewusst waren. Jeder dahergelaufene Westdeutsche erzählt mir ja auch gerne, dass „wir“ in Berlin es ja auch gar nicht sooooo schlimm hatten wie die Leute in der Provinz, die gleich nach der Berliner Stadtgrenze anfing. Osten also; wann immer ich auf der Suche nach dem nächsten Stempelberechtigten für meinen Laufzettel an eine Tür klopfe, findet sich dahinter eine Kaffeemaschine, eine Batterie in Gebrauch befindlicher Kaffeetassen und entweder eine einzelne Dame, die liest, und zwar nicht das aktuelle Klinikorgan, sondern irgendsoeinen Arztbumsschinken, oder aber mehrere Damen, ins Gespräch vertieft. In aller Regel habe ich natürlich an die völlig falsche Tür geklopft und muss ganz woanders hin (an einer Nicht-Campusuni natürlich in einem ganz anderen Stadtteil). Auch typisch: Niemand weiß, wer denn jetzt für eine bestimmte Misere (Schlüsselberechtigung, EDV-Zugang) überhaupt zuständig ist. Als wenn ich seit der Wende die aller-aller-erste Neueinstellung wäre. Aber ich hab auch keine Ahnung, wie das in Bielefeld gewesen wär.

Uniklinik: Pah deutscher öffentlicher Dienst, schäm Dich was! Hier gibt’s Sachen, die ich nicht erzählen kann, weil ich meine Seele dem Land Mecklenburg-Vorpommern verkauft habe, und als Strafe werde ich bei den Landtagswahlen im September irgendetwas ganz schlimmes wählen!

Wind,* ja, eine Mitarbeiterin sagt ja: Dazu sagst Du Wind? Das merk ich gar nicht mehr! und, im Bezug auf den Herbst (wir wohnen beide recht exponiert am Stadthafen): Warte mal, wenn’s im Herbst windig wird. Dann pfeift’s an der Tür! Dabei ist hier eigentlich jeden Tag Windstärke 4 angesagt. Das pfeift so auch schon!

*“Wind ja, Regen nein“, heißt es bei Helge Schneider (Texas). Und so war es bis eben auch hier. Heute, am 12. Mai 2011, hat es zum ersten Mal seit meiner Umsiedelung richtig geregnet. Zuletzt war mein Fahhrad schon sehr eingestaubt von den ungepflasterten Autobahnen hier.

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