Neue Stadt, aber Max Goldt kommt einfach überall hin

Auch in das bereits erwähnte Peter-Weiss-Haus, das, so wie’s aussieht, einst das Kulturhaus der Rostocker-Brauerei gewesen sein dürfte. Zu Zeiten, als noch die Betriebe für die Bekulturung ihrer Beschäftigten (damals noch oldschool „Arbeiter“ genannt) zuständig waren – bis der Westen kam, wie man hierzulande oft sagt. Ich hoffe allerdings für den auch nicht mehr ganz jungen Künstler, dass er wenigstens dann im Steigenberger Hotel Sonne oder im Radisson Blu logieren durfte und – trotz maßlosen Wasserkonsums – im Peter-Weiss-Haus nicht aufs Klo musste.

Rostocker Publikum beklagt sich nicht und lauscht kichernd, erst mit vorgehaltener Hand, dann laut schallend, den Wortgetümen. Es wird nur wenig das eben Gehörte [edit]bramarbassiert nachgebrabbelt[\edit], sondern fleißig und aufmerksam zugehört. Zwar poltern Flaschen herum, zwar klingelt gar ein Telephon (eine Woche Uniklinik hat mich bereits gelehrt, dass es ja auch eine Oberärztin sein könnte, die „Hintergrund“ hat, aber selbst dann reichte doch wohl Vibrationsgesumm), zwar hat das Kulturhaus Holzklappstühle eng gestuhlt, aber das Rostocker Publikum hat einen netten Abend und zeigt das auch.

Die korrekte Zugaben-Zeremonie sieht bei Max Goldt normal so aus: Vielen Dank und auf Wiedersehen, aufstehen, Jackett schließen und geradeziehen, Verbeugung geradeaus, Verbeugung links (vom Protagonisten aus gesehen), Verbeugung rechts, Abgang in den Bühnenausgang, fast sofortiges Wiedererscheinen, hinsetzen, Zugabe mit einigen launigen Worten einleiten. Heute stellte er sich mehr so in die Nähe des Vorhanges und würzte die launige Einleitung mit den Worten „Ich wusste nicht, was mich da zwischen den Vorhängen noch alles an Abgründen erwartet.“

Tja, hätte er nicht auch das Stadttheater haben können, wie im nur unwesentlich größeren Bielefeld? Nach dem, was ich heute so gehört habe, HAT Rostock schon seit 40 Jahren kein Stadttheater. Na, das geht aber nicht. Ich muss mich mal schlau machen. Aber schön, dass Max Goldt sehr tapfer noch einmal längst hinter sich gelassen geglaubten Kulturhauscharme mitgemacht hat. Das ist ganz besonderer Adel.

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2 Antworten zu Neue Stadt, aber Max Goldt kommt einfach überall hin

  1. Nadine schreibt:

    bramarbassiert?? Was ist denn mit dir los?! Wenn, dann wohl bramarbasiert.
    Haste dir zu sehr den Ostseewind um die Ohren pusten lassen?

  2. hafensonne schreibt:

    Ja, der Wind pustet tüchtig hier. Vielleicht deswegen. Vielleicht auch schnell lautmalerisch repetetierend hingekrakelt. Aber nach dem, was Tante G. ausspuckt, ist es eh nicht das richtige Wort. Es wurde daher editiert.

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